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SFV muss für Verlängerung mit Hitzfeld doppelt bezahlen

Ottmar Hitzfeld zählt zu den erfolgreichsten Vereinstrainern aller Zeiten. Als Nationaltrainer der Schweiz ist er bisher aber fast alles schuldig geblieben.

Leidenschaft sieht anders aus: Ottmar Hitzfeld fügt sich in die Niederlage gegen Wales. (7. Oktober 2011)
Leidenschaft sieht anders aus: Ottmar Hitzfeld fügt sich in die Niederlage gegen Wales. (7. Oktober 2011)
Reuters
Der Schweizer Nationaltrainer ist tief in Gedanken versunken. (7. Oktober 2011)
Der Schweizer Nationaltrainer ist tief in Gedanken versunken. (7. Oktober 2011)
Reuters
Das 0:1 in Montenegro war der Anfang vom Ende für Hitzfeld. Damals spielte Marco Streller noch für die SFV-Auswahl (8. Oktober 2010)
Das 0:1 in Montenegro war der Anfang vom Ende für Hitzfeld. Damals spielte Marco Streller noch für die SFV-Auswahl (8. Oktober 2010)
Keystone
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Nach einer glücklichen Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika und dem sensationellen 1:0 im ersten Gruppenspiel gegen den späteren Weltmeister Spanien ging es praktisch nur noch bergab. Der Sieg gegen Spanien war im Nachhinein vielleicht das Schlechteste, was der Schweiz passieren konnte. Er kaschierte nämlich viele Unzulänglichkeiten, die schon damals erkennbar gewesen wären.

Jetzt schaffte es Hitzfeld mit seiner Mannschaft nicht einmal in eine Finalissima gegen Montenegro. Nach der 0:2-Blamage in Wales und dem 2:2 von Montenegro gegen die Engländer ist die EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine nicht mehr zu erreichen. Die Schweizer Mannschaft ist in Swansea regelrecht untergegangen. In der Defensive spielte sie schwach und war überfordert, in der Offensive agierte sie ideenlos, planlos und konzeptlos. Eine Handschrift des Trainers war schon gar nicht zu erkennen.

Das kollektive Versagen in Wales

Allerdings wäre es nicht gerecht, die Niederlage in Wales nur Hitzfeld anzulasten. Die Naivität einzelner Spieler kannte fast keine Grenzen mehr. Der dumme und unnötige Platzverweis von Ziegler, der mit gestrecktem Bein einen Gegner mitten aufs Schienbein getroffen hatte, war hart, aber durchaus vertretbar. Vor dem Elfmeter, der zum 1:0 führte, stellte sich Timm Klose ungeschickt an und liess das Bein stehen. Kam hinzu, dass diesmal im kollektiven Versagen ausgerechnet auch Captain Gökhan Inler, sonst ein zuverlässiger Wert, weit unter seinen Möglichkeiten spielte. Sein Fehlpass vor dem 2:0 für Wales war fatal. Der einzige, der sein Niveau erreichte, war Torhüter Diego Benaglio, der die Schweiz vor einer noch höheren Niederlage bewahrte. Nach dem 2:2 in England und dem 3:1 gegen Bulgarien war es ein bedenklicher Rückschritt vom kurzen Fortschritt. Die Mannschaft war mental nicht auf den Punkt bereit. Sie konnte in keiner Phase des Spiels das umsetzen, was sie sich vorgenommen hatte.

Hitzfeld verschafft sich ein Alibi

Hitzfeld sprach nach der Partie nicht von Unvermögen, sondern von Pech. Und es habe auch die Routine gefehlt. Hitzfeld bedauerte wieder einmal die Rücktritte von Alex Frei und Marco Streller und verschaffte sich damit gleich nach dem Schlusspfiff ein Alibi für das klägliche Scheitern. Die Schweiz hat die EM-Qualifikation allerdings nicht erst in Wales verspielt. Sie hatte schon mit Frei und Streller wichtige Punkte liegen gelassen. Beim 1:3 gegen England in Basel, bei der fatalen 0:1-Niederlage in Montenegro und beim mageren 0:0 in Bulgarien. Schon damals war unter Hitzfeld keine Handschrift zu erkennen. Schon damals funktionierten die Automatismen nicht, Standards versandeten meist in der gegnerischen Abwehr.

Hitzfeld ist nicht mehr der richtige Mann

Redaktion Tamedia hatte einst die Frage gestellt: Was machen die Schweizer eigentlich im Training? Redaktion Tamedia hatte seine Bedenken angemeldet, den Vertrag mit Ottmar Hitzfeld vorzeitig und voreilig ohne Not bis zur WM 2014 in Brasilien zu verlängern. Diese Bedenken haben sich jetzt leider bewahrheitet. Man hätte den Vertrag mit Hitzfeld nicht verlängern dürfen. Doch der SFV hat dem sanften Druck des Deutschen nachgegeben. Nun zahlt er die Quittung dafür. Hitzfeld wird mit einem Jahressalär von über einer Million Franken fürstlich entlohnt. Zuletzt waren die Schweizer viermal in Folge, von 2004 bis 2010, an einer WM oder EM dabei. Finanziell waren die Teilnahmen äusserst lukrativ. Die Fifa und die Uefa schütteten viele Millionen aus. Dieses Geld bleibt jetzt aus. Und somit muss der SFV die Vertragsverlängerung mit Hitzfeld gleich doppelt bezahlen.

Jetzt geht man mit Hitzfeld, der in der EM-Kampagne kläglich gescheitert ist, in die nächste WM-Qualifikation. Die Schweiz hat mit Norwegen, Slowenien, Albanien, Zypern und Island geradezu ein Traumlos gezogen. Die Qualifikation ist Pflicht. Doch es ist zu bezweifeln, ob Hitzfeld für diese Mission noch der geeignete Mann ist. Er ist es kaum noch.

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