Schöne Müdigkeit beim FC Thun

Der FC Thun schlägt Lugano 3:2 und steht zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte im Cup-Halbfinal. Dort wartet auswärts entweder Luzern oder Meister YB.

Löst die taktischen Fesseln: Nicola Sutters wuchtiger Schuss zum 2:1.

Löst die taktischen Fesseln: Nicola Sutters wuchtiger Schuss zum 2:1.

(Bild: Keystone)

Ein Held des Abends, er ist müde. Nicht unbedingt von den kräftezehrenden, nervenaufreibenden 93 Minuten, die er in den Beinen hat, sondern vom Interviewmarathon, der ihm nach dem Schlusspfiff bevorsteht. Es ist schöne Müdigkeit. Nicola Sutter, ruhiger, zurückhaltender Zeitgenosse aus Ostermundigen, macht so ziemlich alles lieber, als nach einem Spiel vor die Mikrofone zu stehen und eine Partie zu analysieren.

Am Donnerstagabend kommt er jedoch nicht drumherum. Und so erzählt der Innenverteidiger des FC Thun immer wieder, was in der 70. Minute genau passiert ist. «Ich musste mit Sulmoni ziemlich ringen, ehe ich ganz frei vor dem Tor stand», sagt der 23-Jährige und schmunzelt. Er nutzt die Freiräume zum umjubelten 2:1-Führungstreffer des FC Thun gegen Lugano.

Es ist das Tor, das die Partie von jeglichen taktischen Fesseln befreit, die Tessiner öffnen Räume im Mittelfeld, welche die Thuner vorher nicht vorgefunden haben. Und die Mannschaft von Marc Schneider stellt das bemerkenswerte Offensivpotenzial zur Schau, mit dem es gesegnet ist. Insbesondere in der 81. Minute, als Marvin Spielmann einen langen Ball auf den eingewechselten Nuno Da Silva schlägt, dieser den Pass perfekt verarbeitet und in der Mitte Dejan Sorgic bedient, der kaltblütig abschliesst.

«Genau auf solche Momente warte ich», sagt der Thuner Topskorer wenig später und spricht von einem schwierigen Spiel, in das er lange Zeit wenig eingebunden gewesen sei. Der Zuger kann sich als weiterer Held des Abends feiern lassen. Nach dem 2:3-Anschlusstreffer der Luganesi in der Nachspielzeit durch Marc Janko kamen die Thuner nicht mehr ins Zittern.

Im Halbfinal in Bern?

Gegen defensiv stehende Teams hatten die Thuner in jüngster Vergangenheit meist Mühe bekundet. Zuletzt am Wochenende beim 1:1 gegen die Grasshoppers. «Wir sind uns noch nicht so gewohnt, das Spiel zu machen», sagt Captain Stefan Glarner. Gegen Lugano fanden sie aber das Rezept, das Defensivbollwerk der Equipe Fabio Celestinis zu überwinden. «Die Mannschaft war geduldig, das freut mich extrem», sagt Marc Schneider.

Freilich hatte der Trainer keinen makellosen Auftritt seines Teams gesehen, er bemängelte beispielsweise, dass über die Flügel zu wenig Druck hätte gemacht werden können. Oder, dass nach dem Gegentor in der ersten Halbzeit bis zu Sutters wuchtigem Schuss unter die Latte wenig zusammenpasste im Spiel der Thuner. Lange wollte sich Schneider indes nicht mit dem Negativen aufhalten. «Im Cup zählt nur das Weiterkommen, und das haben wir geschafft.»

Damit steht der FC Thun zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte im Halbfinal des Schweizer Cups. Beim letzten Mal 2014 folgte in der Runde der letzten Vier eine bittere 5:4-Niederlage im Penaltyschiessen gegen den FC Zürich. Die Zürcher bleiben den Oberländern vorerst erspart. Sie treffen Ende April auf den Sieger der Partie zwischen Luzern und YB, die am nächsten Mittwoch ausgetragen wird. Die Verantwortlichen hätten sich alle ein Heimspiel gewünscht. Dieser Wunsch bleibt den Thunern an diesem Abend jedoch verwehrt. Sie müssen den Halbfinal auswärts bestreiten.

Berner Zeitung

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