Prächtig besetzter Taktik-Baukasten für Hütter

Bei den Young Boys ist bereits heute jede Position doppelt besetzt. Und noch soll ein weiterer Stürmer verpflichtet werden. Trainer Adi Hütter will taktisch flexibel sein. Und ist froh um den Konkurrenzkampf.

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Fabian Ruch

Morgen in einer Woche lancieren die Young Boys mit dem attraktiven Heimspiel gegen den FC Basel im womöglich ausverkauften ­Stade de Suisse die neue Saison. YB hat sich ein bisschen neu aufgestellt, ist jünger, günstiger, schlanker geworden. Im Kader stehen aktuell nur noch zwanzig Feldspieler und drei Torhüter. Ein weiterer Stürmer soll bekanntlich verpflichtet werden, die Verhandlungen mit Servette über eine Übernahme des Wunschkandidaten und Challenge-League-Torschützenkönigs Jean-Pierre Nsamé gestalten sich aber kompliziert. Möglicherweise wird Taulant Seferi nach dem Zuzug einer weiteren Offensivkraft verliehen.

Basis ist das 4-2-2-2-System

Bereits heute ist jede Position doppelt besetzt, wobei die Young Boys mehrere polyvalent ein­setzbare Akteure besitzen. Wie Christian Fassnacht, der offensiv jede Position spielen kann, oder der defensiv vielseitige Loris Be­nito. Adi Hütter kann sich in ei­nem prächtig ausgestatteten Taktikbaukasten bedienen. Der Trainer sagt: «Unsere Basis ist weiter das 4-2-2-2-System, damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.» Diese Ausrichtung passt zum offensiven Wesen Hütters, der seine Fussballer gern ein aggressives Pressing spielen lässt. «Aber wir wollen flexibel sein», sagt der Österreicher. Er kann sich auch ein 4-3-3 vorstellen, um das Mittelfeldzentrum zu stärken. Oder ein 3-4-3, weil die Young Boys jede Menge starke Aussenspieler haben. Mit Benito links sowie ­Kevin Mbabu rechts sind sie auf den Aussenverteidigerpositionen gar glänzend besetzt.

Auf den ersten Blick weniger verheissungsvoll präsentiert sich die Situation im Abwehrzentrum. Auch deshalb könnte eine Dreierkette, die im internationalen Fussball gerade eine Renaissance erlebt, zu Stabilisationszwecken ab und zu zur Anwendung gelangen. «Im 3-4-3 decken wir das gesamte Feld gut ab», sagt Hütter.

Derzeit keine Verletzten

Der Konkurrenzkampf bei YB spielt sich auf recht hohem Ni­veau ab. Und weil es aktuell für einmal keine Verletzten hat, werden gegen Basel einige prominente Kräfte nicht einmal einen Platz auf der Ersatzbank er­halten. «Wir werden im Sommer und Herbst viele Partien bestreiten», sagt Hütter, «deshalb ist es wichtig, ein breit besetztes Kader zu haben.» Damit soll auch gewährleistet sein, dass die rou­tinierten, aber teilweise verletzungsanfälligen Leader Steve von Bergen, Sékou Sanogo und Guillaume Hoarau ebenfalls Pausen erhalten – und nicht im Drei­tagesrhythmus antreten müssen.

«Im 3-4-3 decken wir das gesamte Feld gut ab.»Trainer Adi Hütter

Interessant ist die Konstellation in der Innenverteidigung, wo Benito vermutlich der individuell stärkste Akteur wäre. Der kräftige, ballsichere Linksfuss ist aber hinten links eingeplant. Neben von Bergen stehen die jüngeren, entwicklungsfähigen Kasim Nuhu, Marco Bürki und Grégory Wüthrich zur Auswahl. Wie beim mittlerweile 34 Jahre alten von Bergen, der in sein letztes Vertragsjahr bei YB steigt, gibt es auch bei diesem hoffnungsvollen Trio leichte Fragezeichen: Nuhu muss stabiler und konstanter werden, Bürki den Sprung von Thun zu den Young Boys verarbeiten, Wüthrich nach längerer Verletzungspause den Anschluss realisieren.

Alle drei gelten als Verteidigertalente, Bürki mit ­seiner «grossartigen Mentalität» (Sportchef Christoph Spycher) sogar als designierter Team­leader. «Ich bin zufrieden mit meinen Verteidigern», sagt Trainer Hütter, «und ich bin überzeugt, dass uns Steve von Bergen mit seiner Erfahrung und Klasse noch viel helfen wird.»

Gedränge auf allen Positionen

Auch im zentralen Mittelfeld ist der Kampf um die Plätze relativ offen. Vorkämpfer Sanogo besitzt gewiss einen Bonus, Leonardo Bertone und Michel Aebischer haben ihr Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft – und der wie Aebischer erst 20 Jahre alte Djibril Sow ist mit seiner Spiel­stärke, Übersicht und Torgefahr ein ganz anderer Spielertyp als der zu Gladbach gewechselte Denis Zakaria. Auf der Seite drängen die gleichfalls noch jungen Jordan Lotomba und Sven Joss ins Team, während in der Offensive ohnehin ein Gedränge herrscht.

Der neue Stürmer wird den Konkurrenzkampf weiter verstärken. «Das ist gut so», sagt Adi Hütter, «keiner kann sich bei uns ausruhen.» Schliesslich hat YB hohe Ziele – und möchte Serienmeister Basel näher kommen.

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