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«Nur im äussersten Notfall Stadionverbote»

Seit knapp einem Monat ist Thomas Grimm Präsident der Swiss Football League (SFL). Er sieht sich mit einigen Baustellen konfrontiert. Der frühere YB-Präsident sagt, in den Schweizer Stadien solle wieder Ruhe einkehren.

Die SFL wird nach den Zwischenfällen in der letzten Saison zur Geisterliga. In Zürich, Basel und Bern wird vor leeren Rängen oder leerer Fankurve gespielt. Trifft es bei diesen Massnahmen nicht die Falschen? Thomas Grimm: Ich finde diese Stadion- oder Teilstadionsperren auch keine guten Lösungen. Aber: Die Disziplinarkommission hat sich, soweit ich das beurteilen kann, an die anwendbaren Reglemente und die bisherige Praxis gehalten. Mit Bezug auf Zürich und Basel sind die Urteile aber noch nicht rechtskräftig.

Was schwebt Ihnen als bessere Lösung vor? Ich könnte mir vorstellen, dass man relativ hohe Bussen ausspricht und das Geld in Fanprojekte investiert.

Was heisst das konkret? Ich habe Ulrich Pfister (Sicherheitschef des SFV, die Red.) gesagt, er solle sich Gedanken machen. Man könnte zum Beispiel einen Klub mit 150'000 Franken büssen und von ihm verlangen, dass er das Geld für präventive und nötigenfalls auch repressive Massnahmen einsetzt. Geisterspiele sollten die letzte Lösung sein. Sie dienen niemandem.

Was erwarten Sie von den Klubs? Seit Anfang Juli hat beispielsweise die Stadt Zürich die gesetzliche Möglichkeit, von den Klubs bis zu 80 Prozent der Kosten zu verlangen, die für die Sicherheit im Rahmen der Spiele anfallen. Falls noch nicht geschehen, müssen die Klubs ihre Schwachpunkte ausmerzen. Sonst könnten in Zukunft sehr gesalzene Rechnungen auf sie zukommen.

Jüngst bat Sportminister Ueli Maurer zum runden Tisch. Die Ansichten gingen danach aber weit auseinander, ob bei der Gewaltbekämpfung Fortschritte erzielt wurden. Ich war zum ersten Mal dabei. In gewissen Bereichen konnte man das gemeinsame Bestreben spüren. Die formulierten Ziele konnte ich jedoch nicht alle ganz nachvollziehen. Als Beispiel: Reduktion der Ausschreitungen um 30 Prozent bis 2011 mit gleichzeitiger Senkung der Sicherheitskosten. Das kann meiner Meinung nach nicht aufgehen. Bei all den Diskussionen um die Gewalt rund um die Spiele darf man nicht vergessen: Gewalt gibt es nicht nur im Fussball. Sie gehört leider offensichtlich zur heutigen Gesellschaft.

Der FCZ und der FCB sind gestern gemeinsam an die Öffentlichkeit gegangen. Sie finden, dass sie von der Disziplinarkommission ungerecht behandelt wurden. Betrachtet man die letzten Ausschreitungen, muss man sagen: Diese beiden Klubs haben derzeit die grössten Probleme im Stadion. Das Ausmass der Zwischenfälle im Letzigrund war erschreckend. Das war nicht zu vergleichen mit dem Vorfall bei YB - Xamax, als der Schiedsrichter von einem Wurfgegenstand getroffen wurde. YB muss gegen St.Gallen vor einem geschlossenen Sektor spielen. Ich bedaure und verurteile beide Vorfälle sehr. Bezüglich des Sachverhalts sind diese jedoch nicht vergleichbar. Daher sind beide Urteile unterschiedlich ausgefallen. Wie erwähnt, sollten Stadionverbote nur im äussersten Notfall ausgesprochen werden.

Welche Vision haben Sie mit der Swiss Football League? Wir möchten die Liga noch klarer als Marke positionieren. Und wir wollen, dass in den Stadien Ruhe einkehrt. Ein Familienvater soll wieder bedenkenlos mit seinem Kind ins Stadion gehen können. Mir ist zudem ein Anliegen, dass wir bei der Professionalisierung der Schiedsrichter vorwärts kommen. Es muss im Interesse aller beteiligten Parteien liegen, den Schiedsrichtern bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen, damit diese optimale Leistungen erbringen können. Eine solche Lösung muss jedoch für die SFL finanzierbar sein.

Stichwort Modus. Die Klubpräsidenten haben sich entschieden, dass die Eliteklasse aufgestockt werden soll. Ist es wirklich sinnvoll, die Liga von zehn auf zwölf zu vergrössern? Fakt ist: Die Klubs wollen eine Zwölferliga. Sie haben dem SFL-Komitee den Auftrag gegeben, die Rahmenbedingungen abzustecken. Aus heutiger Sicht glaube ich persönlich aber nicht, dass die Axpo Super League dadurch attraktiver würde; ich sehe die Vorteile nicht. Aber ich bin professionell genug, um neutral an diese Sache heranzugehen.

Wann würde die Zwölferliga ihren Betrieb aufnehmen? Auch in dieser Frage entscheidet die Generalversammlung im November. Weil die Fernsehverträge in drei Jahren auslaufen, hätte die Aufstockung auf die Saison 2012/2013 einige Vorteile. Wird der Termin von der Versammlung vorverlegt, müssen diese Verträge halt neu verhandelt werden.

Der Streit um die TV-Produktion hält Sie ebenfalls auf Trab. Die SRG und Cinetrade (welche den Teleclub betreibt, die Red.) konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Produzenten einigen. Aus diesem Grund werden die Partien nun von zwei Crews produziert, obwohl dies in einigen Stadien nahezu unmöglich ist. Das kann eigentlich nicht im Sinn der Sache sein.

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