Lebhafte Legende

Max Frischkopf stand 1955 mit Thun im Cupfinal. Ins Endspiel hat es der Klub seither nie mehr geschafft. Heuer nehmen die Oberländer den nächsten Anlauf, der Sechzehntelfinal in Lausanne (Freitag, 19 Uhr) bedeutet allerdings eine hohe Hürde.

Zeitzeuge: Max Frischkopf mit Mannschaftsfoto vom Cupfinal 1955.

Zeitzeuge: Max Frischkopf mit Mannschaftsfoto vom Cupfinal 1955.

(Bild: Markus Grunder)

Dominic Wuillemin

Viel ist Max Frischkopf nicht geblieben. Eine kleine Medaille und zwei schwarzweisse Mannschaftsfotos, mehr Erinnerungsstücke kann der 84-Jährige vom grössten Spiel seiner Karriere nicht vorweisen. Als einer von nur drei Thunern, die 1955 im Cupfinal gestanden hatten, ist er noch am Leben. «Das macht mir schon ein wenig Angst», sagt er, am Tisch seiner Wohnung in Steffisburg sitzend. Anzumerken ist ihm dies allerdings nicht, beim Besuch gewährt der rüstige Rentner einen schönen Einblick in frühere Zeiten. Lebhaft erzählt er hier eine Anekdote, bildhaft schildert er da ein Erlebnis.

Aufgewachsen war die Thuner Klublegende in Luzern. Sein acht Jahre älterer Bruder hütete bei den Innerschweizern in der NLA das Tor. Vater Frischkopf wusste davon allerdings lange nichts; dass sein Sohn einer der besten Goalies der Schweiz gewesen war, erfuhr er später zufällig aus der Zeitung. Vom Fussball hielt er wenig. Ein Sport für «Süffle» sei das, habe der Hilfsarbeiter jeweils gesagt. «Lieber wäre es dem Vater gewesen, wenn wir Karriere im Beruf oder im Militär gemacht hätten.»

Tausendernote als Anreiz

Nun, Max Frischkopf hatte anderes im Sinn. Mit 17 schloss er sich wie einst der Bruder dem FC Luzern an, bald darauf fand er sich in der ersten Mannschaft wieder. «Die brauchten noch einen Linksfuss», erzählt er mit einem Lächeln. Einer der Spieler hatte sich zuvor das Bein gebrochen. Frischkopf nutzte die Chance, war bald etabliert und gehörte dem Kader des Juniorennationalteams an.

Lange hielt es ihn allerdings nicht in der Heimat. Im Sommer 1952 bekam er Besuch vom Präsidenten des FC Thun. Nachdem dieser Frischkopf eine Tausendernote auf den Tisch gelegt hatte, war der Entschluss gefallen, kurzerhand wechselte der gelernte Tiefbauzeichner von Luzern ins Oberland. Es war ein Entscheid, den Frischkopf nie bereuen sollte. Beim FC Thun erlebte er seine beste Zeit als Fussballer. Mit den Oberländern stieg er 1953 in die NLB auf, ein Jahr später in die NLA. Und am Ostermontag 1955 stand er im Wankdorf im Cupfinal vor 25000 Zuschauern dem FC La Chaux-de-Fonds gegenüber. «Es war unglaublich», sagt Frischkopf, der sich noch sehr detailliert an den Tag zu erinnern vermag.

Bereits am Morgen hatten sich mehrere Tausend Thuner zu Fuss auf nach Bern gemacht, das Team traf sich derweil zum Mittagessen in einem Restaurant in Biglen. Der Trainer habe jeden Spieler einzeln in eine nahe gelegene Scheune gerufen, um ihnen zwischen Strohballen mitzuteilen, ob sie nun spielen würden oder nicht, erzählt Max Frischkopf. Der damals 24-Jährige spielte, und in Luzern sass der Vater am Radio und hörte sich die Übertragung der Partie an. «Da war er doch noch ein wenig stolz auf mich.»

Der Final allerdings war bereits nach zwanzig Minuten entschieden, die favorisierten Neuenburger führten mit drei Toren, den Thunern gelang in der zweiten Halbzeit immerhin noch der Ehrentreffer. Nebst der kleinen Medaille erhielten sie für ihren geschichtsträchtigen Effort noch zehn Goldvreneli.

Fünfliber als Trost

Spitzenfussball war damals noch ein Hobby, trainiert wurde in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche. Für einen Sieg gab es fünfzig Franken, bei einer Niederlage erhielten die Spieler immerhin noch einen Fünfliber. «Das genügte, um nach dem Spiel essen zu gehen», sagt Max Frischkopf.

Nach dem verlorenen Cupfinal hatte der linke Flügel über Lausanne nach La Chaux-de-Fonds und später wieder zu Luzern gewechselt. Doch bald kehrte der Innerschweizer ins Oberland zurück. Sein Klub aber schaffte es in all den Jahren nie mehr in den Cupfinal. Heuer nehmen die Oberländer den nächsten Anlauf, der Sechzehntelfinal am Freitag in Lausanne (19 Uhr) beim Tabellenführer der Challenge League bedeutet aber eine hohe Hürde.

Berner Zeitung

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