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Kamil Zayatte blüht in Hull auf

Der ehemalige YB-Verteidiger Kamil Zayatte

Die Aussichten für die nächsten Tage sind nicht gut. Es soll regnen, melden die Wetterprognosen. Das heisst für diese Ecke des Landes: nichts Neues. Regen gehört dazu in Hull, tiefe Temperaturen, frühe Abenddämmerung. Hull ist eine Hafenstadt im Norden Englands, die im Land keinen sonderlich guten Ruf hat und keine Schönheit ist. «Hull is dull» sagt ein geflügeltes Wort, Hull mit seinen 250000 Einwohnern sei öde. Bis im Sommer war Hull auch fussballerisch ein Niemandsland. Aber dann änderte sich das schlagartig mit dem Aufstieg des lokalen Fussballklubs, der sich 104 Jahre nach seiner Gründung erstmals in der Premier League wiederfand. Dass die Mannschaft, kaum war sie oben, von den Buchmachern sofort als sicherer Absteiger gehandelt wurde, störte die Aussenseiter nicht. Sie bauten mit Geschick eine Auswahl zusammen, die bald zum grossen Stolz von Kingston upon Hull werden sollte. Everton, Newcastle, HullFrüh wurde Verstärkung für die Abwehr benötigt. Auf ihrer Suche kamen sie irgendwann auf Kamil Zayatte, Verteidiger aus Guinea, der auch den französischen Pass besitzt. Ihn zog es weg aus Bern. Eineinhalb Jahre hatte er bei YB verbracht, aber unter dem neuen Trainer Vladimir Petkovic schienen die Zukunftsaussichten nicht eben rosig. Zayatte (23) war bei Everton vorstellig geworden, auch bei Newcastle, aber ein Vertragsabschluss kam nicht zu Stande. Da bekräftigte Hull City kurz vor Transferschluss im August sein Interesse noch einmal – und einigte sich über Nacht mit YB und dem Spieler auf ein Leihgeschäft bis Ende Saison. Zayatte lebt zehn Autominuten ausserhalb des Stadtzentrums mit seiner Familie und seinem Cousin. Beruflich hat sich das Abenteuer wie gewünscht angelassen. Er debütierte in der vierten Runde gegen Newcastle mit einem Kurzeinsatz, danach füllte er die Lücke auf, die Anthony Gardner in der Innenverteidigung verletzungsbedingt hinterlassen hatte. Zayatte nutzte die Chance und verdiente sich seither als Stammspieler Woche für Woche vorzügliche Kritiken, unter anderem beim 2:1-Sieg bei Arsenal. «Ich bin nicht überrascht, dass es so gut läuft», sagt Zayatte, «als ich nach England wechselte, hatte ich das Selbstvertrauen, diese Aufgabe zu bewältigen.» An Hull hat er sich gewöhnt. Er ist nicht mehr in Bern, er lebt auch nicht in London. Seine diplomatischen Worte: «Es ist nicht besonders hübsch.» Um schnell klarzustellen: «Ich bin hier, um Fussball zu spielen. Hull gibt mir die Möglichkeit, dies in der Premier League zu tun.» Die Wertschätzung, die er in Hull erfährt, ist gross. Das Kingston Communications Stadium ist mit 25000 meistens gefüllt, und Zayatte hat sich in den ersten Wochen bereits einen guten Namen gemacht. «Mein Stil passt gut in diese Liga», findet er. Dass Zayatte in und mit Hull aufblüht, davon überzeugte sich Stefan Niedermaier, Wankdorf-CEO und YB-Verwaltungsrat, kürzlich bei einem Besuch. Er besprach mit der Vereinsführung auch die Zukunft Zayattes. Paul Jeremy Duffen, seit 2007 Besitzer und Präsident des FC Hull City, machte Niedermaier seinen Standpunkt schnell klar: «Keine Zweifel, wir wollen ihn behalten.» Zayatte betont ebenfalls: «Ich möchte bleiben.» Das bedeutet, dass Geld in siebenstelligem Betrag fliesst, auch nach Bern. «Die Lösung ist für beide Parteien gut», sagt Niedermaier. Der definitive Wechsel in der Winterpause ist nur noch Formsache. Reger Kontakt nach Bern Zayatte ist den Young Boys dankbar für das Entgegenkommen. «Es war richtig, von Frankreich zuerst in die Schweiz zu gehen», sagt er, «für mich war YB das perfekte Sprungbrett.» Kontakt nach Bern unterhält er zu Niedermaier und Teammanager Alain Baumann und zu den Ivorern Thierry Doubaï sowie Seydou Doumbia. «Ich verfolge den Weg von YB genau, ich weiss auch, was ich dem Klub zu verdanken habe.» Derzeit ist er daran, Englisch zu lernen. «Die Leute von Hull City haben mir den Einstieg in England sehr einfach gemacht», sagt er, der das Glück hat, innerhalb der Mannschaft problemlos kommunizieren zu können – mit den französischen Kollegen Bernard Mendy und Daniel Cousin. Er ist überzeugt, mit Hull weiter zu überraschen. Zayatte fragt nur: «Warum sollen wir uns nicht bis zum Ende der Saison weit oben halten?»

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