Castroman vor seinem Spiel des Jahres

Am Samstag geht es für Miguel Castroman im Cup gegen die Young Boys – ein entscheideneds Spiel für die YB-Leihgabe beim FC Schaffhausen.

In Schaffhausen will er glänzen, damit er bei YB eine Zukunft hat: Miguel Castromans Vertrag läuft Ende Saison aus.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

In Schaffhausen will er glänzen, damit er bei YB eine Zukunft hat: Miguel Castromans Vertrag läuft Ende Saison aus.

(Bild: Keystone)

Der junge Mann kommt ziemlich cool rüber. Zwei Stunden dauerte die Kältetherapie, zwischenzeitlich steht und bibbert man da bei minus 110 Grad, das regeneriert, ist gut für die Muskeln. Aber ei­gentlich läuft Miguel Castroman gerade richtig heiss. Oder wie er sagt: «Ich habe einen guten Moment.»

Ausser beim Saisonauftakt Mitte Juli hat der 23-Jährige für den FC Schaffhausen in der Challenge League in jeder Partie getroffen: Sechs Tore in acht Auftritten sind das, inklusive der ersten Cuprunde, dazu ein Assist. Immer stand er in der Startelf, sechs von sieben Malen hat er durchgespielt. Castroman ist da, wo er sein will, ist eine feste Grösse auf seiner Lieblingsposition hinter den Spitzen.

Aber eben, der Moment. Vor einem Jahr startete er ähnlich gut, unter Murat Yakin perfektionierten die Schaffhauser zeitweise den Konterfussball. Dann folgte Yakin dem Ruf der Grasshoppers (wo er sich auch nur acht Monate hielt), Boris Smiljanic übernahm, es musste sich alles wieder aufs Neue einspielen.

Und dann geschah mal wieder, was Castroman selber als «Unterbruch» bezeichnet. «Davon hatte ich einfach zu viele in meiner Vergangenheit.» Eine Oberschenkelblessur war es, drei, vier Wochen Pause. Und zuvor war es mal eine Sprunggelenkverletzung, dann ein Trainer, der nicht auf ihn setzte, dann ein kurzes, unerklär­liches Leistungstief.

All das sind mit Gründe dafür, dass der junge Mann am Samstag sein Spiel des Jahres hat – und nicht am Mittwoch. Am Samstag empfängt Schaffhausen im Cup YB. YB, das ist die eigentliche Heimat von Castroman, der Club, bei dem er alle Nachwuchsstufen durchlief, bei dem er noch immer unter Vertrag ist und der am Mittwoch zu Hause in der Champions League gegen Manchester United eine der grössten Partien der Vereinsgeschichte spielt.

Klar, auch er wird am Mittwoch im Stade de Suisse sein, nach Möglichkeit auch an den anderen Spielen. Mit dem Gedanken, dass er am Samstag auch auf der anderen Seite stehen könnte, hält sich Castroman nie lange auf. «Der Fussballer lebt im Moment», sagt er, «und eben: Ich geniesse gerade einen guten.»

Denn auch der neue Trainer setzt auf ihn – und lässt einen Fussball spielen, der dem kleinen, wendigen Feinfuss mit spanischen Wurzeln noch mehr entgegenkommt: Es zählt viel Ballbesitz, «wir versuchen, sehr gepflegt und den Ball auch unter Druck flach und kurz zu spielen». Smiljanic setzt den filigranen Berner hinter den zwei kräftigen Spitzen ein, dem aus Italien gekommenen Mamadou Tounkara und der Teamstütze Karim Barry. Castroman ist der klassische Ballverteiler, mit allen nötigen Freiheiten.

Was ist im Sommer?

Dass Schaffhausen aus den ersten sechs Partien in der Meisterschaft nur acht Punkte totalisiert, schiebt Castroman auf den riskanten Fussball, den seine Mannschaft spielt. «Das muss sich noch finden. Aber wenn es bei uns läuft, sind wir schwer zu schlagen.»

«Das muss sich noch finden. Aber wenn es bei uns läuft, sind wir schwer zu schlagen.»Miguel Castroman

Und wenn bei Schaffhausen alles und bei YB kaum etwas klappt, nur dann liegt am Samstag im Lipo-Park (2016 absolvierte der FCS die letzte Partie im alten Breite-Stadion) eine Überraschung drin. «YB ist so gut und so breit besetzt, wie wohl noch nie», sagt Castroman anerkennend.

Für den früheren Breitenrain-Junior wird es nächsten Sommer, wenn der Vertrag mit YB ausläuft, nicht einfach, sich einen Platz bei den Bernern zu ergattern. Eine nächste Station in der Challenge League, ein Versuch in der Super League – beides scheint möglich. In der obersten Spielklasse ist Castroman bislang auf fünf Einsätze gekommen – alle 2015 bei YB unter Adi Hütter. «Ich schaue, was der nächste Moment bringt», sagt Castroman, ruhig, abgeklärt. Cool halt.

Berner Zeitung

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