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Neustart für die Fussball-Nati

Vladimir Petkovic spricht beim Zusammenzug vor den WM-Playoffs gegen Nordirland von einem Neuanfang. Der Schweizer Nationaltrainer vermittelt einen zuversichtlichen Eindruck. Er tut so, als gäbe es keine Probleme.

Im Trainingsanzug und betont gelassen: Der Schweizer Trainer Vladimir Petkovic beim Medientermin am Dienstag.
Im Trainingsanzug und betont gelassen: Der Schweizer Trainer Vladimir Petkovic beim Medientermin am Dienstag.
Keystone

Reset, alles auf null, so sieht der Plan von Vladimir Petkovic vor den beiden Partien in den WM-Playoffs gegen Nordirland aus.

Der Schweizer Nationaltrainer präsentiert sich am Montagnach­mittag im Hotel Courtyard in Pratteln erstmals seit der 0:2-Niederlage in Portugal den Medien. Er tut es im Trainingsanzug und betont gelassen. Dabei gäbe es für ihn genügend Gründe, beunruhigt zu sein. Da sind wichtige Akteure wie Valon Behrami und Ricardo Rodriguez, die mit gesundheitlichen Probleme kämpfen.

Da ist ein Admir Mehmedi, der bei Leverkusen in der Liga seit über einem Monat nicht mehr zum Einsatz gekommen ist. Oder ein Blerim Dzemaili, dessen Teamkollegen von Montreal längst in den Ferien weilen. Die Liste der Sorgenkinder könnte um einige weitere Namen verlängert werden. Und vor allem: Da ist der Rückschlag vor drei Wochen in Portugal, der Zweifel an Petkovics Team hat aufkommen lassen.

Sind die Schweizer, welche die WM-Qualifikation mit den drittmeisten Punkten aller europäischer Teams abgeschlossen haben, tatsächlich für Grosses geschaffen? Oder flogen sie lange zu hoch. Und wenn ja: Folgt jetzt der Absturz?

Woche der Wahrheit

Mit dem Zusammenzug in Pratteln beginnt für Vladimir Petkovic eine Woche der Wahrheit. Er kann gegen Nordirland nicht viel gewinnen, aber sehr viel ver­lieren. Die Qualifikation für die WM 2018 in Russland wird seit der Auslosung vor über zwei Jahren erwartet. Das Nichterfüllen des Ziels würde Petkovics Position erheblich schwächen, kürzlich verlängerter Vertrag bis 2019 hin oder her.

«Alles, was bisher war, müssen wir vergessen. Jetzt gilt es, besser als der Gegner zu sein. Nur darauf konzentrieren wir uns.»

Trainer Vladimir Petkovic

Mit solchen Dimensionen mag sich der 54-Jährige beim Medientermin allerdings nicht be­schäftigen, er verzichtet darauf, von Alles-oder-nichts-Partien zu sprechen. Einmal sagt der Tessiner: «Wir machen einen Reset. Was bisher war, müssen wir vergessen.» Control-Alt-Delete – um sich wie Petkovic der Computersprache zu bedienen: Der Systemfehler in Portugal soll Geschichte sein. Die Playoffs betrachtet er als Miniturnier. «Jetzt gilt es, besser als der Gegner zu sein. Nur darauf konzentrieren wir uns.»

Faktor Fans

Am Dienstag erzählt Vladimir Petkovic einmal, dass er vergangene Woche viele Telefongespräche mit seinen Spielern geführt habe, um sie auf die veränderte Ausgangslage vorzubereiten. Auf einen Gegner, der mit den technikaffinen Portugiesen wenig gemein hat, der Fussball arbeitet, nicht spielt. «Wir dürfen die Beine nicht zurückziehen», fordert Petkovic.

Und er glaubt, dass am Donnerstag die grosse Mehrzahl der 18'000 Zuschauer jeden Fehlpass der Schweizer wie ein Tor feiern werde. Es sei kein Zufall, dass die Nordiren in den letzten drei Jahren auf Wettbewerbsniveau im engen und lauten Windsor Park nur gegen den Weltmeister Deutschland ver­loren hätten.

«Mit ihrer Mentalität können sie sehr viel bewegen. Das Publikum kann 20 bis 30 Prozent ausmachen», sagt Petkovic. Er zeichnet vor den Playoffs das Bild eines Kampfes, der 180 Minuten dauert und am Donnerstag in die erste Runde geht.

Bangen um den Vorkämpfer

Allzu gern würde Vladimir Petkovic dann auf Valon Behrami zurückgreifen. Seinen Vorkämpfer, dessen spektakulärste Szene der Karriere nie ein Tor sein wird. Sondern wie er an der WM 2014 in Brasilien gegen Ecuador in der Nachspielzeit im eigenen Strafraum den Ball mit einem Tackling erobert, loszieht, nach einem Foul wieder aufsteht, weiterläuft und den Siegtreffer vorbereitet.

Noch vor einer Woche schien sich der Trainer damit abfinden zu müssen, dass die Leader- und Integrationsfigur gegen Nord­irland fehlt. Jetzt sagt er, er hoffe auf eine positive Überraschung.

«Wir werden in jeder Minute, in jeder Stunde, in jeder Einheit ­alles versuchen, damit er rechtzeitig fit wird.» Ein Einsatz Behramis – zumindest im Hinspiel – ist derzeit aber nicht absehbar. «Schon nur dass Valon da ist, gibt uns viel Positives», sagt Petkovic.

Alles hat zwei Seiten

Vladimir Petkovic ist am Dienstag bemüht, den Gesundheitszustand und die schwierige Situation im Klub gewisser Stammspieler nicht zu überhöhen. Das sei in der Vergangenheit auch schon so gewesen, sagt er. «Sie können sich nun im Nationalteam für den Klub empfehlen.» Er findet auch, die fehlende Spielpraxis müsse nichts Schlechtes bedeuten – im Gegenteil. Er sagt: «Sie rücken mit etwas frischeren Beinen oder frischerem Kopf ein.»

So ist das beim Auftritt von Vladimir Petkovic in Pratteln. Er vermittelt den Eindruck, dass es der Beginn von etwas Grossem ist. Und nicht der Anfang vom Ende.

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