Immer er

Zehn Tage nach dem CL-Final gegen Liverpool steht Reals Star-Verteidiger Sergio Ramos im Fokus – wegen eines Checks.

Hirnerschütterung wegen dieses Zusammenpralls: In der 49. Minute bekam Karius den Ellbogen von Sergio Ramos ins Gesicht geknallt. Video: SRF

Er ist einer der besten Verteidiger. Er ist Weltmeister. Er ist Champions-League-Sieger. Er dirigiert die Abwehrreihen Reals und Spaniens. Er schiesst und verhindert Tore. Er ist ein Anführer.

Aber auch: Er ist ein brutales Raubein. Er nutzt auch unlautere Mittel. Er hat die rote Karte quasi abonniert. Er erzürnt Stürmer mit seiner Spielweise. Er ellbögelt Gegner aus dem Weg. Er ist ein Provokateur.

Sergio Ramos polarisiert, er ist einer der Spieler, dessen Beliebtheit ausserhalb der eigenen Clubfarben gegen Null sinkt, der innerhalb aber umso mehr vergöttert wird. Zu jeder seiner durchaus vorhandenen positiven und fussballerisch grossartigen Eigenschaften kommt mindestens ein grosses Aber. Auch jetzt. Sogar wenn er geschont wird, wie im Länderspiel vom Sonntag gegen die Schweiz – sein Name ist allgegenwärtig.

War es Absicht?

Ein Spital in Boston teilte gestern mit, dass Liverpool-Goalie Loris Karius vor seinen beiden entscheidenden Patzern im Champions-League-Final eine Gehirnerschütterung erlitt. Der Übeltäter, Sie ahnen es wohl: Sergio Ramos. Bei einem Real-Angriff stolpert er ziemlich ungestüm in den deutschen Goalie und trifft ihn mit dem Ellbogen. Karius bleibt liegen, spielt aber weiter, die Folgen sind bekannt.

Ramos hier Absicht zu unterstellen, wäre etwas forsch. Allerdings würden sich die Rufe nach einer bewussten Handlung nicht annähernd so schnell mehren, wenn ein anderer Real-Spieler Karius am Kopf getroffen hätte. Und schliesslich war es auch Ramos, der Liverpools besten Mann Mohamed Salah bereits nach 30 Minuten aus dem Spiel nahm. Beide Aktionen blieben ungeahndet, der Spanier kam ohne gelbe Karte davon. Ob er es nun wollte oder nicht, Ramos hat, nachdem er in den Finals von 2014 und 2016 jeweils ein Tor schoss, wieder einmal fleissig an der Endspiel-Geschichte mitgeschrieben.

Salah muss nach einem Zweikampf mit Ramos ausgewechselt werden. Video: SRF

Ein zweifelhafter Rekord

Der Mann, der 2005 mit kindlichem Gesicht und schulterlangem Haar bei Real landete, hat sich weiterentwickelt. Die Haare sind jetzt kurz, Bart und Tattoos hinzugekommen. Und auch auf dem Platz ist er ein anderer geworden. Früher noch als Aussenverteidiger die rechte Seite rauf- und runterjagend, ist er längst ein gestandener Innenverteidiger. Einen Namen als Raubein machte er sich aber erst in den letzten Jahren. Klar, vorher war auch der portugiesische Kollege Pepe da, der die Drecksarbeit in Reals Abwehr erledigte.

Trotzdem: Kein Spieler bei Real Madrid, keiner in der Primera Division und keiner in der spanischen Nationalmannschaft hat mehr gelbe und rote Karten gesammelt als Ramos. Die Situationen im Final von Kiew sind Beleg dafür, dass sein Vorsprung auch um einiges grösser sein könnte. Denn so oft Ramos verwarnt wird, so oft kommt er auch davon, viele seiner Fouls sind versteckt und für den Schiedsrichter nicht sichtbar.

Auch Fabian Schär legte sich bereits mit Ramos an.

Der 32-Jährige aber ist nicht einfach nur ein böser Holzfäller. Er ist seit dem Abgang von Iker Casillas Captain des erfolgreichsten Vereins der Welt. Er ist einer der besten seines Fachs, zweifellos. Kaum ein Defensivspieler ist so torgefährlich wie er, in den letzten Minuten eines Spiels scheint ihn der Torhunger am meisten zu packen. In Spanien haben sie darum bereits die «Minuto Noventayramos» kreiert, die Ramos-neunzigste Minute.

Das Duell der Alphatiere

In neun Tagen startet die Weltmeisterschaft, in zehn kommt es zum ersten Spitzenspiel, wenn Spanien auf Portugal trifft. Natürlich ist Sergio Ramos dabei. Und da ist auch noch Cristiano Ronaldo. Als wäre das iberische Derby nicht schon genug vielversprechend, stehen sich am 15. Juni in Sotschi auch noch die zwei unumstrittenen Alphatiere von Real Madrid gegenüber.

Die beiden Spieler sind in all den Jahren des Real-Erfolgs in Europa zwei der Fixpunkte, gegeneinander gespielt haben sie aber erst dreimal. Sieger in den wichtigen Duellen war dabei Ramos, an der WM 2010 im Achtelfinal und an der EM 2012 im Halbfinal. Ronaldos Portugal entschied nur das Testspiel im November 2010 für sich. Der Spanier wird alles daran setzen, es bei dieser für ihn positiven Bilanz zu belassen. Notfalls auch mal die Ellbogen ausfahren.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt