«Ich habe kurz daran gedacht, meine Karriere zu beenden»

Alexander Kerschakow sucht beim FCZ den Aufschwung und will sich für die russische Nationalmannschaft empfehlen.

Der Trainer und sein neuer Stürmer. Sami Hyypiä (l.) hat nicht nur gute Erinnerungen an Alexander Kerschakow.

Der Trainer und sein neuer Stürmer. Sami Hyypiä (l.) hat nicht nur gute Erinnerungen an Alexander Kerschakow. Bild: Keystone

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Geschockt? Nein, geschockt war Alexander Kerschakow nicht, als er an diesem 4. Januar 2016 im strömenden Zürcher Regen erstmals durch den wenig mondänen Kellereingang der Saalsporthalle schritt, um die erste Trainingseinheit mit seinem neuen Club zu absolvieren. Der 33-Jährige mag der Rekordtorschütze des russischen Nationalteams sein, Starallüren aber scheinen dem neuen Stürmer des FC Zürich fremd zu sein. «Alles, was ich brauche, ist eine Kabine, um mich umzuziehen, und ein Fussballplatz», sagt er, als er sich nach einer Laufeinheit den Medien präsentiert.

Mit seinem Trainer Sami Hyypiä hat er vor dem leihweisen Wechsel von Zenit St. Petersburg nach Zürich nicht gesprochen. Trotzdem kennen sich die zwei: Am 10. Juni 2009 gewann Russland in Helsinki 3:0. Bei den Finnen stand Hyypiä in der Innenverteidigung, konnte aber nicht verhindern, dass Kerschakow gleich zweimal traf. Angesprochen habe er Hyypiä darauf bislang aber noch nicht, sagt der Russe: «Ich weiss ja nicht, ob er solche Witze mag.»

Alexander Kerschakow, Sie sind Russlands Rekordtorschütze, Sie haben mit dem FC Sevilla den Uefa-Cup gewonnen. Warum haben Sie sich entschieden, zum FC Zürich zu wechseln?
Der FC Zürich hat sich sehr für mich interessiert. Und ich hoffe, dass ich hier viel Spielzeit erhalten werde, damit ich eine Chance habe, mit der russischen Nationalmannschaft an die Europameisterschaft zu reisen. Weil ich mich zuletzt individuell mit meinem eigenen Trainer fit gehalten habe, war es für mich auch wichtig, zu einem Club zu wechseln, bei dem ich eine komplette Wintervorbereitung mitmachen kann.

Aber ist die Super League nicht eine etwas zu kleine Meisterschaft, um sich für Russlands Nationalmannschaft zu bewerben?
Die Schweizer Liga mag nicht die grösste sein. Aber ich weiss von meinen Spielen mit Zenit gegen die Young Boys und den FC Basel in der Europa League, dass hier auf einem guten Niveau gespielt wird.

Warum sind Sie in St. Petersburg aus allen Traktanden gefallen? Gab es einen Vorfall mit Trainer Villas-Boas?
Ich weiss nicht, warum ich nicht mehr gespielt habe. Der Trainer hat mir einfach gesagt, dass er den Spieler Alexander Kerschakow nicht mehr braucht. Darum wollte ich schon im Sommer wechseln, aber damals hat mich der Club nicht gehen lassen. Erst jetzt, im Winter, habe ich die Erlaubnis für eine Ausleihe erhalten.

Im Frühling waren Sie bei Real Madrid und dem FC Sevilla, um den dortigen sportlichen Leitungen über die Schultern zu schauen. Haben Sie da an den Rücktritt gedacht und wollten die Karriere als Sportchef einschlagen?
Ich habe tatsächlich kurz daran gedacht, meine Karriere zu beenden. Aber nach Spanien bin ich gegangen, weil ich Zenit eine Gegenleistung für meinen Lohn geben wollte. Spielen durfte ich nicht, also habe ich geschaut, wie andere Clubs so arbeiten, und habe das dann Zenit berichtet.

Dieses Gespräch wird russisch-deutsch übersetzt. Wie werden Sie sich in Zürich mit Trainer und Mitspielern verständigen?
Ich kann genügend gut Englisch. Vor allem, wenn es um Fussball geht. Trainer Villas-Boas hat in St. Petersburg auch nur Englisch gesprochen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.01.2016, 11:41 Uhr

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