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Per Mausklick an die Tabellenspitze

Fortuna Köln geht neue Wege. Ab dem neuem Jahr bestimmen Internet-User den Kurs des Fussball-Vereins aus der fünften Liga.

Aus Burkhard Mathiak sprudelt es, dass man mit dem Kugelschreiber seinen Worten kaum mehr folgen kann. Er ist der Typ Verkäufer, der durch seine zwölf Jahre in der PR-Abteilung von Schalke 04 geschult worden ist. Mit diesem Hintergrund ist er am richtigen Ort, um ein Projekt voranzutreiben, das es in Deutschland so noch nie gegeben hat: Mathiak ist Geschäftsführer der Initiative «deinfussballclub.de», die künftig mit 49 Prozent an der Fortuna Köln Spielbetriebs-GmbH beteiligt ist und ab Februar 2009 das Management des Vereins übernimmt.

Die Fortuna aus der Kölner Südstadt ist die arme kleine Schwester des grossen 1. FC. Sie hatte sich in den 1970er-Jahren einmal für eine Saison in die Bundesliga verirrt und hatte danach bis 2000 die 2. Liga aufgefüllt, ehe dann der grosse finanzielle Zusammenbruch und der Absturz in die sechstklassige Oberliga erfolgten. Inzwischen hat sie sich um eine Stufe in die NRW-Liga hochgearbeitet.

«deinfussballclub.de» ist eine Internet-Heimat für Fussballfans, die gerne einmal in einem wirklich existierenden Verein über Taktik, Transfers und Trikots bestimmen wollen. Oder wie es Mathiak sagt: «Es ist ein grosses Online-Spiel, das in die Realität verlegt wird.»

Bereits 10'730 Mitglieder

Das Projekt hat ein Gesicht, das ist Sönke Wortmann, der Regisseur des «Wunders von Bern», und dieser Wortmann hatte die Idee zur Zusammenarbeit mit der Fortuna. Deren Präsident Klaus Ulonska, ein früherer Leichathletik-Europameister mit der 4×-100-m-Staffel, liess sich sogleich von der Idee begeistern, mit Internet-Usern zusammenzuarbeiten.

10'730 Mitglieder haben sich inzwischen eingetragen, 39.95 Euro hat bislang jeder von ihnen eingezahlt, 9.95 gehen an die administrativen Kosten von «deinfussballclub.de». Die restlichen 30 Euro gehen in den Spielbetrieb der Fortuna. Die Rechnung lohnt sich: Mit den 320'000 Euro, die auf diesem Weg zusammenkommen, kann er sein Budget nahezu verdoppeln. «Mit diesem zusätzlichen Geld liessen sich gut zwei neue Spieler verpflichten», sagt Mathiak. Womit klar ist: Es geht bei diesem Projekt nicht nur um den Selbstzweck, sondern auch um den sportlichen Erfolg. «Wir müssen Erfolg haben», stellt Mathiak klar, «das Projekt soll ja weitergehen.»

Das Ziel ist ehrgeizig: Jedes zweite Jahr soll es eine Liga höher gehen. In diesem Rhythmus wäre bis 2016 die Bundesliga erreicht. Das Schlagwort dazu gibt es auch: «Per Mausklick an die Tabellenspitze.»

Die Mitglieder von «deinfussballclub.de» sind nicht nur die Manager des Vereins, deren Entscheide bindend sind. Sie sind auch die Assistenten des Trainers. Bis 24 Stunden vor einem Spiel können sie über die Aufstellung abstimmen. Das letzte Wort hat allerdings der Trainer Matthias Mink, ein früherer Spieler der Fortuna. Er ist einzig verpflichtet, den fast 11 000 Ko-Trainern seine Entscheide zu erklären.

Zur Wahl steht Jens Nowotny

Seit Montagabend können sich die User mit der ersten wichtigen Personalentscheidung befassen: Es geht um die Verpflichtung des sportlichen Beraters, zu der sie sich bis zum nächsten Montag äussern können. Zur Wahl steht Jens Nowotny, der zehn Jahre für Leverkusen und 48-mal für Deutschland verteidigte. Mathiak hat den Kontakt zu ihm vermittelt. Nowotny hat selbst angeregt, darüber im Internet abstimmen zu lassen. «Mensch», hat er gesagt, «wenn uns mit diesem Projekt wirklich ernst ist, müssen wir das tun.»

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