Nur Messi hat ihn übertroffen

Haris Seferovic scheint 2019 alles zu gelingen. Einzig Barcelonas Superstar hat in diesem Jahr mehr Tore erzielt.

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Wie hätte er die Saison auch anders beenden sollen? Etwa mit einem torlosen Auftritt? Nein, nicht in diesem Jahr, nicht in dieser Form. Haris Seferovic traf auch in der letzten Runde gegen Santa Clara, doppelt gar. Das 4:1 brachte Benfica den 37. Meistertitel der Clubgeschichte und dem Luzerner die persönliche Auszeichnung als Torschützenkönig Portugals.

Es ist nicht lange her, da verwies man beim Schweizer Nationalstürmer auf Vorzüge, die bei Angreifern in der Regel nicht oberste Priorität haben. Der Seferovic läuft ungemein viel, hiess es. Der Seferovic reisst Löcher auf. Der Seferovic arbeitet auch gewissenhaft nach hinten. Meist waren solche Sätze allerdings nur die Einleitung vor dem Aber: Würde er doch nur das Tor öfters treffen. Inzwischen heisst es: Der Seferovic hat schon wieder ein Goal geschossen.

Seferovic hat sich zur Tormaschine gewandelt. Es mutet mit seiner Vorgeschichte fast unheimlich an, was er besonders nach dem Jahreswechsel vollbracht hat. Am 4. Januar beförderte Benfica den Trainer des B-Teams, Bruno Lage, zum Chef der ersten Mannschaft, nachdem Rui Vitória seinen Posten hatte räumen müssen. Seferovic hatte seinen Stammplatz im Herbst verloren, Lage beorderte ihn zurück in die Startformation. Am Dreikönigstag erzielte der Linksfüsser bei Lages Debüt eine Doublette und war in den nächsten sieben Ligaspielen ebenfalls erfolgreich. Er wollte einfach nicht mehr aufhören mit dem Toreschiessen.

Tore, Hochzeit, Vaterfreuden

19 seiner 23 Liga-Treffer gelangen Seferovic im neuen Jahr, damit reiht er sich unter die ganz Grossen seiner Gilde. Europaweit war 2019 in der nationalen Meisterschaft einzig Barças Superstar Lionel Messi produktiver, 21-mal liess er Barça jubeln. Kylian Mbappé kommt für PSG wie Seferovic auf 19 Tore (die letzte Runde in der Ligue 1 steht allerdings noch aus), dahinter folgen Ajax' Dusan Tadic (18) und Reals Karim Benzema (15).

Der sportliche Höhenflug erfüllt nicht nur Seferovic selber, sondern auch seine Frau Amina, die er Anfang April geheiratet hat und die im September das erste gemeinsame Kind erwartet, mit Stolz. Sie hebt auf Instagram hervor, dass kein einziger Penalty die Statistik schönte und ihr Mann das beste Beispiel dafür sei, «dass es sich lohnt, in schwierigen Zeiten zu kämpfen».

Mit seinen Leistungen rief Seferovic Interessenten aus dem Ausland auf den Plan, auch aus England. Everton und Southampton sollen sich mit ihm befassen. Zu einem möglichen Transfer äussert er sich auf der Website des Schweizerischen Fussballverbands so: «Ich kann nur sagen, dass ich einen Vertrag bis 2022 habe, dass ich mich sehr wohl fühle bei Benfica und keinen Grund habe, über Alternativen nachzudenken.»

Im Vordergrund steht momentan ohnehin anderes. Nach ein paar freien Tagen gilt die Konzentration der Nationalmannschaft. Am 5. Juni spielt die Schweiz im Nations-League-Halbfinal gegen Portugal. In Porto. Zumindest ein Schweizer weiss ganz genau, wie man auf portugiesischem Boden Tore erzielt.

kai

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