Masse für die verlorene Klasse beim FC Thun

Der FC Thun verliert zum Trainingsstart Topskorer Simone Rapp an Konkurrent Lausanne. Der Klub weiss um die suboptimale Aussenwirkung. Und vertraut auf Bewährtes.

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Als sich die Spieler des FC Thun beim Trainingsstart am Donnerstagnachmittag kurz nach 15 Uhr auf dem Kunstrasen der Stockhorn-Arena versammeln, fehlt einer, der in den letzten Monaten nicht nur seiner Körpergrösse wegen herausgeragt hat. Simone Rapp, neunfacher Saisontorschütze, wechselt wie erwartet zum Ligakonkurrenten Lausanne. Er unterschreibt einen Vertrag bis 2021.

Einzig der Medizintest steht noch aus, diesen absolviert der 25-jährige Tessiner heute. Die Oberländer dürften für den Stürmer, dessen Vertrag 2019 ausgelaufen wäre, rund eine Million Franken erhalten.¨

So zeigt Rapps Wechsel vor allem eines: Die Vorzeichen für Thun haben sich in den letzten Monaten erheblich verändert.

Lausannes Potenz

Rückblick: Mitte August gastierte Lausanne beim FC Thun. Die Westschweizer unterlagen 2:5, sie standen nach fünf Partien mit 15 Gegentoren und nur einem Punkt da. Joël Geissmann, der Wochen zuvor wegen mangelnder Einsatzzeit Thun in Richtung Lausanne verlassen hatte, musste sich die Frage anhören, ob er den Transfer nicht bereue. Nun hat der 24-jährige Mittelfeldakteur einen Arbeitgeber, der seit er vom Chemieunternehmen Ineos übernommen worden ist, grösser denkt. Europa soll das Ziel sein, mindestens. 2019 folgt zudem der Umzug in ein neues Stadion.

Die Romands haben es in den letzten Wochen nicht verpasst, ihre neue Potenz zu unterstreichen. Sie verloren mit Samuele Campo zwar ihren besten Offensivakteur an den FC Basel. Sie ­bekamen vom FCB dafür den schwedischen Nationalspieler Alexander Fransson. Sie holten vom spanischen Erstligisten Deportivo Alavés Enzo Zidane, der Sohn des französischen Weltfussballers und heutigen Real-Madrid-Trainer Zinédine. Und nun also folgt ihnen Rapp, der Führende in der Torschützenliste der Super League. Man sei enorm stolz, diesen Transfer verkünden zu können, gab der Klub auf seiner Website bekannt.

Dass die Aussenwirkung des Transfers des Torjägers nach Lausanne für den FC Thun dagegen suboptimal ist, dessen waren sich die Verantwortlichen bewusst. Es ist kein Zufall, kommuniziert der FCT Rapps Abgang am Donnerstag mit etlichen weiteren Personalentscheiden, die das Gesamtbild, das durch Rapps Wechsel entsteht, aufhellen sollen. Sportchef Andres Gerber sagt, es sei schade, einen Spieler wie Rapp zu verlieren. «Auf der anderen Seite ist uns und den Fans bewusst, dass wir auf solche Transfererlöse angewiesen sind, um in der Super League bestehen zu können.»

Thuns Botschaft

Dafür allerdings benötigen die Oberländer nebst Transferer­lösen auch eine kompetitive Equipe. Gerber findet, mit Dejan Sorgic, Marvin Spielmann und Nicolas Hunziker sei man im Sturm gut aufgestellt. Und er verweist daraufhin, dass man in den letzten Jahren die Abgänge von Leistungsträgern, gerade auch in der Offensive, habe auffangen können. Sorgic allerdings kam in der Vorrunde nicht auf Touren, Spielmann spielte meist auf dem Flügel, und Nicolas Hunziker hat erst einmal getroffen. Ihm ist zugutezuhalten, dass er ab Ende Oktober verletzt fehlte.

Hunziker konnte am Donnerstag mittrainieren, wie fast alle der zwischenzeitlich zehn Verletzten. Darunter befindet sich auch der talentierte Innenverteidiger Miguel Rodrigues, der im Sommer aus Genf gekommen war, aber noch nie für Thun spielte. Die Rückkehr der Verletzten führt der FC Thun in der gestrigen Medienmitteilung ebenfalls auf. Die Botschaft: Abgänge können durchs Kollektiv aufgefangen werden. Ob dies dem Klub auch diesmal gelingt, wird sich bald zeigen.

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