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Meisterschaft vor Augen, Ismaili im Kopf

Die YB-Frauen starten heute (16 Uhr, Wyler) mit stark verändertem Kader und neuem Trainer in die Saison. Der Auftakt gegen Servette wird ganz im Zeichen der in der Sommerpause verstorbenen Florijana Ismaili stehen.

Marco Spycher
Wird den YB-Frauen auf und neben dem Platz fehlen: Die verstorbene Florijana Ismaili.
Wird den YB-Frauen auf und neben dem Platz fehlen: Die verstorbene Florijana Ismaili.
Keystone

«Du wirsch für immer i üsem Härze si!»

Das steht auf einem Poster in der Garderobe der YB-Frauen im Neufeld. Darauf ist die Nummer 9 in Form von Bildern abgebildet. Diese trug die am 29. Juni bei einem Badeunfall tragisch verstorbene Florijana Ismaili. Die Fotos zeigen den ehemaligen Captain der Bernerinnen Fussball spielend, lachend und jubelnd. «Ihre Präsenz ist wichtig für unser Team», sagt der sichtlich gerührte Trainer Julien Marendaz.

Er hat diesen Sommer die Nachfolge von Marisa Wunderlin angetreten, die sich auf ihre Aufgabe als Assistenztrainerin des Schweizer Frauennationalteams fokussieren will. Marendaz übernahm das Traineramt elf Tage vor dem Unglück. Der Start für den Waadtländer war nicht einfach.

Er war direkt gefordert, musste seine Spielerinnen unterstützen. «Wir sind füreinander da gewesen, wie eine Einheit. Dieser Schicksalsschlag hat uns zusammengeschweisst und uns trotz der Tragik zusätzlich Kraft verliehen», sagt Marendaz. Und fügt hinzu: «Wir werden diese Saison für Florijana spielen.»

Junges Team

Mit Ismaili haben die YB-Frauen nicht nur eine talentierte Fussballerin und Freundin verloren, sondern auch ihre Führungsspielerin. Marendaz weiss, dass man eine Leaderin wie sie nicht ersetzen kann. Nach mehreren Gesprächen kam er zum Entschluss, dass Aline Stöckli in der neuen Saison die Binde tragen wird. «Sie hat viel Erfahrung, spielt schon lange für dieses Team und strahlt auf dem Platz Autorität aus. Deshalb ist sie die richtige Wahl», sagt er. Die 23-jährige Stöckli spielt seit 2010 für die YB-Frauen.

Die Captainfrage war aber nicht Marendaz’ einziges Problem. Gleich zehn Abgänge mussten die Bernerinnen verkraften, darunter auch Leistungsträgerin Meret Wälti. Deshalb waren die YB-Frauen gezwungen, neue ­Akteurinnen zu verpflichten. Mit Marilena Widmer und Nadine Riesen gelang es, die Dienste zweier Nationalspielerinnen zu sichern.

Nebst Alana Burkhart und Emma Faure wird das Team mit Frauen aus der eigenen Nachwuchsabteilung aufgefüllt. Im 22-köpfigen Kader hat die Hälfte der Spielerinnen Jahrgang 2000 oder ist jünger. «Wir haben ein sehr junges Team», meint Marendaz. «Aber wir haben auch erfahrene Spielerinnen wie eben Stöckli und Seraina Friedli.»

Genau deshalb sei es eine interessante Aufgabe für ihn. «Ich sehe viel Potenzial in diesem Team. Ich will jede Spielerin individuell unterstützen, um so das Maximum herauszuholen», sagt er.

Marendaz durchlief als Fussballer die Nachwuchsabteilung bei Servette, später spielte er in der 1. Liga für Stade Nyonnais. Als Trainer war der 36-Jährige zuletzt bei Azzurri Lausanne in der 1. Liga tätig. Nun versucht er sich beim anderen Geschlecht. «Ich habe den Frauenfussball und seine Entwicklung immer verfolgt und bin sehr glücklich, gibt mir YB diese Möglichkeit.»

Ehrung für Ismaili

Ein Erfolgserlebnis konnte Marendaz mit seinem Team bereits am vergangenen Wochenende ­feiern. Dank dem 3:0-Sieg im Cup gegen Old Boys Basel haben die Bernerinnen die erste Hürde genommen.

«Wir sind bereit», sagt der zuversichtliche Trainer. Die letzte Saison beendeten die YB-Frauen auf dem 7. Rang. Marendaz will mehr. Er strebt einen Platz in der oberen Tabellenhälfte an. «Aber eine Einschätzung zu diesem Zeitpunkt ist schwierig. Nach einigen Spielen können wir die Ziele besser definieren.»

Heute, beim Meisterschaftsbeginn gegen Servette, können die YB-Frauen einen ersten Meilenstein setzen. Das Spiel steht ganz im Zeichen von Florijana Ismaili, die am Mittwoch postum von der Liga mit dem Award «Tor der Saison» ausgezeichnet wurde. Nebst der Schweigeminute vor dem Match wird das Team mit Trauerflor spielen.

Zudem soll es eine spezielle T-Shirt-Aktion zum Gedenken an Ismaili geben. Die Meisterschaft haben die Spielerinnen zwar vor Augen, in den Köpfen dominieren aber die Gedanken an ihren verstorbenen Captain.

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