Krawallnacht in Neapel? Was wirklich passierte

Gross war die Sorge vor dem Europa-League-Auswärtsspiel des FC Zürich in Neapel. Drohungen im Internet liessen Schlimmes befürchten. Ein Fazit.

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Es schien gar nicht mehr um Fussball zu gehen. Zugegeben, nach Napolis 3:1 im Hinspiel gegen den FCZ war der Europa-League-Sechzehntelfinal auch gelaufen. Das bestätigte sich beim lockeren 2:0 für den Favoriten am Donnerstagabend. Deshalb war das grosse Thema: Würden die Zürcher Anhänger wirklich «abgeschlachtet», wie es in einem Forum angedroht wurde?

Am Morgen nach der Partie meldeten die Sicherheitsverantwortlichen: keine grösseren Vorkommnisse. Ein Grossteil der FCZ-Fankurve war bereits zwei Stunden vor Anpfiff auf ihren Plätzen, einige von ihnen wurden sogar schon um 14 Uhr von der Polizei ins Stadion eskortiert. In der Innenstadt blieb Stunden vor der um 18.55 Uhr angepfiffenen Partie alles ruhig.

Auch Besucher mit FCZ-Schals wurden nicht angefeindet, eher freundlich begrüsst. Gemäss italienischen Medienberichten soll es kurz vor der Partie ums Stadion San Paolo zu Ausschreitungen gekommen sein. Diese lieferten sich allerdings italienische Ultras mit der Polizei. Deshalb musste ein Teil der Zürcher Anhänger für rund 30 Minuten auf dem Polizeiposten in Sicherheit gebracht werden. Von den Schweizer Journalisten, die ebenfalls mehr als zwei Stunden vor Anpfiff beim Stadion waren und sich auch ausserhalb der Spielstätte bewegten, kriegte das allerdings niemand mit.

Hier im Video: Die Stimmen zum 0:2 in Neapel. (Fabian Sanginés)

Als Falschmeldung entpuppte sich übrigens, dass die Polizei Baseball-Schläger aus FCZ-Fancars beschlagnahmte. Beim konfiszierten Material handelte es sich um Fahnenstangen.

Auf der Suche nach Zürchern

Während der Partie sorgte die gut gefüllte Zürcher Kurve für viel Stimmung – während ihre Lieblinge auf dem Rasen unterlegen waren, ging das Duell auf den Rängen klar an den FCZ. Kurvenbesucher berichteten anschliessend von der überwiegend positiven Stimmung – Teile der Napoli-Fankurve hätten den ausdauernden Anfeuerungsgesängen der Zürcher gar Beifall gespendet.

Nach der Partie mussten die FCZ-Kurvenbesucher eine Stunde lang auf ihren Plätzen und anschliessend eine weitere Stunde im Car warten, weil die Strasse von Napoli-Ultras versperrt war. Gemäss italienischen Behörden sei dies nach Fussballspielen allerdings normal.

Ausserdem heisst es aus Fankreisen, dass in der Innenstadt einzelne Italiener auf der Suche nach Zürchern gewesen seien. Offenbar sei ein Zürcher mit einem Messer am Bein verletzt worden. Zudem habe es noch weitere Zwischenfälle gegeben. «Sobald es dunkel wurde, war es ungemütlich in dieser Stadt», berichtet ein Fan. Diese Vorfälle konnte FCZ-Sicherheitschef Kaspar Meng nicht bestätigen – der Polizei sei nichts gemeldet worden.

«Il Mattino» berichtete, dass zwei Isländer von hinten angegriffen wurden, weil sie für Zürcher Fans gehalten worden seien. Zudem wurden ihnen noch das Portemonnaie und die Handys geklaut. Sie mussten nicht ins Spital eingeliefert werden.

Die Abschlussbilanz der italienischen Sicherheitsverantwortlichen: positiv. Es sei eine vergleichsweise ruhige Nacht gewesen. Das durch eine 20-Minuten-Schlagzeile provozierte Grossaufgebot der Polizei sei in dieser Form wohl nicht nötig gewesen.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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