«GC wird nie sterben»

Von Latour bis Smiljanic: Das sagen GC-Legenden und Experten zum Abstieg des Rekordmeisters.

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Aus, vorbei. Mit dem heutigen Tag ist es traurige Gewissheit und das Ende einer Ära. Der Grasshopper Club, Rekordmeister im Schweizer Club-Fussball, muss den Gang in die Challenge League antreten.

Das sagen ehemalige Trainer, Spieler, Weggefährten und Stadtpolitiker zum Abstieg von GC:

Hanspeter Latourehemaliger GC-Trainer

«Ich kann immer noch nicht glauben, dass im Sommer eine Saison ohne GC in der obersten Spielklasse beginnen wird. Seit ich mich für Fussball interessiere, war GC immer oben dabei. Der Grasshopper-Club verkörperte immer einen besonderen Stolz, er war umgeben von einer besonderen Aura. Entscheidend ist es jetzt, dass Menschen in den verantwortlichen Funktionen eingestellt werden, welche die DNA des Grasshopper-Club verkörpern. Ich traue es Ricardo Cabanas zu, eine tragende Rolle zu übernehmen. Christoph Spycher bei YB und Andres Gerber bei Thun zeigen exemplarisch, wie man als Sportchef heute arbeiten muss. Bodenständig und teamorientiert, mit Leidenschaft und Ruhe. Beide waren als Fussballer bei GC, ich kenne sie, und ich denke, Cabanas würde solche Werte ebenfalls pflegen.»

Mats GrenGC-Legende

«Zuzusehen, wie es dem Verein in den letzten Jahren sowohl finanziell wie auch sportlich immer schlechter ging, war für mich sehr hart. Ich hatte in den letzten Jahren das Gefühl, es könnte bald einmal passieren. Jetzt ist der Abstieg Tatsache. Das schmerzt. Natürlich ist es für die Fans schwierig, in so einem Moment positiv zu bleiben. In der Challenge League braucht GC die Fans aber umso mehr. Das Ziel muss sein, in drei Jahren wieder eine Spitzenmannschaft in der Super League zu sein.»

Christian ConstantinSion-Präsident

«GC beging einen grossen Fehler in der Vergangenheit: Es zerstörte seine Heimat, den Hardturm, ohne das Projekt für ein neues Stadion zu haben. Im Letzigrund ist der FC Zürich daheim. GC kann doch nicht im Haus des Rivalen wohnen. Ich bedaure es natürlich, dass GC sich aus der Super League verabschiedet, aber das ist nur von begrenzter Dauer. Wenn es richtig gemacht wird, findet das Comeback in einem Jahr statt - so, wie es 2017 dem FCZ gelungen ist. Die Grasshoppers bleiben mit ihrer Geschichte immer ein grosser Verein.»

Beat SchlatterKomiker und FCZ-Fan

«Ich hoffe zutiefst, dass GC wieder in der Super League ist, wenn das neue Stadion steht. Ich habe gehört, das könne bis zu zehn Jahre dauern. Das sollte genug sein, um eine neue Mannschaft aufzubauen.»

Ciriaco Sforzafrüherer GC-Spieler und -Trainer, jetzt Coach bei Wil

«Freuen kann sich über den Abstieg von GC eigentlich nur die Challenge League: Sie bekommt eine Attraktion, die Meisterschaft wird interessant. Mich schmerzt es, wenn ich beobachte, was aus dem Club geworden ist. Die negative Entwicklung erkläre ich mir mit fehlender Disziplin. Dieses Problem hat sich über Jahre hingezogen. Immer wieder Grüppchenbildungen, ständige Wechsel - das führte automatisch zu Unruhe. Irgendwann konnte das so nicht mehr funktionieren. Wenn sie bei GC die Situation ehrlich aufarbeiten, dürfte der Abstieg eine reinigende Wirkung haben.»

Heinrich SchifferleLiga-Präsident

«Der GC-Abstieg ist extrem bedauerlich. Es ist ein Verlust für den Schweizer Fussball, ein Verlust für die Super League. Wenn der Rekordmeister absteigt, kann das für die Aussenwahrnehmung nicht gut sein. Andererseits steigt Servette auf, ein anderer Traditionsclub, dadurch hält sich der Schaden in Grenzen und ich freue mich auf den Vertreter aus Genf. Als der FCZ 2016 abstieg, war ich mir sicher, dass er schnell zurückkehren wird. Bei GC kenne ich die zukünftigen Strukturen noch zu wenig gut, um die Situation zu beurteilen.»

