Gelassen im Getöse

Am Dienstag trifft YB im Hinspiel der Champions-League-Playoffs auf ZSKA Moskau. Trainer Adi Hütter wirkt vor dem grossen Spiel fokussiert und ruhig.

Auf einem guten Weg mit den Young Boys: Der österreichische Trainer Adi Hütter, seit bald zwei Jahren in Bern.

Auf einem guten Weg mit den Young Boys: Der österreichische Trainer Adi Hütter, seit bald zwei Jahren in Bern.

(Bild: Andreas Blatter)

Fabian Ruch

Um den Hals baumeln Stoppuhr und Trillerpfeife. Adi Hütter kommt direkt vom Training draussen im Stade de Suisse zum Gespräch. Nun sitzt er am Sonntagmittag in jener Kabine, in der am Dienstagabend der Trainerstab von ZSKA Moskau residieren wird.

Es sind intensive Zeiten für YB, das gerade den grösstmöglichen Kontrast in dieser Saison erlebt – zwischen Spitalacker-Idylle am Samstag beim problemlosen 3:0-Sieg in der 1. Cuprunde gegen Breitenrain und den funkelnden Sternen der Königsklasse.

«Wer in den Playoffs steht, will in die Champions League. Das wäre ein Höhepunkt  in der Vereinsgeschichte. Aber wir sind Aussenseiter.»YB-Trainer Adi Hütter

«Wer in den Playoffs steht, will in die Champions League», sagt Hütter, «das wäre ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.» Aber der Trainer schiebt nach: «ZSKA Moskau mag nicht so stark wie Liverpool, Sevilla oder Napoli sein. Doch wir sind Aussenseiter.»

Die Erfahrung mit Salzburg

Bald zwei Jahre trainiert Adi Hütter YB. In diesen Saisonstartwochen lernte er mal wieder das volle Achterbahn-Programm kennen: 2:0 gegen Basel, Coup gegen Dynamo Kiew, 9 Punkte aus 3 Ligapartien, 0:4 als Leader gegen den Letzten Thun. «Das darf nicht passieren. Aber es lief auch gegen uns. Und wir hätten wohl die ganze Nacht kein Tor erzielt.»

Hütter wertet die Kanterniederlage gegen den kleinen Nachbarn keineswegs als Rückfall in vergangene Zeiten. «Nein, nein», sagt er entschlossen, «wir sind weiter in unserer Entwicklung, stabiler und selbstbewusster.»

Trotz der Peinlichkeit gegen Thun blickt YB ja auf einen erfreulichen Saisonstart zurück, für den der Verein Mitte Juli gewiss unterschrieben hätte. Ein Trainer aber will immer mehr, und so sagt Hütter: «Gegen Thun müssen wir zu Hause gewinnen. Aber wir sind in allen drei Wettbewerben gut unterwegs.»

Nun folgen für YB erneut vier Spiele in elf Tagen, zwischen den ZSKA-Partien geht es zum neuen Leader Zürich, eine Woche später nach St. Gallen. «Das Programm ist happig», sagt Hütter, «aber wir legen den Fokus immer auf das nächste Spiel. Sonst tun wir uns keinen Gefallen.»

ZSKA Moskau also, Dienstagabend, 20.45 Uhr, Champions-League-Hymne inklusive im Stade de Suisse. Die Diskussionen um den möglichen Abgang Yoric Ravets verfolgt der Trainer gelassen. «So ist Fussball. Und Ravet kann man ja keinen Vorwurf machen, dass er ein Angebot von Freiburg erhalten hat.»

Gegen Thun und Breitenrain stand Ravet nicht im Aufgebot. Laut Verein war der Franzose auch leicht angeschlagen. «Es geht um YB, nicht um Ravet», sagt Hütter. «Ich habe gelernt. Wir müssen klar kommunizieren und unseren Weg gehen.»

Als Trainer von Salzburg traf der Österreicher vor drei Jahren in den Playoffs zur Champions League auf Malmö. Nach dem 2:1-Heimsieg schwänzte Stürmer Sadio Mané (heute bei Liverpool) das Training, er wollte zu Southampton wechseln. «Es war das dominierende Thema und hat alle im Klub verrückt gemacht.»

Die hochbegabte Salzburger Truppe verlor das Rückspiel – ohne Mané – 0:3, kurz darauf wechselte der Angreifer in die Premier League. «Wir müssen ruhig bleiben», sagt Hütter. «Ravet ist Spieler von YB. Ich werde ihn im Training genau beobachten. Und dann werde ich entscheiden, ob er gegen ZSKA spielt.»

Vertrag läuft Ende Saison aus

Kühl, klar, konzentriert. So möchte Adi Hütter die Partie gegen Moskau angehen. Und mutig mit zwei Stürmern im 4-2-2-2-System. «Zu Hause sind wir stark. Wir wollen Druck machen und sind reifer als letztes Jahr gegen Gladbach.» Damals verlor YB das Playoff-Hinspiel 1:3. Und dann sagt Hütter: «Wir stehen gegen ZSKA vor einem grossen Spiel.»

Auch für den Trainer, der kaum bis ans Lebensende in Bern bleiben wird. Seine gute Arbeit weckt Begehrlichkeiten im Ausland, und die Bundesliga reizt auch den 47-Jährigen. Das muss und darf so sein. «Aber mir gefällt es sehr gut hier, die Perspektive stimmt. Alles andere interessiert mich jetzt nicht.»

Vor einem Jahr verlängerte YB den Vertrag mit Hütter bereits Ende Juli bis 2018, in diesem Sommer fanden noch keine Gespräche statt. «Es gibt so viel zu tun», sagt der Trainer. «Nun sind die Spiele gegen ZSKA eine riesige Herausforderung.» Er räumt aber ein, dass eine Cham­pions-League-Teilnahme für seine Trainerkarriere «natürlich kein Nachteil» wäre.

Berner Zeitung

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