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FC Thun: Mit Köpfchen durch die Wand

Da die Gegner in der Rückrunde defensiver stehen, muss der FC Thun neue Wege finden, sein Offensivpotenzial auszuschöpfen.

Bisweilen tun sich die Thuner mit gut gestaffelten Teams schwer. Wie hier Marvin Spielmann gegen Luganos Jonathan Sabbatini.
Bisweilen tun sich die Thuner mit gut gestaffelten Teams schwer. Wie hier Marvin Spielmann gegen Luganos Jonathan Sabbatini.
Urs Lindt (Freshfocus)

Manchmal verkommt ein Fussball- zum Schachspiel. Wenn der Ball primär im Mittelfeld zirkuliert, sich die Teams quasi parallel verschieben und die Räume zustellen, sobald sich der Gegner bewegt.

Die Spieler des FC Thun dürften sich in den letzten Wochen des Öftern wie Schachfiguren vorgekommen sein. Denn dass die Thuner Räume vorfanden, ihr gekonntes Kombinationsspiel aufzuziehen, war zuletzt eher die Ausnahme als die Regel.

Schlusslicht GC erkämpfte sich vor zwei Wochen dank einer gut gestaffelten Defensive ein 1:1, Lugano machte den Oberländern im Cupviertelfinal lange das Leben schwer, und selbst der FC Basel agierte am letzten Sonntag zu Hause ungewohnt defensiv.

Das Kompliment

Marc Schneider hat festgestellt, dass sich Taktik und Mentalität der Gegner seit der Winterpause gewandelt haben. Dass sie den Thunern nun das Spiel gerne überlassen und nicht mehr versuchen, selbst eine Partie zu bestimmen. Basel, über Jahre die dominierende Kraft, bei der es für den FCT meist darum ging, den Angriffswellen des FCB zu widerstehen und im Optimalfall mit einem Konter gefährlich zu werden, verzeichnete am Wochenende durchschnittlich weniger Ballbesitz als die Thuner.

«Das hat es wahrscheinlich noch gar nie gegeben», vermutet Schneider. Freilich ist Ballbesitz nicht die beste Statistik, um einen Mentalitätswechsel der Gegner zu belegen. Der 38-Jährige hat diese Tendenz allerdings auch in anderen Datenauswertungen festgestellt, die ihm von der Liga zur Verfügung gestellt werden.

Beispielsweise die Statistik, welche die Zeit erfasst, die ein Team im offensiven beziehungsweise defensiven Drittel des Feldes verbringt. Oder auch bezüglich der durchschnittlichen Positionen, die einzelne Spieler während einer Partie innehaben, hat Schneider konstatiert, dass die Gegner im Vergleich zur Vorrunde nach hinten gerutscht sind.

Das stellt die Thuner vor die Herausforderung, das Spieldiktat noch mehr selber in die Hand zu nehmen, zu agieren, anstatt zu reagieren. «Diese Rolle ist für uns manchmal schon noch ungewohnt», gibt Captain Stefan Glarner zu.

Der Rechtsverteidiger absolviert seit der Rückkehr vom FC Zürich seine fünfte Saison im Oberland. Er weiss, dass die Thuner in dieser Zeit in der Mehrzahl der Spiele als Aussenseiter agierten und auf Konter lauern konnten, also so spielten, wie es die Gegner nun zu tun pflegen. Schneider sieht dies auch als Kompliment an für die erfolgreiche Arbeit, die im Oberland in dieser Saison bisher geleistet wurde.

Die Konkurrenz hat registriert, dass die Thuner über bemerkenswertes Offensivpotenzial verfügen und dass sie vor allem dann gefährlich sind, wenn sie mit viel Tempo in die offenen Räume vordringen können.

Das Offensivpotenzial ist unverändert hoch, aufgrund der passiveren Rolle der Gegner, was die Spielgestaltung angeht, wird der FCT jedoch seiner Stärke im Umschaltspiel beraubt. Es gilt neue Lösungen zu finden. «Wir wissen, wie wir spielen müssen», sagt Schneider. Es fehle aber bisweilen an Mut.

«Die Räume sind da. Wir trauen uns nur noch nicht zu, sie zu nutzen.» Die Spieler müssten einfach immer wieder probieren, die Lücken zu finden, die einem der Gegner offenbare. Und auch wenn dies momentan nicht immer klappe, sei jede Erfahrung wichtig. «Das ist alles eine Frage des Kopfes», sagt Schneider, der in jedem Spiel diesbezüglich Fortschritte registriert.

Irgendwann werde seine Mannschaft diese Spielweise so verinnerlicht haben, dass alles selbstverständlich wirke. Die nächste Übungsgelegenheit bietet sich den Thunern am Sonntag (16 Uhr), wenn der FCZ in der Stockhorn-Arena zu Gast ist. Dass die Zürcher nicht eine ähnliche Defensivtaktik wählen werden wie die bisherigen Thun-Gegner, ist unwahrscheinlich. Die Equipe von Ludovic Magnin stellt hinter YB die zweitbeste Verteidigung der Liga.

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