Claudio SulserGC-Legende

«Ich lebe zwar jetzt im Tessin, habe aber als Spieler neuneinhalb Jahre bei GC verbracht. Der Club bedeutet mir noch immer viel. Der Abstieg stimmt mich traurig - einerseits. Andererseits: So ist der Sport. Man muss auch mit Niederlagen fertig werden. Nicht selten habe ich in meinem Leben erfahren, dass ich aus Niederlagen mehr gelernt habe als aus Siegen. Gerade in den schwierigen Zeiten, wenn man glaubt, es gehe nicht weiter, muss man zusammenhalten. Der sofortige Wiederaufstieg muss das Ziel sein, auch wenn das nicht einfach ist. GC gehört einfach in die Super League.»

Romano Spadaroehemaliger GC-Präsident

«GC ist kein Club. GC ist eine Institution. Auch deshalb bin ich überzeugt, dass GC die Kraft und das Potenzial hat, um sich zu erholen. Aber, was sehr entscheidend ist: Der neue Präsident muss jetzt kluge personelle Lösungen finden für die wichtigsten Positionen. GC braucht integre Personen, die GC dienen - und nicht umgekehrt. GC darf nicht instrumentalisiert werden, damit einzelne ihre persönlichen Ziele erreichen.»

Corine MauchZürcher Stadtpräsidentin

«Im November 2018 durften sich beide Zürcher Clubs freuen: Die Stadtzürcher Stimmbevölkerung sprach sich deutlich für ein neues Stadion auf dem Hardturm-Areal aus. Zürich erhält endlich ein richtiges Fussballstadion. Dass es nun mit dem Ligaerhalt für GC nicht klappt, ist hart für alle GC-Fans. Aber schauen wir nach vorne: Die nächste Saison – und damit hoffentlich der direkte Wiederaufstieg – steht vor der Tür!»

Christoph Spycherehemaliger GC-Spieler, jetzt Sportchef bei YB

«Der Abstieg tut dem Schweizer Fussball nicht gut. GC ist ein Traditionsverein, der Rekordmeister. Und gerade in der Schweiz, wo das Potenzial nicht unbegrenzt ist, muss der Fussball ein Interesse daran haben, dass die grossen Vereine ihr Potenzial ausnutzen und gut arbeiten. Bei GC sind die Umstände mit dem Abbruch des Hardturms grundsätzlich schwieriger geworden. Jetzt ist noch dazu gekommen, dass in jüngerer Vergangenheit im Verein sicher nicht alles optimal gelaufen ist.»

Boris Smiljanicehemaliger GC-Profi

«Der Abstieg stimmt mich traurig. Jetzt geht es darum, die Weichen für den direkten Wiederaufstieg zu stellen. Die Enttäuschung muss schnellstmöglich aus den Köpfen verdrängt werden. Es wird wichtig sein, gleich mit breiter Brust und Siegen in die Challenge-League-Saison zu starten.»

Alain Geigerfrüherer GC-Spieler und -Trainer, jetzt Coach bei Servette

«Was jetzt passiert, hört sich seltsam an: GC in der Challenge League. Es ist das Endergebnis einer schlechten Entwicklung in den vergangenen Jahren. Es gab zu viele Wechsel, sowohl in der Führung als auch bei den Trainern und Spielern. So bitter die Situation ist: GC kann Glück im Unglück haben und schon in einem Jahr wieder zurückkehren, wenn die richtigen Schlüsse gezogen werden. Was die Zusammensetzung der Mannschaft angeht, wird vor allem eines wichtig sein: dass sie nicht nur aus jungen Talenten besteht, sondern auch aus ein paar Routiniers. Da rede ich aus Erfahrung bei Servette.»

Filippo Leuteneggerverantwortlicher Stadtrat für das Schul- und Sportdepartement in Zürich

«Der Abstieg ist natürlich sehr bedauerlich. Immerhin handelt es sich um den Rekordmeister mit einer entsprechenden Tradition. Aber wie wir wissen, kann ein Abstieg auch eine Chance sein. GC ist in der Stadt und im Kanton nach wie vor gut verwurzelt und ich bin sicher, dass der Verein gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.»

Fredy Bickelehemaliger Technischer Koordinator bei GC, bis Saisonende Sportdirektor von Rapid Wien

«Mit dem Abstieg ist etwas passiert, das ich mir nie vorstellen konnte: Es kann doch nicht sein, dass GC absteigt. Auch wenn es das logische Resultat der letzten Jahre ist. GC wird nie sterben. Es hat zu viele Leute, denen der Club am Herzen liegt.»

red

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