Jetzt spricht Ramos – und zeigt keine Einsicht

Seine Aktionen im Final von Kiew bleiben mehr in Erinnerung als Bales Traumtor. Dafür hat der spanische Nationalspieler kein Verständnis.

Die Szene, die die Gemüter erhitzt: Sergio Ramos trifft Loris Karius am Kopf. Video: SRF

Elf Tage sind seit dem Champions-League-Final vergangen. Es war zweifelsohne ein denkwürdiges, dass die Nachwehen aber derart lange anhalten, war nicht vorauszusehen. Grund dafür ist der neue Dreh, den ein Spital in Boston der Geschichte gegeben hat: Liverpool-Goalie Loris Karius, mit seinen zwei Patzern mitverantwortlich für das 1:3 gegen Real Madrid, soll eine Gehirnerschütterung erlitten haben, die eine visuelle räumliche Störung mit sich brachte.

Und so steht nach diesem Final nicht Doppeltorschütze Gareth Bale im Vordergrund, sondern Sergio Ramos. Er traf Karius in der ersten Halbzeit mit dem Ellenbogen am Kopf, von verschiedenen Seiten wird ihm Absicht unterstellt.

Davon will Ramos nichts wissen, am Dienstag im Trainingscamp der spanischen Nationalmannschaft äusserte sich der Innenverteidiger noch einmal zum Final in Kiew. Und er hat genug. «Sie behaupten, ich hätte den Torhüter absichtlich ausknocken wollen. Jetzt fehlt nur noch, dass Firmino sagt, er habe sich erkältet, weil er einen Schweisstropfen von mir abbekommen hat», sagte Ramos. Er habe eigentlich nichts mehr dazu sagen wollen, weil die Diskussion schon überhitzt gewesen sei.

Nun sah sich Ramos aber doch gezwungen, seine Meinung kundzutun. Denn die Szene mit Karius war nicht der einzige Grund, warum ihm von vielen Seiten vorgeworfen wird, er habe Verletzungen von Liverpool-Spielern bewusst in Kauf genommen. Bereits nach 30 Minuten foulte er Topskorer Mohamed Salah. Dieser wurde danach mit einer Schulterverletzung ausgewechselt.

Salah wird nach einem Foul von Ramos ausgewechselt. Video: SRF

Alles etwas komplizierter mit Ramos

«Mein Gott, sie (Liverpool) haben der Szene mit Salah so viel Aufmerksamkeit geschenkt», enervierte sich Ramos am Dienstag, «ich sehe die Szene nicht kritisch. Er hält meinen Arm zuerst, die Verletzung betrifft dann den anderen Arm. Und dann heisst es, ich hätte einen Judogriff angewandt.» Ramos ist sich sogar sicher, dass Salah mit einer Spritze hätte weiterspielen können. Schliesslich habe er selbst das schon mehrfach gemacht. Aber wenn er beteiligt sei, sei halt alles etwas komplizierter.

Der 32-Jährige, der auch an der Weltmeisterschaft die spanische Abwehr dirigieren wird, hat nach eigenen Angaben schon mehrere Nachrichten mit Salah ausgetauscht. Dessen WM-Teilnahme schien zunächst in Gefahr, nun ist er aber Teil des ägyptischen Aufgebots, das in der Vorrunde auf Gastgeber Russland, Saudiarabien und Uruguay trifft.

Ramos war derweil nicht der einzige Real-Spieler, der mitten in der WM-Vorbereitung erneut zum Final in Kiew befragt wurde. Toni Kroos, Landsmann von Karius und Mittelfeldspieler bei Real, zweifelte die Diagnose aus Boston an. Er findet nicht, dass man dadurch die Aussetzer erklären könne und sagt: «Wenn es eine Gehirnerschütterung ist und du die so extrem merkst, weiss ich nicht, ob man weiterspielen kann oder sollte.» Laut Kroos hätte Karius den Ball beim 1:0 ja auch einfach festhalten können.

Ja, da muss man Kroos wohl etwas recht geben. Video: SRF

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