Gemeinsam haben sie es schon einmal geschafft

Nach dem 0:3 aus dem Hinspiel braucht ManCity ein Fussballwunder. Die Hoffnung liegt auf einem Duo, das selten zusammenspielt.

Die drei Liverpool-Tore aus dem Hinspiel. Video: Tamedia/SRF

Wenn nur noch ein Wunder hilft, dann ist es für einen Verein wahrscheinlich beruhigend, zu wissen, dass man Spieler hat, die schon sogenannte Wunder vollbracht haben. Als Manchester City im Mai 2012 am letzten Spieltag die Meisterschaft verspielt zu haben schien, erzielte Sergio Agüero mit der letzten Aktion der Partie doch noch das siegbringende Tor. Das 3:2 über die Queens Park Rangers durch zwei Treffer in der Nachspielzeit sicherte City den ersten Titel in der Premier League. Neben Agüero besitzt ManCity einen weiteren Stürmer, der bisher zwar an keinem offiziell zertifizierten Fussballwunder mitgewirkt hat, dem das aber schon wegen seines Namens zugetraut wird. Er heisst Gabriel Jesus.


Bilder: Liverpool demontiert ManCity

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Nach dem 0:3 beim FC Liverpool im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League ist Manchester heute gezwungen, an alles zu glauben, was sich herbeikonstruieren lässt, um das Aus abzuwenden. Seit dem Aufeinandertreffen mit dem polnischen Club Grnik Zabrze 1970/71 erreichte City im Europacup nie mehr die nächste Runde, wenn das Hinspiel verloren ging.

Immerhin hat Barcelona in der vergangenen Saison durch ein 6:1 gegen Paris bewiesen, dass sich sogar ein 0:4 aus dem ersten Spiel noch umkehren lässt. Beim Versuch, ein ähnliches Kunststück zu bewerkstelligen, wird der beste Angriff der Premier League auf jene Protagonisten zurückgreifen, die massgeblich verantwortlich sind für die Bilanz von 90 Toren in 32 Ligaspielen. Hinter dem besten Torschützen Agüero (21 Tore) reihen sich Raheem Sterling (16) und Leroy Sané (9) ein sowie: Jesus (9).

Angriff auf Agüeros Monopol

2017 hat Jesus im Trikot der Citizens in 38 Spielen 17 Tore und 9 Vorlagen geliefert, obwohl ihn zwischenzeitlich ein Mittelfussbruch aus der Balance brachte. Für rund 36 Millionen Franken hatte City den Wunderknaben 2016 von Palmeiras So Paulo verpflichtet.

Bei seiner Ankunft in Manchester Anfang 2017 forderte Jesus direkt den Argentinier Agüero auf der Position des Mittelstürmers heraus – und knackte dessen Monopol. Mit seiner Bereitschaft, nach hinten mit derselben Intensität zu laufen wie nach vorne, verdrängte Jesus den Konkurrenten umgehend auf die Bank. Der gönnte sich in der gegnerischen Hälfte auch mal den Luxus, entgegen den Anweisungen von Trainer Pep Guardiola einfach stehen zu bleiben.


Video: So aggressiv wurde ManCity empfangen


Inzwischen hat der Überbietungswettkampf zwischen dem lernwilligen Jesus (21) und dem abgezockten Agüero (29) dafür gesorgt, dass sich beide in den Torschützenlisten nach oben geschossen haben. Gemeinsam können sie nämlich ebenfalls auf Torjagd gehen: In der Hinrunde der Premier League erzielten sie als Doppelspitze die ersten drei Treffer beim 5:0 über Liverpool. Eine Wiederholung der Aufführung würde City an den Reds vorbei zum zweiten Mal in der Clubgeschichte in den Halbfinal der Königsklasse führen. In 50 Wettbewerbsspielen dieser Saison schaffte Guardiolas Team neunmal ein Ergebnis, das gut genug fürs Weiterkommen wäre. Vier weitere Resultate hätten immerhin für die Verlängerung gereicht.

Schwacher Start ins Jahr

2018 hat Jesus allerdings erst zweimal getroffen. Etwa anderthalb Monate bremste ihn eine Knieverletzung, er sucht noch seinen Rhythmus, weil seine Begabung hauptsächlich in den schwungvollen Bewegungen im Strafraum liegt. Ihm fehlt es nicht an Fussfertigkeit und Körperbeherrschung. Aber bei Jesus ist es so, dass er durch seine Dynamik und seinen Instinkt einfach früher am Ball ist als seine Gegner. Das bringt ihm sogar den nötigen Vorsprung ein, wenn er sich bei einer Grösse von lediglich 1,75 Metern in Kopfballduellen behaupten muss. «Er hat alles, um einer der besten Stürmer der Welt zu werden», stellt Guardiola fest.

Die Furcht vor körperlich stärkeren Spielern hat sich Jesus bereits in der Kindheit abtrainiert. Im Armenviertel Jardim Peri im Norden von So Paulo duellierte er sich mit Menschen jeglichen Alters auf den maroden Plätzen eines Militärgefängnisses. Einer der Gegenspieler drohte an, ihm die Füsse zu brechen, weil Jesus ihn mit Dribblings nervte. Über ein Sozialprojekt, das Talenten die Möglichkeit bietet, sich für bekannte Vereine in Brasilien zu empfehlen, entkam Jesus dem Schlamassel. Seither dürfte ihn nicht mehr viel schocken. Schon gar kein 0:3 in Liverpool.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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