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In der richtigen Liga

Die Champions League ist für YB eine Nummer zu gross. Nach der Niederlage bei ZSKA Moskau suchen die Young Boys Offensivspieler.

Die Champions League ist für die Young Boys eine Nummer zu gross. Es bleibt aber die Europa League.
Die Champions League ist für die Young Boys eine Nummer zu gross. Es bleibt aber die Europa League.
EQ Images

Es war ein schöner und verführerischer Traum, und natürlich sind die Young Boys enttäuscht und ernüchtert, ist er in Moskau am späten Mittwochabend jäh zu Ende gegangen. Die Champions League hatte gelockt, irgendwie, doch im Rückspiel der Playoffs bei ZSKA (0:2) landete YB in der harten Realität. Es reicht nicht für die Königsklasse – so lautet das Fazit der Dienstreise nach Moskau. «Wir sind an einem besseren Gegner gescheitert», sagt Trainer Adi Hütter, «das muss man akzeptieren. Wir sind gegen ZSKA an unsere Grenzen gestossen.»

Und so reiste die YB-Delegation am Donnerstag bedrückt in die Heimat zurück. Nicht als Helden der Vereinsgeschichte. Ohne feierlichen Empfang am Flug­hafen in Belp. Ohne riesengrosse Vorfreude auf die Champions-League-Auslosung am Abend.

Niemand in Ekstase

Wieder Europa League also. Zum fünften Mal seit 2010. Alltag für YB, selbst wenn der Trainer bemerkt: «Wir dürfen schon auch stolz sein. Letztes Jahr schlugen wir in der Qualifikation Schachtar Donezk, diesmal Dynamo ­Kiew. Das ist stark. Und es hat einige sehr gute Mannschaften, die nicht in der Gruppenphase vertreten sind.» Das mag alles stimmen, aber wegen der Europa League gerät in Bern niemand mehr in Ekstase. Alles ist ein paar Nummern kleiner als in der Champions League, die Gegner, das Interesse, die Einnahmen.

Vorerst konzentrieren sich die Young Boys sowieso auf die Liga. Das dürfte ihnen leichterfallen, als wenn es bald zum Rendez-vous mit den Weltklubs kommen würde. «Wir sind im Cup weiter, haben die Europa League erreicht, spielen vorne in der Liga mit», sagt Trainer Hütter. «Nun ist es wichtig, dass wir in St. Gallen ein gutes Resultat erzielen vor der Länderspielpause.»

Am Sonntag tritt YB in der Ostschweiz an, der am Oberschenkel blessierte Torjäger Guillaume Hoarau wird wohl erneut aus­fallen. Ohne den – zumindest bis zu seiner Hüftverletzung – besten Akteur der Super League sind die Young Boys erheblich un­gefährlicher. Und weil mit Yoric Ravet, ebenfalls Franzose, bald einer der stärksten Fussballer der Liga von YB zum SC Freiburg wechseln dürfte, sieht sich der Klub unvermittelt mit per­sonellen Sorgen in der Offensive konfrontiert. Dabei hatten nach dem Achtung-fertig-Halleluja-Saisonstart viele von der be­merkenswert starken Angriffs­abteilung geschwärmt.

Torflaute geht weiter

Viermal in Serie hat YB in Liga und Europacup nun kein Tor erzielt, es ist eine einigermassen besorgniserregende Bilanz. Roger Assalé ist noch ohne Treffer in dieser Saison, Zugang Jean-Pierre Nsamé erhielt am Mittwoch in Moskau wie einige Teamkollegen die Limiten aufgezeigt. «Man darf von uns nicht erwarten, dass wir uns gegen einen Topklub wie ZSKA durchsetzen», sagt Christoph Spycher. Der Sportchef ist bestrebt, Realismus und Vernunft walten zu lassen. «Damit wir in die Champions League kommen, muss für uns alles passen.»

Das war gegen ZSKA Moskau bei weitem nicht der Fall. Und vielleicht ist YB doch noch nicht ganz so weit, wie manch einer nach dem spektakulären Saisonstart gedacht hatte. «Wir sind ein junges Team», sagt Captain Steve von Bergen. «Fehler passieren, es gibt Rückschläge. Es geht nun darum, wie wir damit umgehen. Und ob wir reagieren können.» Der Sportchef wiederum betont, entscheidend sei die Entwicklung. «Wollen wir einen Schritt weiterkommen, dürfen wir uns in der Liga nicht mehr so viele Punktverluste gegen kleinere Teams leisten», sagt Spycher.

Viele Gerüchte

So gesehen ist die Partie beim FC St. Gallen in zwei Tagen ein idealer Test für das zuletzt nicht überzeugende YB. Und parallel zum sportlichen Tagesgeschäft wird am Kader gebastelt. Die Young Boys suchen unter Hochdruck nach einem Ersatz für Ravet, möglicherweise stösst auch noch ein weiterer Angreifer zum Team, nachdem Alexander Gerndt zu Lugano wechselte und Hoarau mal wieder verletzt ist.

Ein fähiger Kandidat auf dem Flügel wäre der 25-jährige Matteo Tosetti, in sehr jungen Jahren bei YB gescheitert, mittlerweile in Thun einer der besten Vorbereiter der Liga. Der Tessiner aber verlängerte kürzlich seinen Vertrag bis 2021 und meinte zuletzt, er sehe seine nahe Zukunft im Oberland.

Bis Ende Monat werden die Young Boys mindestens einen neuen Offensivakteur präsen­tieren. Und bis zur Deadline der Transferphase am 31. August wird es auch Gerüchte um Ab­gänge weiterer Leistungsträger geben. So wird Mittelfeldspieler Sékou Sanogo mal wieder in der Bundesliga gehandelt. Auf Sportchef Christoph Spycher warten noch einige anstrengende Tage.

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