Kein Präsident, kein Sportchef, kein CEO – das ist das neue GC

Die Grasshoppers steigen mit einem Budget von 13,6 Millionen Franken in die neue Saison. Der direkte Wiederaufstieg ist kein Thema mehr.

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Florian Raz@razinger

Ja, es gibt die Fussball-Sektion des Grasshopper Club Zürich noch. Das immerhin. Am Donnerstag um 18.48 Uhr hat sie eine Mail verschickt, in der sie ihre Zukunftspläne schildert. «Der Grasshopper Club Zürich richtet sich neu aus», lautet der Titel. Es sind zwei A4-Seiten, auf denen ganz viele Wörter nicht verschleiern können, dass der Rekordmeister derzeit ohne Orientierung und ohne Führung dasteht.

Die kurze Zusammenfassung lautet: GC hat derzeit keinen Präsidenten, keinen Sportchef und auch keinen Geschäftsführer. Immerhin, ein Budget haben die beiden Besitzer Stephan Anliker und Peter Stüber dem Club gegeben. 13,6 Millionen Franken stehen für die kommende Saison in der Challenge League zur Verfügung.

Das ist für die zweithöchste Schweizer Klasse kein bescheidener Posten. Aber es ist offenbar nicht genug, um den direkten Wiederaufstieg anzustreben. Stattdessen wollen Anliker und Stüber GC «durch attraktiven Fussball in der Challenge League wieder aufbauen». Gleichzeitig soll das Budget laufend gesenkt werden.

Der Mann, der die Vorgaben erfolgreich umsetzen soll, heisst Andras Gurovits. Er ist derzeit Vizepräsident und letztes Mitglied des GC-Verwaltungsrats, der seit Mittwoch (5. Juni) keinen Präsidenten mehr hat. Präsident Stephan Rietiker ist zurückgetreten, nachdem feststand, dass er nicht das 18-Millionen-Budget erhalten würde, von dem er eigentlich ausgegangen war.

Und so ist die GC-Führung derzeit aufgestellt:

  • Präsident: Niemand. Anwalt Gurovits wird vorerst nicht offiziell Club-Präsident. Er übernimmt aber die strategische Führung. Er ist bei GC kaum öffentlich in Erscheinung getreten. In der Pressemitteilung verweist GC darauf, Gurovits habe als B-Junior Fussball gespielt. Ausserdem sei er ein «authentischer GC-Mann», weil Gurovits Mitglied der Ruder-Sektion ist.
  • Sportchef: Niemand. Die sportliche Leitung übernimmt ein Dreier-Gremium, mit Trainer Uli Forte, Chefscout Paul Bollendorff und Ausbildungschef Timo Jankowski. Bollendorff war zusammen mit dem entlassenen Sportchef Mathias Walther direkt an der Zusammenstellung jener Mannschaft beteiligt, die sang- und klanglos aus der Super League abgestiegen ist. Jankowski gilt als derjenige, der die Idee in den Club gebracht haben soll, Tomislav Stipic als Cheftrainer zu verpflichten.
  • Geschäftsführer: Niemand. CEO Manuel Huber wird noch bis Ende Juli auf dem Campus weilen und soll seinen noch gesuchten Nachfolger einarbeiten.

Im GC-Communiqué heisst diese Liste von nicht besetzten Posten: «Führung im Team und flache Hierarchien.»

Video: Die kurze Amtszeit von Stephan Rietiker

Am 5. Juni trat Stephan Rietiker überraschend als GC-Präsident zurück: Seine 70 Tage beim Rekordmeister verliefen turbulent. (Video: Tamedia)

Apropos Team: Eine eigentliche Mannschaft haben die Grasshoppers auch noch nicht. Alle bisherigen Transferverhandlungen wurden mit dem finanziellen Rückzieher von Stüber und Anliker obsolet.

Klar ist bislang bei GC eigentlich nur eins: Am Mittwoch, 12. Juni 2019 ist Trainingsstart.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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