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In der Festhütte

4:1 gegen Thun – und YB überzeugt weiter mit grosser Variabilität.

Neunter Sieg im neunten Spiel – YB feiert und feiert und feiert.
Neunter Sieg im neunten Spiel – YB feiert und feiert und feiert.
Keystone

Am nördlichen Tor zu den Alpen spielt am Samstagabend die Musik im Schweizer Fussball. Thun gegen YB, Zweiter gegen Erster, Kleinclub gegen Meister und ein von stetem Spieleraustausch und Zusammenarbeit geprägtes Duell. Und der Abend nimmt ein Ende, wie man es sich denken konnte: 4:1 siegen die Young Boys, es ist ihr neunter Erfolg im neunten Spiel, in der Liga haben sie nun jeden Gegner einmal geschlagen.

Der Schauplatz dieses Spitzenkampfs ist am Samstag nicht ein nobler Bau wie das Allianz Stadium in Turin, wo YB am Dienstag in der Champions League antritt – sondern die Stockhorn-Arena. Und das Kleinstadion im Berner Oberland steht da wie eine Metapher für die Super League: etwas bescheidener, etwas beschaulicher. Die Arena ist an diesem Abend für lokale Verhältnisse eine Festhütte, gekommen sind 9021 Zuschauer, im Schnitt sind es sonst um die 5500.

Seoane rotiert immer fleissiger – und stets erfolgreich

Gut 3000 Besucher tragen die Farben der Young Boys. Und sie sehen einen souveränen Start ihrer Lieblinge. Sulejmani, nach einer Pause am Mittwoch gegen St. Gallen zurück im Team, passt schon nach acht Minuten mit viel Gefühl in den Strafraum, Nsame hat freie Bahn. 1:0 für YB, es läuft alles nach Plan für den Favoriten. Für einen Spitzenkampf ist es im Schweizer Fussball eine ungewohnte Affiche. Nicht nur, weil YB in dieser noch jungen Saison schon einige Partien mit grösserer Strahlkraft bestritten hat – Goalie David von Ballmoos sagt noch am Freitag: «Wir sind uns in diesen Wochen einen ziemlich hohen Standard gewohnt.» Sondern auch, weil sie vor allem beim Gastgeber gerade mächtig stolz sind, Teil dieses Vergleichs zu sein.

Vielleicht, weil sie wissen, dass es auf dem Papier ein eigentlich höchst ungleiches Duell ist, wenn sich YB und der FC Thun begegnen. Dass die Stadtberner ihren Kontrahenten punkto Budget, Kaderstärke, Stadiongrösse und Angestellte um Längen überragen – und dass die Young Boys mit dem einen oder anderen Gedanken immer auch bei der Champions League sind.

Die Aufstellung, die der Trainer in Thun wählt, lässt zumindest diesen Schluss zu: Fünf Wechsel waren es schon am Mittwoch gegen St. Gallen, vier Neue rutschen gegen Thun ins Team. Seoane rückt ab vom bewährten System, das 4-4-2 wird am Samstag zum 4-2-3-1. «Es war ein mutiger Entscheid, aber Mut verlange ich auch von meinen Spielern», sagt der YB-Coach. Das Experiment glückt. Nsame, im ersten Saisonviertel eher im Hintergrund, trifft binnen vier Tagen zum zweiten Mal. Lauper, bis im Sommer noch bei Thun, liefert in der Innenverteidigung eine verblüffend souveräne Vorstellung und verschafft Captain von Bergen etwas Erholung vor dem Auftritt in der Champions League. Es passt alles im Derby bei YB.

Überhaupt sind es Festwochen für die Berner. Nach dem 4:1 in Thun beschliessen sie das erste Quartal in der Liga mit dem beeindruckenden Punktemaximum. Eine Niederlage weisen sie in ihrer ansonsten makellosen Saisonbilanz erst aus: das 0:3 gegen Manchester United zum Auftakt in die Königsklasse, das Startrainer José Mourinho und seinem taumelnden Verein nur zwischenzeitlichen Auftrieb verlieh – gestern machte Mourinho mit einem kläglichen 1:3 bei West Ham einen weiteren Schritt Richtung Entlassung.

Und es scheint ja, als ob das Schicksal all die gebeutelten Anhänger, die bis im April 32 Jahre auf den Meistertitel warten mussten, nun für ihre Treue entschädigt. Auch in der neuen Saison spielen die Berner wie entfesselt, mal schicken sie den FC Basel mit 7:1 nach Hause, dann siegen sie im Spargang und im zweiten Anzug gegen das immerhin drittklassierte St. Gallen souverän 2:0. Und jetzt also 4:1 in Thun, nur Tage bevor sie in dieser unverschämt attraktiven Gruppe mit Manchester United, Valencia und Juventus mal eben beim italienischen Rekordmeister zu Besuch sind.

Noch vier Siege fehlen zum Startrekord des FC Basel

Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Spielmann (18.) wird Sulejmani im Strafraum gefoult, den Penalty verwandelt er gleich selbst. Und als Aebischer nach 60 Minuten eine kurze Cornervariante mit einem Treffer per Flachschuss veredelt, gibt es keine Zweifel mehr, dass die Young Boys auch dieses Spiel gewinnen.

Zum Startrekord in der Super League, jenen 13 Erfolgen des FC Basel von 2003/04, fehlen YB noch vier Siege. Mit der aktuellen Form und Lockerheit der Berner kann man sich sehr gut vorstellen, dass sie auch diesen Markstein noch erreichen – trotz der Dreifachbelastung mit Cup, Meisterschaft und Champions League.

«Es ist ein verdienter Sieg für uns», befindet Seoane gewohnt nüchtern und freut sich «über die vielen Fans, die uns wieder begleitet haben».

Am Ende sind es versöhnliche Szenen, die das einseitige Derby beschliessen. Thun-Haudegen Hediger und YB-Kämpfer Sanogo umarmen sich, der auf der Bank verbliebene von Bergen feixt mit Nsame, der einen Abend lang Argumente für noch mehr Einsatzzeit gesammelt hat. Es herrscht Einklang in der Euphorie.

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