Heiss begehrte YB-Frauen

Die Nachwuchsarbeit bei den Frauen trägt Früchte. Allein die NLA-Equipe von YB transferiert sieben Spielerinnen in Topligen, was für die Ausbildung spricht.

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Adrian Lüpold

Seit Jahren legen der Schweizerische Fussballverband und einzelne Clubs die Saat. Ganz gezielt investieren sie in die Ausbildung von Talenten. Bereits im Teenageralter werden begabte Mädchen mit professionellen Trainingsmethoden gefördert und erlangen so das Rüstzeug, mit dem sie später bei idealem Karriereverlauf auf hohem Niveau Fussball spielen können.

Mit Erfolg: Im Jugendbereich erzielten die Schweizer Frauenauswahlen zuletzt durchaus Fortschritte. Sie verringerten den Abstand zur europäischen Spitze und schafften es auch bei globalen Grossereignissen, eine Rolle zu spielen. Zuletzt gab die U-19-Equipe bei der Europameisterschaft eine sehr gute Visitenkarte ab, verpasste nach soliden Leistungen gegen Topnationen die Halbfinals nur knapp.

Sieben YB-Frauen wechseln

Und so überrascht es nur bedingt, dass viele junge Schweizer Fussballerinnen im Ausland derzeit heiss begehrt sind. Fast im Dreitagesrhythmus geht ein internationaler Transfer über die Bühne, noch nie standen so viele in der Schweiz ausgebildete Akteurinnen im Kader eines ausländischen Vereins wie in der kommenden Saison.

«Die Anfragen aus dem Ausland für unsere ­Spielerinnen sind zuletzt sprunghaft angestiegen.»YB-Trainerin Marisa Wunderlin

Allein das NLA-Frauenteam von YB ist von einem Aderlass betroffen, der bemerkenswert ist und indirekt für die hervorragende Ausbildungsarbeit spricht, die im Verein geleistet wird. Nicht weniger als sieben Spielerinnen der Gelb-Schwarzen, sechs davon 23 Jahre oder noch jünger, weckten Begehrlichkeiten und unterschrieben für die kommende Spielzeit einen Kontrakt bei einem ausländischen Verein.

«Die Anfragen aus dem Ausland für unsere Spielerinnen sind zuletzt sprunghaft angestiegen. Immer öfter kümmern sich wie im Männerfussball auch Agenten um die Anliegen der Frauen. Und so sind die vielen Transfers irgendwie auch eine logische Konsequenz der Entwicklung», sagt YB-Trainerin Marisa Wunderlin.

Transfers wie ein Kompliment

Wunderlin, die vor ihrer dritten Saison als YB-Coach steht, erachtet die vielen Anfragen und Transfers zwar als Kompliment für ihre Ausbildungsarbeit. Nicht zuletzt auch, weil der Club bei ihrem Amtsantritt klar die Devise herausgegeben hatte, konsequent auf Talente zu setzen.

Und trotzdem hat die 30-jährige Jungtrainerin, welche die YB-Frauen in der letzten Saison auf den starken dritten Rang geführt hat, auch ein bisschen an den Umständen zu kauen: «Klar gibt es auch ein weinendes Auge bei all den Abgängen, obwohl ich jeder einzelnen Frau die Chance gönne, im Ausland professionell Fussball spielen zu dürfen», sagt Wunderlin.

Grundsätzlich seien die Transfers aber eine tolle Sache und ein Indiz dafür, dass sich der Frauenfussball in der Schweiz weiter im Aufschwung befinde, auch wenn die einheimische Liga durch die vielen Abgänge wohl etwas geschwächt werde. «Allerdings», gibt die St. Gallerin zu beden­ken, «besteht natürlich auch die ­Gefahr, dass jemand zu früh ins Ausland wechselt.» Das sei immer eine Art Gratwanderung. «Ich hoffe natürlich, dass die ehemaligen YB-Spielerinnen ihren Weg im Ausland machen werden.»

Die nächste Saat legen

Wunderlin ist bei YB gefordert, eine neue kompetitive Equipe zu formen. Viele Leistungsträgerinnen suchten das Weite, neue Talente müssen gefördert und behutsam an die NLA herangeführt werden – eine schwierige, aber auch schöne Aufgabe, die Wunderlin mit Enthusiasmus angeht. «Die Entwicklung im Club gefällt mir richtig gut, wir gehen konsequent den Weg mit den Jungen, es macht Spass, Teil davon zu sein.»

In einem ersten, vierwöchigen Trainingsblock habe sie die neue Generation richtig schlauchen können, sagt Wunderlin schmunzelnd. Nach einer Woche Pause befinden sich die Frauen nun im zweiten Teil der Vorbereitung zur neuen Saison, die am 10. August mit einem Cupspiel gegen den Zweitligisten FC Schwarz-Weiss gestartet wird.

«Momentan haben wir zwölf Spielerinnen im Kader, die noch in der U-19-Equipe spielberechtigt wären», erzählt Wunderlin. Die nächste Saat ist also schon wieder gelegt. Wunderlin und ihr Mitarbeiterstab werden alles dafür tun, sie keimen zu lassen.

Berner Zeitung

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