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Schön, aber ohne blassen Schimmer

Joanna Mucha ist Sportministerin des EM-Gastgeberlandes Polen. Das wäre nichts Spezielles. Das Problem ist nur, dass die 36-Jährige vom Sport überhaupt nichts versteht.

Viele Eigentore: Mucha kündigte mit grossen Worten an, dass das Nationalstadion in Warschau zur rechten Zeit fertig sein würde. Der Termin wurde nicht eingehalten und der Stadionchef gefeuert – mit einer netten Abfindung.
Viele Eigentore: Mucha kündigte mit grossen Worten an, dass das Nationalstadion in Warschau zur rechten Zeit fertig sein würde. Der Termin wurde nicht eingehalten und der Stadionchef gefeuert – mit einer netten Abfindung.
Keystone
Uefa-Boss Michel Platini scheint sich an Muchas Seite wohlzufühlen. Aber viele Polinnen und Polen glauben, dass ihre in Sachen Sport inkompetente Sportministerin der Aufgabe EM nicht gewachsen ist.
Uefa-Boss Michel Platini scheint sich an Muchas Seite wohlzufühlen. Aber viele Polinnen und Polen glauben, dass ihre in Sachen Sport inkompetente Sportministerin der Aufgabe EM nicht gewachsen ist.
Reuters
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Polens Politikbetrieb wertet, so weiss die «Welt online», eine Woche ohne einen Witz über Joanna Mucha als unvollkommen. Die Sportministerin ist zwar äusserst attraktiv, hat aber mit der Materie Sport wenig bis gar nichts am Hut. Deswegen übt sich das ganze Land in Witzen über die schöne Magistratin. Kostprobe gefällig? In Polen werden die Olympischen Sommerspiele eröffnet. Mucha liest die Eröffnungsrede: «O, O, O, O, O..» Eine Assistentin eilt herbei und erklärt «Frau Ministerin, das sind die fünf olympischen Ringe. Der Text fängt weiter unten an.» Oder: Frau Mucha besucht eine Schule und sieht auf dem Fussballplatz einen Knaben, der bloss herumsteht. Sie fragt ihn mit grossen Augen: «Warum spielst du nicht mit den anderen Kindern?» Die Antwort des Jungen: «Weil ich der Torhüter bin.»

So geht das tagein und tagaus. Das polnische Volk amüsiert sich über seine nicht gerade kompetente Sportministerin. Mittlerweile macht sich aber auch Sorge breit im Land. Der Grund zur Besorgnis: Die EM steht vor der Tür. Die Polinnen und Polen sind sich nicht sicher, ob Mucha dem bedeutenden Anlass gewachsen ist. Die Angst ist gross, dass sie in viele Fettnäpfchen tritt. Vor dem polnischen Cupfinal beispielsweise fragte Frau Sportministerin, wer denn die Mannschaften ausgewählt hätte, die nun im Endspiel stünden.

Ehrgeizig und strebsam

Mucha als dumme Person zu bezeichnen, wäre indes verfehlt. Die Tochter eines Bauarbeiters und einer Schneiderin hat sich mit viel Wille, grossem Ehrgeiz und Intelligenz nach oben gearbeitet, weiss auch, wie man(n) respektive frau die Ellbogen einsetzt. Ihr Motto lautet: «Der Zweck heiligt die Mittel.» Dass die Frau polarisiert, hat nicht nur mit den konservativen Gesellschaftsstrukturen des katholischen Landes zu tun. In ihren Aussagen ist sie nicht immer geschickt. In ihrem Spezialgebiet, dem Gesundheitswesen, sprach sie als Abgeordnete älteren Menschen das Recht auf teure Operationen ab. «Welchen Sinn hat es, einem 85-jährigen Menschen eine neue Hüfte zu geben, wenn er nicht mehr laufen kann und nicht mehr laufen wird, weil er sich nicht mehr erholt?», fragte sie. Die Debatte, so schreibt «Welt online», war lanciert und führte zu hitzigen Diskussionen.

Um die Frau weht auch ein Hauch von Glamour. Eigentlich wollte Mucha Schauspielerin werden, schaffte aber die Aufnahme an die entsprechende Schule nicht. Dafür weiss sie sich gut und verführerisch vor der Linse in Szene zu setzen. Auf einem Magazincover war sie schon als Lara Croft zu bewundern. Andere Shootings zeigen sie als niedliches Landmädchen, das mit wenig Stoff, aber mit satten Gummistiefeln auf einer Wiese sitzt. Gegen solche Fotos haben vor allem Polens Männer eigentlich nichts einzuwenden. Es läuft aber dann schief, wenn Frau Ministerin ein bedeutendes Amt ausübt und sich viele Eigengoals leistet. Diese nicht nur verbaler Natur: Das Nationalstadion in Warschau wurde nicht, wie von ihr lauthals verkündet, rechtzeitig fertiggestellt. «Welt online» schreibt, dass der Stadionchef zwar gefeuert wurde, aber eine fürstliche Abfindung von 130'000 Euro kassierte. Den Kampf gegen den korrupten polnischen Fussballverband hat Mucha offenbar verloren. Und es stört die Polen, dass ihr bevorzugter Coiffeur zum Vizechef des Nationalen Sportzentrum befördert wurde. Seitdem wird sie auch Coiffeur-Ministerin genannt.

Nun, EM-Gastgeber Polen hat eine Sportministerin, die Schweiz hat einen Sportminister. Der Hinwiler Ueli Maurer mag punkto Aussehen mit Branchenkollegin Joanna Mucha nicht ganz mitzuhalten. Der Sportsympathisant und Fan des HC Ambri-Piotta weiss aber haargenau, wo sich die Valascia befindet.

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