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Schweiz gegen England überfordert

Die Schweiz startete mit einer 1:3-Niederlage gegen England zur EM-Ausscheidung. Der missratene Auftakt zeichnete sich früh ab. Ausser Joker Shaqiri war nach dem 0:2 kaum einer zur Reaktion fähig.

Früh auf Kurs: Wayne Rooney schiesst das 1:0 nach 15 Minuten.
Früh auf Kurs: Wayne Rooney schiesst das 1:0 nach 15 Minuten.
Keystone
Wayne Rooney (rechts) und Adam Johnson schossen die Engländer 2:0 in Führung.
Wayne Rooney (rechts) und Adam Johnson schossen die Engländer 2:0 in Führung.
Keystone
Und auch die Spieler sind mit ihrer Leistung nicht zufrieden.
Und auch die Spieler sind mit ihrer Leistung nicht zufrieden.
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So enttäuschend die WM in Südafrika geendet hatte, so ungemütlich verlief der Einstieg in die nächste wichtige Kampagne. Derweil England und die überraschenden Montenegriner nach zwei Spielen bereits bei sechs Punkten angelangt sind, steht das Team von Ottmar Hitzfeld nach der Heimniederlage und vor dem Duell mit Montenegro im Oktober schon unter Druck – seit 2000 (und der verpassten WM) hatte die SFV-Auswahl kein Startspiel einer Qualifikation mehr verloren.

Zu viele Defizite

Als der bereits verwarnte Lichtsteiner ohne Rücksicht auf Verluste Milner bekämpfte, zückte der italienische Referee Rizzoli Gelb. Zu beurteilen, ob die Intervention des Schweizer Verteidigers ungeschickt war, oder der Entscheid des Schiedsrichters umstritten sein mochte, ist müssig. Die 18. Niederlage im 25. Spiel gegen England wäre so ohnehin nicht zu beschönigen.

Fakt war, dass die Equipe Hitzfelds sich so noch mehr schwächte und das bittere Ende irgendwie keinen der 37'500 Zuschauer im ausverkauften St.-Jakob-Park mehr überraschen konnte. Klar, die Schweizer stürmten nach dem herrlichen Weitschuss Shaqiris zum 1:2 nochmals an, die Kraft zum ganz grossen Effort reichte in Unterzahl selbstredend nicht, zumal das Format zu einem besseren Ergebnis bereits mit Gleichbestand nicht genügt hatte. Im Gegenteil: Joker Bent erhöhte spät noch auf 3:1.

Die Probleme der Schweizer nur auf die Flaute in der Sturmabteilung zurückzuführen, wäre viel zu einfach. Frei, Derdiyok und später Streller kamen gar nie zum Zug, weil England alle übrigen Mannschaftsteile der Schweizer zu sehr dominierte und dem spielerisch limitierten Herausforderer die Grenzen schonungslos aufzeigte.

Für ihre Kommunikationspannen und Versäumnisse auf dem Feld bezahlten die Gastgeber ausnahmslos cash. Inler bemühte sich pausenlos um die Ballkontrolle. Es blieb aber alles Stückwerk, weil ihm der Support der Mitspieler in den Couloirs fehlte. Degen bewirkte mit seiner übereifrigen Art wenig, Margairaz fiel gar durch, Schwegler blieb unauffällig – und Shaqiris Schwung genügte nicht, all die übrigen Defizite zu beheben.

Der missratene Start

Ein kapitaler Fehler Zieglers hatte die Lage der Schweizer zu einem höchst ungünstigen und frühen Zeitpunkt erheblich verschlechtert. Der Sampdoria-Professional verfehlte bei einem Tackling den Ball und musste Glen Johnson passieren lassen. Sekunden später bereitete der englische Aussenverteidiger das Tor von Wayne Roney vor.

Von diesem Fehlstart erholten sich die Schweizer nie mehr richtig. Während fast 70 Minuten erspielten sie sich in ihrer (Schock-)Lähmung kaum eine Chance. Stattdessen liessen sie sich nach ein paar diskutablen Pfiffen des Schiedsrichters auf Diskussionen ein und öffneten den «Three Lions» so den Raum zum entscheidenden Konterschlag.

Steven Gerrard erfasste die Sekunden der Schweizer Ablenkung vom Wesentlichen – noch immer beschwerten sich die Einheimischen in corpore über die gelb-rote Karte gegen Lichtsteiner – sofort. Sein Pass übernahm Adam Johnson, der Benaglio perfekt austrickste. Der Ernüchterung folgte zwar nicht gleich der komplette Zusammenbruch, aber ausser Shaqiris Highlight nichts Produktives mehr.

Rooneys Antwort

Während Tagen hatten sich die englischen Medien ausschliesslich mit den privaten Problemen von Wayne Rooney befasst. Es wurde gar spekuliert, ob er überhaupt beginnen würde gegen die Schweiz, ob der Star-Stürmer gedanklich bereit sei. Zehn Minuten genügten ihm, alle Mutmassungen zu widerlegen und den (zu wilden) Spekulationen um seine Wettkampftauglichkeit ein Ende zu setzen. Mit dem 1:0 schüttelte die Nummer 10 Englands zumindest temporär alle Sorgen ab.

Abseits mag sich Rooney in den letzten Monaten verdribbelt haben, auf dem Rasen büsste er seine Orientierung in keiner Szene ein. Der 24-Jährige kommt mit dem Höchstdruck in Manchester seit Jahren klar; das mediale Kesseltreiben hat er offenkundig ohne jegliche Beeinträchtigung überstanden. Zumindest war im Spiel gegen die Schweizer von einer Instabilität nicht einmal ansatzweise etwas zu spüren.

Nicht nur Rooney, sondern die gesamte englische Auswahl startete brillant zur ersten Auswärtspartie der EM-Kampagne. Sie lieferten ohne Verzögerung die Bestätigung des 4:0-Erfolgs zum Auftakt gegen die Bulgaren. Im Gegensatz zu den Gastgebern passten sie den Ball präzis und gerieten in der ersten Hälfte – von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen – kaum einmal in Bedrängnis.

Sie beherrschten das Geschehen fast vollumfänglich nach ihrem Wunsch. Jermain Defoe stand gleich mehrfach im Zentrum. Nach einem wunderbar getimten Steilpass Rooneys verhinderte Benaglio das 0:2 (26.), 120 Sekunden später verpasste der Tottenham-Angreifer eine «Schussflanke» um Zentimeter. Und unmittelbar vor der Pause zwang Defoe Benaglio zu einer weiteren Parade.

Bremsfaktor Margairaz

Von einem kühlen Kopf der Schweizer oder von einem angemessenen Mittel zwischen Defensive und Offensive war nichts zu erkennen. Die Namen im Mittelfeld der SFV-Auswahl waren zwar neu, das alte Manko blieb: Die Schweizer verunmöglichten einen geordneten Aufbau mit ihren Passfehlern gleich selber. Kreativ war das nicht, sondern mehrheitlich ungenügend.

Xavier Margairaz, der nach den Ausfällen von Stocker und Barnetta ins Team vorgerückt war, rechtfertigte seine Nomination zu keinem Zeitpunkt. Der Rückkehrer vom FCZ beschleunigte das Spiel der Schweizer nicht, er bremste die Equipe mit seiner Behäbigkeit gar regelrecht. Ihn ersetzte Hitzfeld in der Pause durch Shaqiri – und zwar keine Minute zu früh.

si/sven schoch

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