Nicola Sutter ist am Scheideweg

Nicola Sutter ist erst 22 – und doch gibt er zu, an einem wegweisenden Punkt in seiner Karriere angekommen zu sein. Der Sohn René Sutters und Neffe Alain Sutters ist beim FC Thun nach hinten gerückt – in zweierlei Hinsicht.

Gefordert: Nicola Sutter hat seinen Platz in Thun nicht auf sicher.

Gefordert: Nicola Sutter hat seinen Platz in Thun nicht auf sicher.

(Bild: Patric Spahni)

Alles sei so leicht gegangen. Früher, als er noch jung war. Wer nun die Lebensgeschichte eines Rentners oder zumindest jene eines Spitzensportlers im letzten Karriereabschnitt erwartet, täuscht sich gewaltig. Es sind die Worte Nicola Sutters, 22-jährig, ein Alter, in dem sich manch einer noch in der Flegelphase befindet. Er mag sich etwas ungeschickt ausgedrückt haben, und doch ergibt seine Aussage Sinn.

In der Saison 2014/2015 stieg Sutter beim damals von Urs Fischer trainierten FC Thun zur Stammkraft auf, quasi mir nichts, dir nichts. Im zentralen Mittelfeld absolvierte er achtzehn Partien, sorgte für Ruhe und Ordnung, machte kaum Fehler. Doch so rasch es vorwärtsging, so schnell folgte die Stagnation. In der Meisterschaft 2015/­2016 wurde er noch achtmal eingesetzt, in der vergangenen Spielzeit durfte er nie mittun. Und so sagt der Berner ohne Umschweife: «Nun folgt für mich ein wegweisendes Jahr.»

Die bekannten Verwandten

Sutter, dieser Name verpflichtet. Und er kann zur Bürde werden, wenn es nicht läuft. Nicolas Vater René feierte mit YB einst den Meistertitel, Onkel Alain nahm 1994 an der WM in den USA teil, spielte bei Bayern München. «Früher wurde von mir automatisch viel erwartet», gibt der Thuner zu. Mittlerweile aber mache er sich den grössten Druck selber. «In den letzten zwei Jahren hat unsere Mannschaft an Routine verloren, aber an Qualität ge­wonnen. Der eine oder andere hat mich überholt.»

Sandro Lauper, Dennis Hediger, Joël Geissmann – im defensiven Mittelfeld des FC Thun stehen gleich drei Akteure höher im Kurs als Nicola Sutter. Sportchef Andres Gerber verneint dies nicht, «auf dieser Position haben wir ein Luxusproblem». Weil die Oberländer dagegen in der Innenverteidigung ungeachtet der vorgestern kommunizierten Verpflichtung Roy Gelmis weniger gut aufgestellt sind, kam die Idee auf, Sutter nach hinten zu verschieben. Gerber meint, er sei überrascht gewesen von den Darbietungen des gelernten Elektroinstallateurs in den Testspielen, «aber natürlich fühlt er sich woanders wohler».

Der Spieler erwähnt die riesige Verantwortung, «machst du als Innenverteidiger einen Bock, ist das fatal». Nie zuvor habe er auf dieser Position gespielt. «Als Junior war ich mal Goalie, mal Stürmer, mal Mittelfeldspieler. Aber in der Abwehr brauchte es mich nie.»

Der Fehler in Winterthur

Aus dem Thuner Umfeld ist zu vernehmen, Nicola Sutter habe einen Schritt vorwärts gemacht und kapiert, um was es im Business gehe. Teamkollegen sagen augenzwinkernd, er erwecke neben dem Feld manchmal den Eindruck, als würde er gleich einschlafen. Darauf angesprochen, lacht der Profi. «Ich bin ein ruhiger Typ – aber die Unaufgeregtheit ist die Stärke in meinem Spiel.»

Er habe einen Reifeprozess hinter sich, hält der frühere U-21-Nationalspieler fest. Während seiner Zeit beim unterklassigen Winterthur in der letzten Saison war er erstmals weg von Zuhause; mit YB-Goalie David von Ballmoos, der ebenfalls auf Leihbasis in der Ostschweiz spielte, bildete er eine Wohngemeinschaft.

Sutter hatte den Wechsel in die Challenge League forciert, weil er bei Jeff Saibene nicht allzu hoch im Kurs gestanden war. «Ich passte offenbar nicht in sein System. Deshalb wollte ich weg.» In Winterthur kam er zunächst regelmässig zum Zug. Doch während der Vorbe­reitung zur Rückrunde verletzte er sich, danach verkrachte er sich mit einigen Verantwortlichen. «Ich machte einen Fehler», gibt er zu, ohne konkreter zu werden. «Aber ich habe daraus gelernt.»

Die heikle Ausgangslage

Stellt sich die Frage, wie es um Sutters Perspektiven steht. Sportchef Gerber verweist auf die Fortschritte des Zentrumspielers, «darum denke ich an und für sich, dass er nahe an der Stammelf ist. Allerdings ist die Konkurrenz riesig, insofern habe ich das Gefühl, dass es sehr schwierig für ihn werden dürfte.» Gemäss Gerüchten ist eine neuerliche Ausleihe zumindest nicht ausgeschlossen, es soll einen Interessenten aus der Challenge League geben.

Wie auch immer: Sutter traut sich und der Mannschaft einiges zu, sagt keck, der Verein dürfe sich in der Super League nach vorne orientieren. Er will sich durchbeissen – etwas, das er als Schüler gelernt hat. Mit 15 spielte er beim FC Dürrenast, mit der zweiten Mannschaft, in der dritten Liga. «Ich war der Strich in der Landschaft, die anderen sahen im Vergleich zu mir aus wie Stiere. In jedem Zweikampf gab es Saures.» Lange sei dies her, meint Sutter. Und muss selber schmunzeln.

Berner Zeitung

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