Neue Wege, altes Resultat für den FC Thun

Der FC Thun verliert in Lugano 1:2 und wartet nun seit drei Jahren auf einen Sieg im Tessin.«Wir haben allmählich alles probiert», sagt Trainer Marc Schneider.

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Dominic Wuillemin

Die Kunst des Zeitspiels ist in ­Lugano in verschiedenen Ausprägungen zu betrachten. In der Partie gegen Thun läuft die Schlussphase, das Heimteam führt nach Toren von Carlinhos und Alexander Gerndt in der ­ersten Halbzeit immer noch 2:1, wackelt jetzt aber beträchtlich: Matteo Tosetti trifft den Innenpfosten, der eingewechselte Roy Gelmi köpft aus nächster Nähe übers Tor.

Für Entlastung sorgen da nur künstliche Verschnaufpausen. Mal lässt sich der frühere Thuner Goalie David Da Costa beim Abstoss aufreizend viel Zeit. Mal denkt ein Balljunge nicht daran, den Ball zurück ins Spiel zu spedieren. Mal bleibt ein Luganesi lange liegen – so lange, dass die Sanitäter mit der Bahre in den Händen Richtung Platz stürmen. Doch just in dem Moment steht der angeblich Verletzte wieder auf. Als wäre nichts gewesen.

Es ist nicht schön anzusehen, was die Luganesi vor nur 2049 Zuschauern betreiben. Es ist auch nicht fair, seinen Zweck erfüllt es aber. Am Ende gewinnt Lugano 2:1, es ist der zweite Sieg im dritten Spiel unter dem ­neuen Trainer Fabio Celestini. Bei den Thunern verfestigt sich derweil der Eindruck, dass für sie nahe der italienischen Grenze nichts zu holen ist.

Die verflixte Anreise

Seit dem Wiederaufstieg der ­Tessiner im Sommer 2015 vermochten die Oberländer nur das erste Auswärtsspiel zu gewinnen. Seither hat es in sechs Partien vier Niederlagen sowie zwei Unentschieden abgesetzt. Vielleicht bekomme die lange Anreise den Spielern nicht gut, meinte Trainer Marc Schneider, nachdem sich sein Team letzten April zu einem 1:1 geknorzt hatte. Nun sagt er: «Wir haben allmählich alles probiert.»

Was Schneider meint: Einmal liess er sein Team in Lugano übernachten, einmal reisten die Thuner früh an und nahmen sich in Lugano für ein paar Stunden ein Hotel. Diesmal fahren sie morgens um 9 Uhr im Oberland ab, speisen in Bellinzona zu Mittag, unternehmen einen Verdauungsspaziergang. Doch als der Schiedsrichter die Partie angepfiffen hat, vergehen gerade 64 Sekunden, ehe das Heimteam in Führung liegt. Mattia Bottani ist nach einem Pass in die Tiefe auf der linken Seite durchgebrochen, seine Hereingabe verwertet Carlinhos mühelos. Es ist ein Tor nach Celestinis Art, mit schnellem Umschalten nach Ballverlust und zügigem Spiel in die Spitze. «Wir wussten eigentlich, was uns erwarten würde», sagt Schneider und meint, in diesem Moment hätte bei seinen Akteuren die Konzentration gefehlt.

Dass die Thuner nicht gut beginnen, ist kein neues Phänomen. Sie haben sich dennoch in der oberen Tabellenhälfte festsetzen können, weil sie sich im Verlauf einer Partie steigern. Und weil sie nicht viele Chancen benötigten, um zu treffen. Das war beim 2:0 bei GC der Fall, daheim beim 2:2 gegen den FCZ, zuletzt beim 2:0 in Luzern ebenso.

Das Lob des Trainers

Auch im Tessin bessert ihr Spiel, Tosetti gelingt nach 19 Minuten mit dem ersten Saisontor der Ausgleich. Und auf den erneuten Rückstand kurz vor der Pause ­reagieren die Oberländer in der zweiten Halbzeit wie ein Team aus der oberen Tabellenhälfte. Doch diesmal vermögen sie sich für ihre Leistungssteigerung trotz mehr Torschüssen, mehr Ballbesitz und mehr Eckbällen als der Gegner nicht zu belohnen. Auch weil Sorgic den Pfosten streift, Spielmann mit dem Kopf vergibt. Er könne seinem Team keinen Vorwurf machen, er sei mit der Darbietung sehr zufrieden, sagt Schneider.

Der Höhenflug ist damit fürs Erste gebremst. Immerhin: Das nächste Mal gastieren die Oberländer im Februar in Lugano. Bis dahin bleibt genügend Zeit, sich etwas einfallen zu lassen, damit es mit einem Sieg im Tessin ­wieder einmal klappt.

Thuner Tagblatt

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