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Schatten über der WM 2018

Sportredaktor Fabian Ruch über die Fussball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland.

Fabian Ruch

Negativschlagzeilen im Vorfeld von Sportgrossereignissen wie Fussball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gehören zum schlechten Ton. Eine gewisse Gelassenheit schadet im Umgang mit den Geschichten rund um Korruption, Stadionbaustellen, Dopingsümpfen gewiss nicht. Sonst muss man diese Anlässe konsequent boykottieren. Denn ändern lassen sich derlei Dinge kurzfristig kaum, in vielen Ländern bestimmen Betrügereien und Tricksereien den Alltag. Und daran, dass die Menschen in den Austragungsländern von diesen Mega­events nachhaltig profitieren, glaubt ­ohnehin keiner mehr. Selbst in Deutschland ist man nach dem WM-Sommermärchen 2006 längst auf der Suche nach der Wahrheit, die Macher um Franz Beckenbauer stecken in grossen Schwierigkeiten, es geht um dubiose Geldflüsse, gekaufte Stimmen, Hinterzimmergeschäfte. Business as usual halt.

Und doch hat es ja der schwer angeschlagene Fussballweltverband Fifa tatsächlich geschafft, die nächsten zwei Weltmeisterschaften nach den bereits fragwürdigen Turnieren zuletzt in Südafrika und Brasilien an noch zweifelhaftere Länder zu vergeben. Um die sowieso äusserst umstrittene WM 2022 in Katar ranken sich viele unschöne Bestechungsgeschichten, einige davon werden aktuell vor einem Gericht in New York verhandelt. Im Prinzip hätte Katar längst als Veranstaltungsland abgesetzt werden müssen. Aber was ist bei der Fifa, die derart mit sich beschäftigt ist, schon normal? Der neue Präsident Gianni Infantino führt die Geschäfte so, wie es Vorgänger Sepp Blatter getan hat. Und so umweht den Weltverband mit seinen teilweise mafiösen Strukturen immer noch der Geschmack von Grössenwahnsinn, Filz, Machtmissbrauch.

Arg in Verruf geraten ist auch die WM 2018 in Russland. Heute geht im Moskauer Kreml die Auslosung des Turniers über die bestimmt pompöse Bühne, die Zuschauer weltweit werden die gigantische Show gespannt verfolgen. Was hinter den Kulissen passiert, kümmert die wenigsten. Hauptsache, der Ball rollt in ein paar vergnüglichen Sommerwochen 2018. Dabei gibt es viele hässliche Vorkommnisse, welche die Fifa, diese WM und deren Organisatoren in Schieflage bringen. So zögert der Weltverband bei der Untersuchung der Dopingvorwürfe gegen den russischen Fussball die Kontaktaufnahme mit Whistleblower Grigori Rodtschenkow, früher Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, weiter hinaus. Die Fifa scheint auch nicht an einer ernsthaften Zusammenarbeit mit Richard McLaren, dem Russland-Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur, interessiert zu sein.

Rodtschenkows Anwälte haben zuletzt bestätigt, dass ihr Mandant Beweise für die Verwicklung russischer Fussballer, darunter Nationalspieler, in den umfassenden Dopingskandal des Landes habe. Und offiziell untersucht die Fifa zwar gerade die Berichte McLarens. Doch Russland ist auch im Sport längst ein gewichtiger Player geworden, die WM ist ein Prestigeprojekt des gerissenen russischen Präsidenten Wladimir Putin. Es würde deshalb überraschen, sollte Russlands Fussball vom Weltverband sanktioniert werden. Zumal der zwielichtige Multifunktionär Witali Mutko, unter anderem russischer Vizepremierminister und Chef des ­Organisationskomitees der Weltmeisterschaft 2018, die Untersuchungen ständig beeinflusst – und von Gianni Infantino regelmässig verteidigt wird.

Da hat sich ein wenig vertrauenswürdiges Grüppchen an der Spitze der WM 2018 versammelt. Der Imageschaden ist beträchtlich, weil zum Beispiel auch immer wieder Geschichten über ausgebeutete Arbeiter bei den Stadionbauten publik werden. Zudem tut sich die Fifa, wie übrigens auch die Uefa bezüglich der Euro 2020, ziemlich schwer, alle Sponsorenpakete zu verkaufen. Zwar ist der Fussball immer noch mit Abstand die beliebteste und erfolgreichste Sportart der Welt. Aber mit der Weltmeisterschaft und der Fifa zu werben, ist angesichts der finsteren Geschehnisse rund um den Weltverband, Russlands Sport und Wladimir Putin gerade nicht besonders erstrebenswert.

Die Fussball-WM 2018 in Russland droht jedenfalls nicht zuletzt ein Propagandaobjekt Wladimir Putins zu werden. Wie zuletzt die Olympischen Winterspiele 2014. Wenige Stunden nach dem Ende der Veranstaltung in Sotschi gab Putin den Auftrag, die Krim-Halbinsel zu besetzen. In ein paar Monaten wird die Sportwelt erneut zu Gast bei ihm sein.

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