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Gefährliche Zeiten bei Paris St-Germain

Es brodelt bei PSG: Trainer und Sportchef können nicht miteinander, Schlüsselspieler fallen aus. Die Quittung gibt es auf dem Rasen.

Unzufrieden mit der Situation: PSG-Trainer Thomas Tuchel hätte gerne mehr Verstärkungen bekommen im Winter.
Unzufrieden mit der Situation: PSG-Trainer Thomas Tuchel hätte gerne mehr Verstärkungen bekommen im Winter.
Yoan Valat/EPA
Der französische Meister verpflichtete einzig den Argentinier Leandro Paredes von Zenit St. Petersburg.
Der französische Meister verpflichtete einzig den Argentinier Leandro Paredes von Zenit St. Petersburg.
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Nun stehen wegweisende Partien an. Am Dienstag, 12. Februar, reist PSG nach Manchester zum Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen die United, die unter Trainer Ole Gunnar Solskjaer (l.) regelrecht aufblüht.
Nun stehen wegweisende Partien an. Am Dienstag, 12. Februar, reist PSG nach Manchester zum Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen die United, die unter Trainer Ole Gunnar Solskjaer (l.) regelrecht aufblüht.
Catherine Ivill/Getty
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Die missratenen 90 Minuten könnte man einfach als Ausrutscher abtun. Paris St-Germain verliert in Lyon 1:2, kassiert die erste Niederlage im 21. Meisterschaftsspiel. Kann passieren. Der Vorsprung auf den ersten Verfolger Lille beträgt nach wie vor zehn Punkte, und das bei zwei Spielen weniger. Die Meisterfrage ist längst geklärt (eigentlich war sie das ja schon vor dem Saisonstart). Also: Mund abwischen, weitermachen.

Es gibt aber auch eine andere Lesart des 1:2 bei Lyon. Die Niederlage lässt sich ebenso gut als logische Folge der negativen Entwicklungen in den vergangenen Tagen deuten. Es kommt gerade einiges zusammen beim Dominator der Ligue 1.

Das Unheil begann am 19. Januar, als sich Mittelfeldmotor Marco Verratti beim 9:0 gegen Guingamp am linken Sprunggelenk verletzte. «Das ist das Schlimmste, was passieren konnte. Ohne Marco wird es für uns ein komplett anderes Spiel», sagte Thomas Tuchel niedergeschlagen. Was er noch nicht wusste: Verratti hatte es weniger schwer getroffen als zunächst angenommen. Der Trainer erklärte vor dem Lyon-Spiel am Sonntag, dass der 26-jährige Italiener in den nächsten Tagen wieder mittrainieren könne.

45-Millionen-Transfer ist zu wenig

Weit länger wird Neymar fehlen, der Schlüsselspieler im Angriff. Der Brasilianer schied vier Tage nach Verratti aus, Mittelfussbruch, schon wieder. Bis zu zehn Wochen Pause. Plötzlich bestand auch in der Offensive Handlungsbedarf, nachdem Tuchel schon zuvor neues Personal für die Zentrale gefordert hatte, da mit dem aussortierten Adrien Rabiot ein weiterer Spielgestalter nicht mehr verfügbar war. Die Zeit drängte, weil Ende Januar das Transferfenster schloss.

Die verschärfte Kadersituation führte dazu, dass das angespannte Verhältnis von Tuchel und PSG-Sportdirektor Antero Henrique wieder in den Fokus rückte. Die beiden waren schon im Herbst aneinandergeraten, als Tuchel Alternativen für die Sechserposition gefordert hatte, aber sämtliche Bemühungen Henriques auf dem Transfermarkt erfolglos blieben. Diesmal schaffte es der Portugiese immerhin, mit Leandro Paredes von Zenit St. Petersburg einen Mann fürs defensive Mittelfeld zu verpflichten (Kostenpunkt: 45 Millionen Euro).

Der Transfer des Argentiniers reichte allerdings nicht, um Tuchel zu besänftigen. Er sei zwar «glücklich, dass Leandro gekommen ist», sagte der Deutsche vor dem Lyon-Match und fügte an: «Wenn Sie mich aber fragen, ob ich insgesamt zufrieden bin – nein, das bin ich nicht.»

Washington–Paris und zurück

In der abgelaufenen Transferperiode wurde erneut offensichtlich, welch unterschiedliche Vorstellungen Tuchel und sein Vorgesetzter haben. Wie französische Medien berichteten, wollte Henrique unbedingt Lilles Thiago Mendes und Luciano Acosta von D.C. United holen, Tuchel hingegen Evertons Idrissa Gueye. Am Ende kam keiner.

Henrique soll die Bemühungen um Gueye absichtlich schleifen lassen haben, unterstellen ihm französische Medien. Kurios endete die Geschichte mit Acosta. Der Argentinier hatte bereits die Freigabe seines Clubs erhalten und landete am Deadline Day in Paris, der Deal scheiterte dennoch. D.C. soll auf einer zu hohen Weiterverkaufsbeteiligung beharrt haben. Und, nicht ganz nebensächlich: Tuchel soll sein Veto eingelegt haben. Also reiste Acosta zurück nach Washington.

Dass PSG auf der Jagd nach neuen Spielern wieder eine klägliche Figur abgab, hat die Beziehung von Tuchel und Henrique nicht gerade gestärkt. «Unsere Beziehung ist während des Transferfensters immer sehr eng. Ich weiss aber nicht, ob der letzte oder die letzten beiden Tagen die besten waren, um Lösungen zu finden», sagte Tuchel und ergänzte: «Ich habe meine Meinung, er hat seine eigene.»

Kommt Wenger?

Dem Vernehmen nach muss im Sommer einer der beiden gehen. Momentan sieht es aus, als sei Henrique in der schwächeren Position, zumal Tuchel die Rückendeckung von PSG-Präsident Nasser al-Khelaifi geniesst. Als Nachfolger wird bereits Arsène Wenger gehandelt.

Es brodelt also bei PSG. Und das just bevor die heisse Phase in der Champions League beginnt. Als den Parisern am 17. Dezember José Mourinhos Manchester United als Achtelfinal-Gegner zugelost wurde, schien klar: Die furiosen Franzosen würden sich vom kriselnden englischen Rekordmeister kaum stoppen lassen. Tags darauf wurde Mourinho entlassen.

Inzwischen heisst der Trainer Ole Gunnar Solskjaer. Der Norweger hat die United wachgeküsst und neun seiner zehn Spiele gewonnen (bei einem Unentschieden). Am 12. Februar treffen sich die beiden Teams zum Hinspiel im Old Trafford. Einen Favoriten gibt es dann nicht mehr.

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