Glückliche Doppelbürger

Was ist Heimat? Was bedeutet Heimat für jene, und das sind einige unter uns, die sich nicht ganz festlegen können, weil das Herz vielleicht gespalten ist?

Eine Rede zum 1. August.

Eine Rede zum 1. August.

(Bild: Keystone)

Fredy Wettstein@fredyinho

Liebe Oberschaksteiner, liebe Unterschaksteiner, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Meiers, Lichtsteiners und Xhakas (In diesem Moment klatschen bei der 1.-August-Feier ohne Feuer viele laut, und nur von einer Ecke, ganz rechts vor dem Podium, kommen einige Pfiffe)

Ich bin hierhergekommen, an diesen wunderschönen Ort am Waldrand, um meine Rede vor allem euch zu widmen. Der heutige Feiertag gehört euch. Es ist euer stolzer Tag, euer erster 1. August. Besonders in diesen Wochen, in denen bei uns, aber auch bei denen da drüben (und er zeigt nach Norden, das Dorf liegt nahe an der Grenze) so viel über dieses Thema gesprochen und diskutiert wird und man sich plötzlich nicht mehr versteht.

Was ist Heimat? Was bedeutet Heimat für jene, und das sind einige unter uns, die sich nicht ganz festlegen können, weil das Herz vielleicht gespalten ist? Darf ein Herz überhaupt plötzlich anders fühlen?

Heimat bedeutet doch für jeden immer wieder etwas anderes, aber wichtig ist, dass hier, in diesem wunderbaren Land, auch bei uns, in unserem schönen und jetzt grösser gewordenen Dorf, jeder seine Heimat finden kann. Und die haben wir gefunden. Wir haben profitiert, alle (grosser Applaus, nur vereinzelt Pfiffe), es geht uns heute besser, seit wir zusammen sind.

Es war kein einfacher Weg, es gab Ablehnung und Vorbehalte, und es gab einen Graben, von dem niemand sprechen wollte, der aber zu spüren war. Aber dann, mit vielen Gesprächen, haben wir uns gefunden.

Und am besten zeigt sich das bei unserem Fussballclub, dem FC Schakstein, wie er heute heisst. Integration ist ein Beleg für die Kraft des Fussballs. Die Leidenschaft für diesen Sport führt verschiedene Kulturen zusammen, das konnten wir eindrücklich beweisen.

Liebe Meiers und Lichtsteiners aus Oberschakstein und liebe Xhakas aus Unterschakstein, ihr, die irgendwann von irgendwoher zugezogen seid und eigentlich andere Wurzeln habt. Wir konnten euch eine neue Heimat geben, und ihr habt uns gezeigt, was Heimat bedeuten kann, und seit wir zusammen sind, sind wir stärker geworden. Unser Leben – oder wieder auf den Fussball bezogen: unser Spiel – wurde bereichert.

Das ist der erste 1. August, den wir zusammen feiern dürfen. Wir sind doppelt glücklich. Und fühlen uns ein wenig wie Doppelbürger, Bürger aus Unter- und Oberschakstein.

(Langer Applaus, keine Pfiffe, der Präsident schwenkt stolz ein Clubshirt und macht eine Geste.)

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