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Hoeness’ «besonnene Reaktion» auf Kritik

Wer Uli Hoeness als Präsidenten des FC Bayern München infrage stellt, muss mit einer entsprechenden Antwort darauf rechnen.

Sieht seinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und Präsident des FC Bayern beschädigt: Uli Hoeness holt nach Kritik an seiner Person zum Rundumschlag aus. <i>(Video: AFP/Tamedia)</i>

«Schwer getroffen» und dementsprechend enttäuscht ist Uli Hoeness. An der Jahreshauptversammlung von Bayern München war der Clubpräsident am Freitag mit Anfeindungen gegen seine Person konfrontiert worden. Johannes Bachmayr hatte im Münchner Audi Dome vor 1681 anderen Mitgliedern das Wort ergriffen und Dampf abgelassen. Das FCB-Mitglied kritisierte primär den Führungsstil der Vereinsverantwortlichen und unterstellte ihnen Vetternwirtschaft. Auch die Verbannung des Ex-Mitspielers Paul Breitner von der Ehrentribüne in der Allianz-Arena prangerte Bachmayr an. Zudem wurde Hoeness im Verlauf des Abends von einigen Anwesenden gar als «Lügner» und «Feigling» bezeichnet und musste neben Beschimpfungen auch Buhrufe und Pfiffe über sich ergehen lassen.

Am Freitagabend wollte Hoeness weder zu den Beanstandungen von Bachmayr noch zu anderen Vorwürfen Stellung beziehen. «Da muss ich erst mal richtig drüber nachdenken. Ich habe ja versprochen, dass ich sachliche Dinge sage in Zukunft. In meiner Zeit vor dem heutigen Tag hätte ich vielleicht das eine oder andere gesagt, was ich vielleicht morgen bedauert hätte», hielt der 66-Jährige fest. Er wolle erst mal eine Nacht über «diese Vorkommnisse» schlafen – es sind zwei Nächte geworden.

Am Sonntag äusserte sich Hoeness bei seinem traditionellen Adventsbesuch des FC-Bayern-Fanclubs im oberfränkischen Kersbach zu den Kritiken und Anfeindungen. Zuerst stellte er seine Zukunft als Präsident des deutschen Rekordmeisters infrage: «Ich werde in aller Ruhe die nächsten Wochen und Monaten beobachten, wie sich das alles entwickelt, werde mir viele Gedanken machen und entscheiden, was ich will und was nicht. Dieser Abend geht nicht spurlos an einem vorüber, und man kann nicht zur Tagesordnung übergehen.»

«Dieser Abend macht mir Sorge»

Blasmusik, Folklore und Trost in Form von Zuspruch hatten Hoeness’ vorweihnachtlichen Fanclub-Besuch geprägt. Kurz bevor sich der hohe Gast dann verabschiedete, verflog die Harmonie jedoch. Denn der FCB-Boss holte zum verbalen Gegenschlag aus. «Hier war von einem ganz kleinen Teil der Versuch unternommen worden, meinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und Präsident zu beschädigen. Da muss ich ehrlich sagen: Ich war schockiert, ich war überrascht, und deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich so besonnen reagiert habe», hob Hoeness dabei selbstlobend hervor.

40 Jahre habe er daran gearbeitet, dass der FC Bayern dort stehe, wo er jetzt angelangt sei, gab Hoeness zu bedenken. «Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt, und ich hoffe, dass sich das wieder ändert, sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern. Denn das ist etwas, was ich nicht akzeptiere.» Der Clubpräsident gestand ein, dass er sich am Freitag nach den heftigen Vorwürfen gegen das Führungsgremium und seine Person hatte zusammenreissen müssen. «Sonst wäre das möglicherweise alles aus dem Ruder gelaufen, und das wäre nicht gut gewesen für Bayern München. Wenn ich so reagiert hätte wie früher, dann gute Nacht», sagte Hoeness. Zuletzt hielt er fest: «Dieser Abend macht mir Sorge.»

«Nicht den Weg über die Presse gehen»

Angesprochen auf den Zwist mit Paul Breitner ging Hoeness mit seinem ehemaligen Freund heftig ins Gericht: «Paul Breitner wird zum Märtyrer gemacht. Aber Paul Breitner ist nicht Opfer, sondern Täter.» Eine Versöhnung kommt für den Bayern-Präsidenten keinesfalls infrage: «Dieses Verhältnis ist nicht mehr zu kitten, er hat den Rubikon überschritten.» Breitner war Hoeness und FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach der denkwürdigen Bayern-Pressekonferenz in der TV-Sendung «Blickpunkt Sport» im Bayerischen Rundfunk an den Karren gefahren. Im Oktober hatten Hoeness, Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic zum Rundumschlag gegen alle ausgeholt, die Kritik am FC Bayern üben. «Mit diesem Auftritt haben sie die Arbeit kaputtgemacht, die der Verein in den letzten Jahren gemacht hat, um aus dem Arroganz-Image herauszukommen», hatte der 67-Jährige gesagt. Auch seine Aussage «Bei Uli Hoeness geht es immer um die FC-Bayern-Familie. Da müssten jetzt die Kinder der Familie sagen: Für den Papa müssen wir uns jetzt gewaltig schämen» trug zur Trennung der ehemaligen Zimmernachbarn bei.

Hoeness gab am Sonntag bekannt, dass Breitner in den letzten acht Jahren «fast zwei Millionen Euro Honorar für 15 bis 20 Vorträge vor Sponsoren erhalten hat». Anfang 2017 habe Breitner, der nach seiner Aktivkarriere auch Berater und Chefscout des Clubs war, nach einer Auseinandersetzung mit Rummenigge diesen Vertrag hingeschmissen. Wegen seines Auftritts bei «Blickpunkt Sport» habe die Bayern-Führung beschlossen, ihm nahezulegen, nicht mehr in den Ehrengastbereich zu kommen. «Denn er hat in einer unsäglichen Art und Weise den FC Bayern beschädigt», polterte Hoeness. «Wenn er ein Problem mit uns hat, soll er uns das selbst sagen – und nicht den Weg über die Presse gehen.»

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