Jetzt kommt die Aufklärungspflicht

Nach dem Bestechungsfall bei GC braucht es ein Regelwerk, wie sich Eltern von Junioren korrekt zu verhalten haben. Die meisten Sportverbände in der Schweiz besitzen ein solches nicht.

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Der Bestechungsfall bei den Grasshoppers kam überraschend. Nicht einmal GC-Sportchef Mathias Walther, der den fehlbaren Juniorentrainer bereits von früher kannte, bemerkte etwas. «Wir wussten, dass er eine extrovertierte und impulsive Person ist. Dass er dieser Versuchung verfallen ist, konnten wir allerdings nicht erahnen», sagt Walther. Der Trainer wurde bereits im Dezember entlassen.

Dem SFV war der Fall vor der Veröffentlichung durch diese Zeitung nicht bekannt. Gemäss Raphael Kern, Ressortleiter Breitenfussball, wird er aber aufgearbeitet: «Wir müssen diesen Fall ernst nehmen.» Konkreter wollte sich der Verband nicht äussern.

Wie könnte ein solcher Vorfall in Zukunft verhindert werden? Haben Schweizer Sportverbände Regelwerke, die den Eltern aufzeigen, wie sie sich richtig verhalten? Wir haben bei GC, anderen Sportclubs und -verbänden nachgefragt.

«Dokumente wenn nötig anpassen»

Die Grasshoppers machen sich nicht erst seit Bekanntwerden des Bestechungsfalls Gedanken, wie man den Auswüchsen im Nachwuchsbereich Einhalt gebieten kann. GC arbeitet mit verschiedenen Kommunikationsmitteln: jährlich stattfindende Eltern-Informationsabende, die Toolbox «Sporteltern» (ein Nachschlagewerk bei Fragen zum Nachwuchssport) des Sportamts des Kantons Zürich und die Broschüre «Gemeinsam ans Ziel» des Gesamtvereins des Grasshopper Club Zürich.

«Nach dem Bestechungsfall werden wir die aktuellen Dokumente sorgfältig überprüfen und so weit möglich und nötig anpassen. An den GC internen Informationsveranstaltungen wird die Problematik zukünftig sicher ein wichtiges Thema sein», teilt der Verein auf Anfrage mit.

Umgang mit fordernden Eltern

Das Bundesamt für Sport Baspo ist sich der Problematik bewusst. «Damit meinen wir allgemein den fordernden Umgang vieler Eltern mit Trainerinnen und Trainern, wir sprechen nicht konkret vom Tatbestand Bestechung», sagt Christoph Lauener, Leiter Kommunikation beim Baspo. Er versichert: «Jugend+Sport trägt diesem Phänomen Rechnung: Das Thema ‹Umfeldpflege›, zu dem auch der kompetente Umgang mit Eltern gehört, wird in der Ausbildung von J+S-Leiterinnen und -Leitern mehr Gewicht erhalten. Diese Konzeptarbeiten sind im Gang.»

Der Schweizerische Eishockeyverband SIHF besitzt ebenfalls kein Regelwerk, das den Eltern korrektes Verhalten vorgibt. «Swiss Ice Hockey arbeitet auf Grundlage der Ethik-Charta bzw. des Code of Conduct und legt den Clubs dessen Umsetzung nahe. Aber schlussendlich ist es Sache zwischen Club und Trainer, ob und wie die Ethik-Charta auch ein- und umgesetzt wird», sagt Manuela Hess, SIHF-Medienverantwortliche.

Eben diesen Code stellt Swiss Olympic zur Verfügung. «Swiss Olympic hat vor einigen Jahren den Code of Conduct erarbeitet, der für Transparenz im Sport sorgen und Korruption vorbeugen soll. Wir erwarten von unseren Mitgliedsverbänden, dass sie diesen Leitfaden – auf ihre Bedürfnisse angepasst – übernehmen», sagt Alexander Wäfler, Leiter Medien und Information bei Swiss Olympic.

«Dass auch Eltern von talentierten Nachwuchssportlern immer stärker gefordert sind, ist uns schon länger bewusst. Bis Ende Jahr wollen wir einen Leitfaden erarbeitet haben, der sich an diese Eltern richtet und sicherlich auch auf den Umgang mit Bestechung/Korruption hinweisen wird», so Wäfler weiter. Bisher fehlt im Code ein Passus, der die Eltern betrifft.

«Im Fussball ist viel mehr Geld da»

Richi Jost, Nachwuchschef ZSC und GCK Lions – in der grössten Juniorenabteilung im Schweizer Eishockey sind 800 Kinder involviert –, hat noch nie von einem ähnlichen Bestechungsfall im Schweizer Eishockey gehört – «und ich bin doch schon lange dabei». Man veranstalte in der ZSC-Organisation auf jeder Juniorenstufe Elternabende, an denen den Eltern «auf vernünftige Art und Weise aufgezeigt wird, was wir möchten», so Jost weiter.

Dass so ein Bestechungsfall im Fussball eher auftritt als im Eishockey, ist für den 56-Jährigen nicht überraschend: «Ich habe das Gefühl, im Fussball ist viel mehr Geld da, und die Karriereplanung beginnt mit den Spielerberatern schon sehr früh. Im Hockey ist das eine andere Ausgangslage, die Transfersummen werden ganz anders aufgegleist und sind nicht so hoch.»

Sollte so ein Bestechungsfall in seiner Organisation auftauchen, würde Jost resolut handeln. «Wir würden die Trainer natürlich sanktionieren. Das geht gar nicht, da würden wir uns – gegenüber den Eltern und Spielern – unglaubwürdig machen, wenn wir nicht reagieren würden.»

hua

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