Kritik in drei Punkten: Hier muss die Schweizer Nati besser werden

Das 1:1 in Spanien macht Hoffnung für die WM. Aber es reicht noch nicht.
Er traf zum schmeichelhaften Ausgleich gegen Spanien: Ricardo Rodriguez macht in der 62. das 1:1.

Nüchtern, fast geschäftsmässig wirkte es, wie die Schweizer Nationalspieler durch die pulsierende Interviewzone des Estadio de la Ceramica in Villarreal gingen. Während sich rundum geschätzte 45 spanische Radiostationen um Live-Interviews balgten, war bei den Schweizern höchstens ein wenig Genugtuung über das 1:1 beim WM-Mitfavoriten Spanien zu spüren. Aber sicher keine Euphorie.

Das spricht für diese Mannschaft, die kurz vor dem Beginn der Weltmeisterschaft einen ungemein fokussierten Eindruck hinterlässt. Und die offensichtlich gewillt ist, weiter an ihren Schwächen zu arbeiten. Von denen gab es in Spanien trotz des positiven Resultats durchaus. Vladimir Petkovic sprach danach von «Baustellen», die noch zu beheben seien.

Xherdan Shaqiri spricht nach dem Spiel gegen Spanien über seine Rolle im Team. Quelle: Tamedia.

  • 1. Sicher aus der Verteidigung aufbauen Der Nationaltrainer hatte seiner Mannschaft eine klare Aufgabe mit auf den Weg gegeben. So schilderte das Goalie Yann Sommer danach: «Wir wollten unbedingt von hinten heraus spielen. Auch wenn der Gegner hoch presst.» In den besten Szenen ergaben sich aus diesem Ansatz flüssige Schweizer Konter. Zu häufig aber wurde der Ball schon früh an die aufsässigen Spanier verloren. «So sind wir unter Druck geraten», konstatierte Sommer. Und sein Trainer befand: «Wir müssen noch präziser spielen. Die Gegner sind von sich aus schon gut genug, wir müssen ihnen nicht auch noch mit Fehlern helfen.» Natürlich hilft es, wenn Granit Xhaka nach seiner überstandenen Knochenprellung wieder den ruhenden Pol im Zentrum geben kann. Wobei seinem Ersatz Denis Zakaria in Villarreal ein gutes Spiel gelang.
  • 2. Mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum Vor allem aber müssen die Schweizer im gegnerischen Strafraum präsenter werden, als sie das vorab in der ersten Halbzeit waren. Einen Stürmer in Form, der vorne als Einzelkämpfer gegen drei, vier oder gar fünf Verteidiger ein Tor erzielt, werden sie kaum dabei haben, wenn es nach Russland geht. Also müssen andere Spieler ebenfalls in den Abschluss drängen, um diese Schwachstelle auszugleichen. «Wir müssen noch besser in die Tiefe laufen und dann nachrücken», befand Captain Stephan Lichtsteiner. So wie beim Ausgleich, als die beiden Aussenverteidiger Lichtsteiner und Ricardo Rodriguez gleichzeitig im spanischen Sechzehner auftauchten.
  • 3. Bessere Aufteilung beim Pressing Eine weitere grössere Baustelle war in Villarreal das Schweizer Pressing. Wenn immer das Team von Petkovic versuchte, hoch und mutig anzugreifen, löste sich der Gegner mit einer Leichtigkeit, die nicht nur der Klasse der Spanier geschuldet war. Sondern auch der schlechten Aufteilung der Schweizer. Sie müssten «bei den zweiten Bällen näher an den Mann kommen», forderte denn auch Lichtsteiner.

Möglich, dass diese Problemfelder auch damit zu tun hatten, dass die Schweiz in der letzten Woche hart trainiert hat. «Man hat sicher gesehen, dass der eine oder andere etwas müde war», meinte Xherdan Shaqiri. Und sein Trainer sprach davon, dass weiter an der Fitness gearbeitet werde: «Damit wir in Russland auf frische Beine zählen können. Denn wer mehr Luft hat, behält auch den kühleren Kopf.»

Den werden die Schweizer mit Sicherheit brauchen, wenn für sie die WM mit dem Spiel gegen Brasilien beginnt.

Video: «Rodriguez und ich harmonieren»

Captain Stephan Lichtsteiner nach dem 1:1 in Spanien. (Quelle: Tamedia)

Und vielleicht hilft ihnen dann auch eine frisch eingeführte Technologie. In Villarreal testeten die Schweizer erstmals die an der WM erlaubten Headsets. Via Funk war so Video-Analyst Vincent Cavin auf der Tribüne mit Assistenztrainer Antonio Manicone unten an der Seitenlinie verbunden. Ob und wie diese Kommunikationshilfe an der WM eingesetzt werden soll, wird am Freitag im letzten Test vor der Abreise gegen Japan noch einmal getestet.

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