So funktioniert ein Medizincheck im Fussball

Viel gehört, kaum einer weiss, wie er funktioniert: Der obligate Test vor den Transfers. Ein Selbstversuch.

Ein besonderer Selbstversuch: Tamedia-Sportredaktor Fabian Sanginés absolviert den Medizincheck bei GC. (Video: Tarek El Sayed und Fabian Sanginés)

Eigentlich sieht es ja immer so gemütlich aus. Beispielsweise das Video von Cristiano Ronaldo, als er frisch zu Juventus Turin gewechselt war. Ein bisschen joggen auf dem Laufband, ein Lächeln für die Kamera, Daumen nach oben. Diese Bilder werden uns gezeigt, wenn ein Verein schreibt, dass der neu verpflichtete Star den obligaten Medizincheck «erfolgreich absolviert hat».

Die Realität sieht dann aber doch anders aus. Um einiges härter. Wir haben einen Selbstversuch gewagt. Aber sehen Sie im Video oben selbst.

Wie das Resultat aussieht und was es braucht, um den Test nicht zu bestehen, das sehen Sie im unteren Video.

Bestanden oder nicht? GC-Teamarzt Stefan Fröhlich klärt auf. Video: Gilles Brönnimann, Fabian Sanginés

Aufgeteilt ist der Check in zwei Abschnitte: Leistungsdiagnostik, dann Besprechung und Untersuchung mit dem Arzt, bei der auch die Verletzungshistorie des Fussballers Thema wird. GC-Teamarzt Stefan Fröhlich erklärt: «Einen halben Tag sollte man schon dafür einrechnen.» Fröhlich legt in Zusammenarbeit mit seinem Chef Walter O. Frey fest, welche Tests durchgeführt werden.

«Welche Module examiniert werden, hängt stark von den auftraggebenden Vereinen oder Verbänden ab», sagt Sportwissenschaftlerin Karin Camenisch, die normalerweise die Durchführung beobachtet. Neben den GC-Fussballern sind auch besonders Wintersportler fleissige Besucher der Abteilung Leistungsdiagnostik in der Zürcher Klinik Balgrist. Beleg dafür ist die Wand voller Autogrammkarten, unter anderem lächelt Wendy Holdener mit ihrer Goldmedaille ins Zimmer.

EKG ist massgebend

Doch was genau passiert bei der Leistungsdiagnostik? Grundvoraussetzung ist ein EKG-Test, der aufzeigt, ob mit dem Herz-Kreislauf-System alles in Ordnung ist. Dieser ist massgebend für die sportliche Tauglichkeit. Bei Unregelmässigkeiten wird unter Umständen gar nicht erst weitergemacht – und der Transfer platzt wahrscheinlich.

«Glücklicherweise musste ich so noch nie eine Karriere beenden», sagt Fröhlich. Vielmehr ist es Usus, dass er mit dem Sportler die Resultate der Ausdauer- und Kraftdiagnostik sowie den Körperfettanteil bespricht. Bei der Ausdauer geht es vor allem um die Laktatstufe. Diese hilft, die Leistungsfähigkeit zu beurteilen und vor allem ein individuelles Training zu gestalten.

 Ziel der Übung ist, an seine Grenzen zu stossen.

Je nach Sportart geht es dabei aufs Velo oder aufs Laufband. Da entstehen auch die Fotos und Videos, die gerne in den sozialen Medien verbreitet werden. Aufgenommen werden sie aber zu Beginn des Tests, wenn die Profis noch lächeln können. Denn Ziel der Übung ist, an seine Grenzen zu stossen. Erst dann kann die Laktatstufe zuverlässig eruiert werden.

Der Test auf dem Laufband geht so: drei Minuten Joggen, dann dreissig Sekunden Pause. Nach jedem Zyklus wird die Geschwindigkeit um 1,8 km/h erhöht. Zu Beginn der kurzen Pause wird zur Analyse am Finger Blut genommen. Mittels Pulsuhr wird die Herzfrequenz kontrolliert. Hier gilt: Solange der Puls steigt, kann auch die Leistung noch gesteigert werden. Begonnen wird bei 7,2 km/h. Für einen durchschnittlichen 30-Jährigen wird die Maximalgeschwindigkeit von 15 km/h als «genügend» taxiert. Vergleichswerte von Profifussballern will Fröhlich aus Datenschutzgründen nicht preisgeben.

Im Kraftbereich werden unter anderem Sprung-, Rumpfkraft und die Funktionstüchtigkeit des Bewegungsapparats getestet. Wichtig: Der Leistungsunterschied zwischen rechts und links sollte nicht mehr als 5 Prozent betragen.

Und wie ist die Durchfallquote bei solchen Medizinchecks? «Inexistent. Aber weist ein Spieler Defizite auf, wird er in den nächsten Wochen von den Trainern härter rangenommen», sagt Fröhlich. Spätestens dann vergeht den Profis das Lächeln.

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