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«Wir wollen in der Europa League überwintern»

Heute trifft YB in der Europa League auswärts auf Skënderbeu (21.05 Uhr). Die Partie in Albanien ist ein Wegweiser für beide Teams.

Freude sieht anders aus: Die YB-Spieler danken den Fans.
Freude sieht anders aus: Die YB-Spieler danken den Fans.
Keystone
Roger Assalé feiert seinen Treffer zum 1:1.
Roger Assalé feiert seinen Treffer zum 1:1.
Keystone
Das Spiel findet am Donnerstag aber in Elbasan statt, knapp 50 Kilometer südöstlich der albanischen Hauptstadt.
Das Spiel findet am Donnerstag aber in Elbasan statt, knapp 50 Kilometer südöstlich der albanischen Hauptstadt.
Thomas Hodel, Keystone
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Der schnuckelige Flughafen Belp ist das passende Sprungbrett für Europa-League-Reisen. Der ganz grossen Fussballwelt begegnen die Young Boys in diesem Herbst nicht. Gestern flogen sie nach Tirana, heute treffen sie im zweiten Gruppenspiel auf Skënderbeu.

Nach einem fussballspiellangen Flug landeten sie am Mittag in der warmen Hauptstadt Albaniens. Ohne den talentierten Defensivspieler Jordan Lotomba, der am Sonntag in Sitten (1:0) einen Schlag aufs Knie er­halten hatte. Der 18-Jährige wird im Kader von U-21-Spieler Léo Seydoux ersetzt. Sein Ausfall verschärft die Verletzungsmisere.

Pause für von Bergen?

Mit Guillaume Hoarau, Leonardo Bertone, Loris Benito, Lotomba sowie Taulant Seferi fallen fünf Akteure bei YB aus. Seferi, seit seiner Ankunft in Bern vor bald drei Jahren fast immer verletzt, muss sich nach einer Leisten­operation auch einem operativen Eingriff am Zeh unterziehen. Er dürfte erst 2018 endlich zur Verfügung stehen.

Akzentuiert hat sich das Personalproblem vor allem auf der Linksverteidiger­position, wo mit Benito und Lotomba beide Kandidaten fehlen. Einziger Fussballer im Team, der auf dieser Position Erfahrungen besitzt, ist der junge Sven Joss, der in dieser Saison bisher kaum zum Einsatz gekommen ist.

Es deutet ohnehin vieles darauf hin, dass Adi Hütter die Partie zur umfassenden Sichtung der Be­legschaft nutzen wird. «Wir müssen die Kräfte geschickt dosieren», sagt der Trainer. Es wäre keine Überraschung, würde er das System umstellen und in einem abgewandelten 3-4-3 spielen lassen. So könnte der überzeugende Abwehrchef Steve von Bergen nach strengen Wochen eine Pause erhalten, und YB wäre trotzdem angemessen auf das 4-1-4-1 Skënderbeus vorbereitet.

Neben Joss dürften die Verteidiger Grégory Wüthrich und Marco Bürki, Aufbauer Michel Aebischer und Flügel Thorsten Schick eine Chance erhalten. Und im Sturm wirkte Jean-Pierre Nsame zuletzt nicht spritzig. «Wir werden ein gutes Team stellen», sagt Hütter, der erneut betont, sein Kader sei stark, aber nicht breit besetzt. «Andere Teams haben viel mehr Spieler.»

Cooler von Ballmoos

Bei den Young Boys würde es niemand so bestätigen – aber der Auftritt heute steht im Schatten des Spitzenkampfes am Sonntag gegen St. Gallen. Erster gegen Zweiter im Stade de Suisse, diese Affiche klingt elektrisierend, die Super League ist das Kerngeschäft. «Diese Spiele kann man nicht vergleichen», sagt Hütter. «Wir wollen in der Europa League überwintern. Und das Spiel in Albanien ist ein Wegweiser für beide Teams. Wir spielten zu Hause gegen Partizan nur 1:1, Skënderbeu verlor bei Dynamo Kiew nach guter Leistung 1:3.»

Selbst wenn das heutige Spiel wenig Glanz ausstrahlt, sind Europacupreisen für die vielen jungen YB-Akteure aufregend. David von Ballmoos, letzte Saison bei Winterthur in der Challenge League, sagt es so: «Wir kommen in Länder, die wir sonst kaum besuchen würden.» Er bereitet sich auf den unbekannten Gegner nicht anders vor als sonst. Nämlich gar nicht speziell. «Ich als Goalie schaue nie vorher, wie die anderen Spieler schiessen», sagt von Ballmoos, «es interessiert mich nicht, ob einer oft schlenzt oder die Elfmeter meistens nach rechts schiesst. Damit bin ich gut gefahren. Sonst hat man immer etwas im Hinterkopf und wird auf dem falschen Fuss erwischt.»

Skënderbeu ein Vorbild für YB

YB strebt einen Sieg an, doch auch ein Remis wäre kein schlechtes Ergebnis. Skënderbeu ist stärker, als viele in der Schweiz vermuten. In der Qualifikation überstand das Team vier Runden, schaltete den tschechischen Klub Boleslav nach Elfmeterschiessen aus und schlug in den Playoffs dank Auswärtstoreregel den letztjährigen Champions-League-Vertreter Dinamo Zagreb. «Diese Resultate sagen alles», sagt Adi Hütter.

Skënderbeu stammt aus dem Bergstädtchen Korça, drei Autostunden von Tirana entfernt. Die internationalen Heimspiele trägt der 1909 gegründete Klub in Elbasan aus, 50 Kilometer südlich von Tirana. Heute werden rund 7000 Zuschauer erwartet, darunter knapp 200 YB-Fans. Die letzte Saison beendete Skënderbeu nur als Dritter, dennoch sollten sich die Young Boys den Gegner zum Vorbild nehmen. 78 Jahre lang hatte Skënderbeu keine Meisterschaft gewonnen, ehe das Team ab 2011 zu einer Titelserie bis 2016 ansetzte. Alles hatte also einmal ein Ende. Irgendwann sicher auch die titellose YB-Leidenszeit.

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