Zum Hauptinhalt springen

Sehr viel Licht – zu viel Schatten

Der FC Basel zeigte beim Weiterkommen in der Europa League in Salzburg auf und neben dem Spielfeld zwei Seiten. Nächste Stationen sind Zürich und Valencia.

Die unschöne Seite des FCB: Ein Teil der Anhänger hat sich in Salzburg von der hässlichen Seite gezeigt.
Die unschöne Seite des FCB: Ein Teil der Anhänger hat sich in Salzburg von der hässlichen Seite gezeigt.
Keystone

Sie stand ihnen ins Gesicht geschrieben, die Verblüffung darüber, was sie an diesem Abend geschafft hatten. «Unglaublich», sagte Captain Marco Streller. «Fantastisch», fand Valentin Stocker. «Eigentlich krass», fügte er an. Gerade so, als mochten sie selbst kaum glauben, welch turbulente Wende dieses Rückspiel des Europa-LeagueAchtelfinals gegen Red Bull Salzburg genommen hatte. «Der Fussball schreibt manchmal komische und bizarre Geschichten», sagte Präsident Bernhard Heusler. Aber keiner wirkte nach dem Schlusspfiff so leer wie er.

Noch kein Sieg gegen Valencia

Mit einer bewundernswerten Willensleistung hat sich der FC Basel nach 0:1-Rückstand und vollkommener Unterlegenheit in der ersten halben Stunde den Einzug in den Viertelfinal erkämpft. Er trifft da auf Valencia mit dem Schweizer Verteidiger Philippe Senderos und ist Aussenseiter im Duell mit dem Spitzenclub aus der Primera Division – gegen den er bisher viermal gespielt und dreimal verloren hat. Aber was heisst das schon für den FC Basel, diesen FC Basel, den offenbar nichts schrecken kann.

Die Rote Karte gegen Abwehrchef Marek Suchy nach nur neun Minuten, die Grosschancen der Salzburger in atemberaubender Kadenz, das logische und recht peinliche Gegentor wenig später – lange sprach in dieser Partie in der stimmungsvollen Red-Bull-Arena rein gar nichts für die Basler. «Wir waren mit beiden Beinen draussen», sagte Stocker. Drei Tage vor dem richtungsweisenden Klassiker morgen im Letzigrund gegen den FC Zürich drohte ein Debakel.

Demütigung des Präsidenten

Aber genauso wie der FCB die Schweizer Meisterschaft seit Jahren dominiert und es ihm immer wieder gelingt, selbst an schlechten Tagen und notfalls in der Nachspielzeit den Erfolg zu erzwingen, so zeigte er sich in Salzburg als schwer bezwingbarer Gegner. Als Gigant, der zwar erschüttert, aber nicht zerstört werden kann. Der wankt, aber nicht fällt. Der nicht immer gut, aber meistens erfolgreich spielt. Und der stets eine Lösung findet. Ein Riesenherz habe die Mannschaft gezeigt, sagte Streller und fand: «Das macht diesen Verein einfach aus.» Es mag Hypothese sein – trotzdem: Jeder andere Schweizer Club wäre unter dem Druck der roten Bullen implodiert, untergegangen. Oder man kann bei Ajax Amsterdam nachfragen.

Dennoch liegt über dem Weiterkommen des FC Basel ein Schatten. Dafür kann zwar die Mannschaft nichts, gleichwohl fällt es zuerst auf den Club zurück, dass es ein Teil der Fans wieder einmal für richtig und wichtig hielt, mit Wurfgegenständen die Aufmerksamkeit der fast 30 000 im Stadion und eines weltweiten TV-Millionenpublikums auf sich zu ziehen. Dass Präsident Heusler während eines 15-minütigen Spielunterbruchs über die StadionLautsprecher dazu aufrufen musste, sich doch bitte zu benehmen, war vielleicht die grösste Demütigung in seiner Amtszeit. Er litt, sagte: «Es ist klar, dass mich das schwer trifft.»

In verantwortungsloser Manier hatten Medien wie die «Salzburger Nachrichten» vor dem Spiel den Einzug ganzer Basler Hooligan-Horden heraufbeschworen und die Leser in Angst und Schrecken versetzt. 700 Polizisten aus ganz Österreich hiessen die Basler Fans am Spieltag schliesslich willkommen, doch mit tadellosem Auftreten am Nachmittag in der Salzburger Altstadt zerstäubten sie zunächst sämtliche Befürchtungen. Im Stadion dauerte es dann eine halbe Stunde, um den schlechten Ruf wiederherzustellen.

Nächste Uefa-Strafe steht an

Ohne jeden Zweifel wird die Uefa den FC Basel bestrafen, zumal er Wiederholungstäter ist. Das Verfahren ist eröffnet. Als im Herbst Aktivisten von Greenpeace das Heimspiel gegen Schalke für eine Demonstration nutzten, wurde der eigentlich schuldlose FCB mit 37 000 Franken gebüsst. Nun in Salzburg sprach Heusler nach dem Spiel auch von Konsequenzen für die Fans. Aber wie einige – kaum herrschte im Gästesektor wieder Ordnung – nach dem Ausgleich Leuchtfackeln abfeuerten, offenbarte, dass sie gegen solche Drohungen sowieso immun sind.

Vermutlich sehen sie sich gar als doppelte Sieger. Schliesslich war es ausgerechnet die Zwangspause, die für den Bruch im Spiel sorgte, den Baslern die Gelegenheit bot, sich umzuformieren. «Es ärgert mich, dass das gewalttätige Verhalten der Basler Fans belohnt wurde», sagte Salzburgs Sportdirektor Ralf Rangnick am Tag darauf.

Der FCB hat in diesem Europa-League-Achtelfinal sportlich beeindruckt, einmal mehr, er hat bewiesen, dass er europäisches Format besitzt und der Halbfinal im Vorjahr kein Zufall war. Oder unwiederholbar wäre. Erneut ist er Ende März in noch allen drei Wettbewerben dabei, die direkte ChampionsLeague-Qualifikation vor Augen. Dass es trotzdem – primär für den strategisch denkenden Präsidenten – kein Abend war, um vorbehaltlos glücklich zu sein, ist nicht bloss «nicht optimal», wie sich Captain Streller diplomatisch auszudrücken versuchte. Es ist bedenklich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch