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Mythen und Wahrheiten im Duell YB-FCB

Irgendetwas hat sich verändert im langjährigen Duell zwischen dem FC Basel und YB. Vom Meistertitel aber wollen die erstaunlich stabilen Young Boys weiter nicht reden.

Geht es um YB und Basel und Titelkämpfe und Vorsprünge der Young Boys, landet man bald bei jenen legendären 13 Punkten, welche YB vor acht Jahren vor dem FCB lag – und noch verspielte. Auch letzte Woche schrieben mehrere Medien fälschlicherweise, die Young Boys seien damals zur Winterpause noch mit 13 Zählern vorausgelegen.

Das ist ein Mythos, der sich wahrscheinlich nicht so schnell aus der Fussballwelt schaffen lässt. Fakt ist: 13 Punkte betrug die Differenz nur einmal, Ende August 2009 nach dem 2:1-Sieg der Young Boys am 8. Spieltag im St.-Jakob-Park. Sie drehten einen 0:1-Rückstand in der Schlussphase, glichen durch Seydou Doumbia aus (75. Minute), ehe Christian Schneuwly ein Last-Minute-Tor gelang.

Das Kompliment von Wicky

Auch am Sonntag gelang YB im Gipfeltreffen in Basel kurz vor Spielende das 1:1 durch den besten Torschützen (Jean-Pierre Nsame). Und beinahe hätten die Gäste in der Schlussphase erneut den Siegtreffer realisiert, Roger Assalé vertändelte jedoch eine aussichtsreiche Kontergelegenheit, wobei er von Manuel Akanji im FCB-Strafraum elfmeterreif gefoult wurde.

Diese Szene wurde nach der Begegnung nicht thematisiert, zumal das 1:1 ohnehin wie ein Sieg für die Young Boys wirkte. Ihr Vorsprung beträgt nach 14 Spieltagen weiter 7 Punkte – zu diesem Zeitpunkt waren es 2009 9 Zähler gewesen. «Es ist erst rund ein Drittel absolviert», sagt YB-Captain Steve von Bergen. «Es dauert noch lange.»

Irgendwie aber hat sich das in den letzten Jahren so einseitige Duell zwischen Baslern und Bernern verändert. Einerseits ist der FCB nach dem grossen Umbruch im Sommer deutlich weniger souverän und entschlossen, der Mannschaft fehlt es an prägenden Figuren wie in den Meisterjahren beispielsweise Alex Frei, Marco Streller und Matias Del­gado.

Und andererseits agieren die gewachsenen Young Boys trotz äusserst jungem Personal erstaunlich stabil und stilsicher. Das grösste Kompliment für den Herausforderer kommt vom Basler Trainer Raphael Wicky: «YB hat eine Konstanz im Spiel, die wir auch wieder wollen.»

Wie sich die Zeiten ändern.

Das M-Wort auf dem Index

Das Unentschieden am Sonntag jedenfalls verändert die Ausgangslage im Titelkampf erheblich, selbst wenn sich in der Tabelle nichts verändert hat. Oder genau deswegen. Denn ein Basler Heimsieg hätte die alten Reflexe befeuert, wonach YB am Ende ja sowieso immer Zweiter wird.

Langsam dürfen (oder besser: müssen) sich die Young Boys ernsthaft mit der Möglichkeit auseinandersetzen, auch im Mai und damit kurz vor Saisonende noch auf Rang 1 zu stehen. Spätestens dann werden sie den Fragen nach den Ambitionen nicht mehr ausweichen können. Das gefährliche M-Wort steht ja im Stade de Suisse auf dem Index. Und bisher gingen die Protagonisten mit ­dieser Sache spielerisch um.

Am Sonntag beispielsweise lachte David von Ballmoos laut, als er nach der Partie in Basel gefragt wurde, ob man nun Fragen zur Thematik «Meister YB» stellen dürfe. Er rief schauspielerend nach dem Pressechef, weil er Beistand benötige, überlegte kurz und meinte dann: «Wir bleiben cool. Daran ändert sich nichts.» Selbstverständlich erinnerte er sich sofort auch an das Klubmotto und schob lässig hinterher: «Wir nehmen weiter Spiel für Spiel.»

Basel darf viermal vorlegen

Das ist keine schlechte Idee. Und weil in dieser Saison wegen der WM 19 Runden bis Weihnachten ausgetragen werden, kann YB immerhin schon mal Halbzeitmeister und Wintermeister werden.

Das Programm von YB und Basel nach der dritten zweiwöchigen Länderspielpause in dieser Spielzeit ist ab Mitte November bis zur Winterpause ähnlich: Heimspiel (YB - Zürich, Basel - Sion), zwei Auswärtsspiele (Lugano - YB, Luzern - Basel; Thun - YB, Lausanne - Basel), Heimspiel (YB - GC, Basel - St. Gallen) und zum Schluss noch mal eine Partie in der Fremde (Luzern - YB, GC - Basel). Wobei der FCB in den nächsten vier Runden jeweils am Samstag vorlegen darf – und den Druck auf die Young Boys erhöhen kann.

Dieses YB allerdings ist auch mental ziemlich strapazierfähig – und deutlich ausgeglichener besetzt als 2009/2010. Und sowieso: In der aktuellen Saison liegen die Duelle FCB versus YB in der Rückrunde relativ versteckt im Kalender (27. und 34. Spieltag). Das war vor acht Jahren anders. Zur Winterpause betrug der Vorsprung der Young Boys damals – Mythos hin oder her – 7 Punkte. Gleich zum Start der Rückrunde unterlagen sie in Basel 0:4 und am Ende in der Finalissima zu Hause 0:2.

Es war der erste von acht FCB-Titeln in Serie.

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