Gelmi schiesst Thun in den Cupfinal

Der FC Thun zieht mit einem 1:0-Sieg in Luzern in den Cupfinal ein. Trainer Marc Schneider hat eine Wette zu begleichen.

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Dominic Wuillemin

Als es in grossen Teilen der Luzerner Swissporarena still wird, ertönt aus einer kleinen Ecke ein Lärm, den man sich von Auswärtspartien des FC Thun nicht gewohnt ist. 450 Billette sind im Vorfeld an Oberländer Fans verkauft worden – so viele wie schon lange nicht mehr.

Es sind da 80 Minuten gespielt. Der eingewechselte Flügel Matteo Tosetti, der erstmals seit Wochen wieder mittun kann, flankte, Luzerns ewiger Goalie David Zibung patzte. Und Defensivspieler Roy Gelmi schob im Stile eines abgezockten Angreifers ein. Die Thuner führen plötzlich 1:0 – und jubeln vor ihrem Anhang völlig losgelöst.

Die Berner Oberländer erzielen das einzige Tor im Cuphalbfinal gegen Luzern.
(Quelle: SRF)

Der Führungstreffer kommt zwar nicht aus dem Nichts, aber abgezeichnet hat er sich auch nicht. Die Oberländer müssen dem Gegner über weite Strecken das Diktat überlassen. Doch wie schon zuletzt gegen St. Gallen und GC ist ihre Defensive solid. Und diesmal unterläuft ihnen nach dem 1:0 auch kein Fehler, mit letztem Einsatz bringen sie die Führung über die Zeit und ziehen erstmals seit 1955 in den Cupfinal ein. Es ist ein historischer Erfolg, ein Stück Clubgeschichte. «Wir sind überglücklich», sagt Trainer Marc Schneider. Einziger Thuner Wermutstropfen ist, dass Captain Stefan Glarner nach seiner Gelben Karte gesperrt sein wird.

Nostalgie in Thun

Als Thun das letzte Mal im Cupfinal stand, arbeitete der damalige Trainer Hans Luder nebenbei beim Thuner Geschäftsblatt als Redakteur. Es war eine andere Zeit, der Fussball noch keine durchgestylte Angelegenheit. Ein Arbeitskollege hatte Luder vor dem Halbfinal die Wette vorgeschlagen, dass er im Falle eines Erfolgs barfuss auf das Stockhorn laufen müsse, und der Trainer war sie eingegangen. Es half dennoch nichts: sein Team unterlag dem Favoriten La Chaux-de-Fonds im Wankdorf 1:3.

Diese Geschichte ist vor dem gestrigen Halbfinal an die Oberfläche gespült worden, in diesen Tagen, in denen man rund um den FC Thun in Nostalgie schwelgt. Ein Cuphalbfinal ist für die Oberländer etwas Aussergewöhnliches, erst zum dritten Mal seit 1955 haben sie es so weit geschafft. So kam es, dass die Berner Radiolegende Albi Saner, der Sohn von Luders damaligen Arbeitskollegen, dem jetzigen Trainer Schneider die Wette anbot. Und dieser wie Luder einwilligte.

Als der Cuphalbfinal dann beginnt, startet Thun druckvoll. Die Schwächephase der letzten Wochen, in denen die Oberländer während 9 Ligapartien sieglos geblieben waren, scheint vergessen. Topskorer Dejan Sorgic, der am Samstag beim 1:1 bei GC geschont wurde, taucht nach zwei Minuten gefährlich im Luzerner Strafraum auf, bald bietet sich Grégory Karlen mit dem Kopf zweimal eine Chance.

Es ist ein Start, der den Thunern Mut geben kann, aber nach und nach schleichen sich im Ballbesitz Fehler ein, wird die Verunsicherung der letzten Wochen bemerkbar. Die Folge: Die Oberländer werden vor 12094 Zuschauern in die eigene Hälfte gedrängt. Silvan Sidler vergibt aus kurzer Distanz eine erste gute Chance, Lazar Cirkovic eine zweite, Blessing Eleke kurz vor der Halbzeit eine dritte. Die Pause kommt für den FC Thun zur richtigen Zeit. «Wir mussten leiden, Luzern hatte deutlich mehr Spielanteile», sagt Schneider.

Glück in Luzern

Nach der Pause entwickelt sich die Partie zu einem Cupfight, das Niveau ist nicht hoch, die Intensität aber schon. Das Heimteam, das zuletzt beim Sieg in St. Gallen Selbstvertrauen tankte, ist zwar immer noch überlegen, Eleke und Christian Schneuwly vergeben. Aber den Thunern gelingt es nun, hin und wieder einen Nadelstich zu setzen. Und als sich ihnen die grosse Chance bietet, schlagen sie in Person von Gelmi eiskalt zu. Sie haben in dieser Szene auch jenes Glück, das in den letzten Monaten immer mal wieder gefehlt hatte: Sorgic stand vor dem Assist im Offside.

Das muss die Thuner nicht kümmern, sie treffen am 19. Mai im Cupfinal im Stade de Suisse entweder auf Basel oder Zürich. Und Schneider hat bis dahin das Stockhorn barfuss zu besteigen. Er sagt: «Für meine Jungs mache ich das gerne.»

Berner Zeitung

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