Hoarau im kleinen Dilemma

Auch Guillaume Hoarau erlebt beim 1:3 in Valencia einen ernüchternden Abend. Gedanken zum System mag sich der YB-Stürmer nach der Niederlage keine machen.

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Der Schluss kommt für ihn vor dem Ende. Ungewöhnlich früh muss Guillaume Hoarau seinen Arbeitstag beenden, in der 75. Minute wird der Franzose von YB-Trainer Gerardo Seoane in der Champions League gegen Valencia vom Feld beordert, 1:3 liegen die Young Boys zurück. Die Schlussviertelstunde erlebt er nicht mehr. Doch es ist ja auch nicht so, dass er da etwas verpassen würde. Dem YB ohne Hoarau gelingt ähnlich wenig wie dem YB mit Hoarau.

Es ist ein ernüchternder Abend, für die Young Boys, aber auch für Hoarau, den nach wie vor besten Schützen der YB-Geschichte im Europacup. 16 Tore hat er für Gelb-Schwarz auf internationaler Ebene schon erzielt – am Mittwoch kam keines hinzu. In allen Bewerben bilanziert der Franzose aktuell mit beeindruckenden 98 Treffern und bleibt fürs Erste kurz vor den 100 stehen. Vor zwei Wochen, im Heimspiel gegen Valencia, war Hoarau mit dem ersten Champions-League-Treffer überhaupt für YB ein Held, wenn auch ein geknickter, da durchaus mehr als das 1:1 dringelegen wäre.

«Im 4-4-2 viel erreicht»

Von der Leistung gegen Valencia kann man das nicht behaupten. Auch Hoarau zieht einen schwachen Abend ein, hat beim einzigen Berner Tor des Abends, dem ersten in der Königsklasse aus dem Spiel heraus, immerhin den Fuss im Spiel. «Ich finde, ein Tor in Valencia ist gut», sagt er später, «aber nur in Kombination mit weniger Gegentreffern.»

Anfang Oktober in Turin, als YB bei Juventus ohne Chance blieb und 0:3 verlor, hing Hoarau als einzige Spitze in der Luft. Mit seinem angestammten Sturmpartner Roger Assalé ergänzte er sich vergangene Saison oft hervorragend. Jetzt, nach der ernüchternden, aber wenig überraschenden Zwischenbilanz in der Champions League, sagt Hoarau zum System: «Wir haben im 4-4-2 viel erreicht und fühlen uns darin wohl. Es ist klar, dass wir so ins Spiel stiegen.»

Auch Hoarau scheint sich in der 4-4-2-Formation wohler zu fühlen, ebenso aber agierte YB in Turin im 4-2-3-1 und mit ihm als einzige Spitze vielleicht sogar ein wenig kompakter. Für Seoane ist das ein kleines Dilemma, und sein bester Stürmer hängt mit drin. In Valencia entscheidet sich der Trainer für die konservativere Variante – und stellt Hoarau den bewährten Partner zur Seite. «Wir könnten auch ein 10-0-0 spielen – es geht darum, dass wir alle besser verteidigen und weniger Tore bekommen.»

Nachwuchs macht es vor

Der Abend auf dem Rasen vor den steilen Rampen beginnt für Hoarau schon schwierig. Lange Zeit erhält er wenig Bälle, muss seinen Aktionsradius mehr und mehr nach hinten verlagern. Nach sieben Minuten kommt er ein erstes Mal zum Abschluss, wenig später wieder, es sind zögerliche, wenig zielführende Annäherungen. Die 99 auf dem Torkonto, zugleich auch die auffällige Rückennummer des Franzosen, bleibt unangetastet.

Was Hoarau am Mittwoch in Valencia verwehrt bleibt, darf Jonathan de Donno ein paar Stunden zuvor erleben: Auf dem geräumigen Trainingsgelände des Grossclubs duellieren sich YB und Valencia in der Uefa Youth League, der Champions League der Nachwuchsteams. Mit vier Punkten aus vier Spielen hat das «kleine» YB weiterhin Chancen auf die ersten beiden Plätze.

Bei den älteren Young Boys besteht nach der Niederlage kaum noch Hoffnung dazu. Die Berner bleiben in ihrer Gruppe Letzter, das war zu erwarten, und das 3:1 ist auch kein Totalschaden, aber mehr hätte man sich ausgerechnet. «Es bleiben uns zwei grosse Spiele», sagt Hoarau. Zwei Chancen auf den einen Coup. Zwei Chancen für einen versöhnlichen Schluss in der Königsklasse. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.11.2018, 06:17 Uhr

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