«Rot für Buffon geht völlig in Ordnung»

Penalty oder nicht? So beurteilt ein Experte die strittigen Szenen in der Nachspielzeit der Partie zwischen Real und Juve.

Der umstrittene Penalty und die Rote Karte für Gianluigi Buffon. Video: Tamedia/SRF.

Gianluigi Buffon war ausser sich. Soeben hat Schiedsrichter Michael Oliver einen Penalty gegen sein Team gepfiffen. Einen umstrittenen. In der 93. Minute. Beim Stand von 3:0 für Juve. Nach sensationeller Aufholjagd. Das wollte die Goalielegende so nicht akzeptieren und schimpfte auf den Ref ein – dafür flog er vom Platz.

Der frühere Fifa-Schiedsrichter Carlo Bertolini findet: «Aufgrund der Gesamtsituation geht Rot für Buffon in Ordnung.» Der Unparteiische sei von allen Seiten bedrängt worden, ausserdem habe er sich sicher viele Schimpfwörter anhören müssen – mehr als nur das bisher bekannte «geh scheissen» von Buffon. «Der Schiedsrichter muss einfach respektiert werden.»

Die von Fans und Experten viel zitierte Meinung, Oliver hätte aufgrund der Emotionen Fingerspitzengefühl walten lassen können, beantwortet Bertolini lachend: «Immer dieses Fingerspitzengefühl. Wenn ein Polizist einen zu schnell fahrenden Fahrer büsst und beschimpft wird, muss er dann auch Fingerspitzengefühl zeigen?»


Video: Cristiano Ronaldos Siegtor

Der Portugiese verwandelt den Penalty – und jubelt frenetisch. Video: Tamedia/SRF


Zurückhaltender zeigt sich der 52-Jährige bei der Beurteilung, ob der Penalty korrekt war: «Da werden die Meinungen 50/50 aufgeteilt sein, auch bei Experten.» Auch bei Einsatz des Video-Schiedsrichters hätte die Szene nicht eindeutig aufgelöst werden können. Nach Ansicht von Bertolini wird die Situation nicht einfacher, wenn Linien- und Torrichter über Funk auch noch ihre Meinung mitteilen können: «Jeder redet rein. Früher musste man selbstständig entscheiden, das war einfacher.» Ebenfalls komme erschwerend hinzu, dass Spieler mit ihren Schwalben immer wieder versuchen, die Schiedsrichter zu täuschen, und danach Schmerzen vortäuschen: «Auf dem Platz fragt man sich: Habe ich hier etwas übersehen?»

Olivers Entscheid kann Bertolini nach reiflicher Überlegung so akzeptieren: «Vor allem wegen der Hände, die haben an der Schulter vom Gegner nichts zu suchen.» Etwas dramatischer schilderte der gefoulte Lucas Vazquez die Szene im spanischen TV: «Benatia rennt mich um, das ist ein klares Foul.» Naturgemäss anders sah dies Giorgio Chiellini. Der Juve-Verteidiger schimpfte in Richtung Real-Spieler: «Wie viel habt ihr dafür bezahlt?»

Der frühere Fifa-Schiedsrichter Carlo Bertolini. Bild: Keystone.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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