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Keine Sorgen und viel Hoffnung bei der Nati

Vor den WM-Qualifikationsspielen am Donnerstag gegen Andorra und am Sonntag in Lettland präsentiert sich die Lage im Schweizer Nationalteam in vielerlei Hinsicht prächtig.

Auf Erfolgskurs: Das Schweizer Nationalteam sorgt in der WM-Qualifikation für viel Begeisterung beim Anhang.
Auf Erfolgskurs: Das Schweizer Nationalteam sorgt in der WM-Qualifikation für viel Begeisterung beim Anhang.
Keystone

Irgendwie traut man all den Statistiken, Resultaten, Ranglisten ja immer noch nicht so ganz. Die Schweiz belegt in der Fifa-Weltrangliste also Rang 4 hinter Bra­silien, Deutschland und Argentinien. Sie hat als einziges Team Europas neben Weltmeister Deutschland nach sechs Runden in der WM-Qualifikation noch keinen Punkt abgegeben. Sie hat dabei Europameister Portugal 2:0 bezwungen. Sie schied an der Euro im letzten Sommer im Achtelfinal gegen Polen nach Elfmeterschiessen aus, ohne einmal verloren zu haben. Sie besitzt zweifellos eine der talentiertesten Auswahlen des Kontinents.

Und doch würde keiner behaupten, das Schweizer Nationalteam gehöre zur Weltklasse. Portugal, Italien, England werden in Europa immer noch höher ein­gestuft, Deutschland, Frankreich und Spanien sowieso, und wenn es um aufregende Talente geht, denken die meisten zuerst auch noch an Belgien. Die Schweizer braucht die geringe Wertschätzung nicht zu stören, sie sind grösstenteils in grossen Ligen engagiert und in Fussballländern. Oder wie es Xherdan Shaqiri nach dem 2:0-Sieg auf den Färöern zu Beginn des Sommers 2017 gesagt hatte: «Wir haben lange kein Spiel mehr verloren. Aber wir sind die kleine Schweiz, das müssen wir akzeptieren. Und ich denke schon, dass die anderen Länder Respekt vor uns haben.»

Stamm hier, Aufsteiger da

Nun ist der Sommer 2017 bald vorbei, er gibt in diesen Tagen ein letztes Hurra, und die Nationalmannschaft hat sich für die nächsten Auftritte in der WM-Qualifikation mal wieder in der lieb gewonnenen Basis in Feusisberg versammelt. Sie tut das in aufgeräumter Stimmung, dazu passt die vorgestern verkündete Vertragsverlängerung mit Vladimir Petkovic bis 2020. Der Nationaltrainer, zu Beginn vor allem vom «Blick» scharf kritisiert, hat selbst die schärfsten Nörgler mit smarter, sanfter Arbeit überzeugt. Als Nachfolger Ottmar Hitzfelds, im Nebenamt «Blick»-Kolumnist, trat Petkovic vor drei Jahren ein schwieriges Erbe an. Und an der EM gelang es auch ihm nicht, diese talentierte Auswahl endlich in einen Viertelfinal zu führen. Trotz prächtiger Ausgangslage. Seither hat sich das Nationalteam noch mal weiterentwickelt, die Resultate stimmen wie die Leistungen, Petkovic setzt auf Ballbesitz und Offensive, strebt stets den Sieg an, leistet auch im zwischenmenschlichen Bereich wertvolle Dienste.

Petkovic hat seinen Stamm gefunden, doch er lässt die Tür offen für junge Aufsteiger. Verteidiger Manuel Akanji etwa hat sich einen Platz im Kader ergattert, und Denis Zakaria, bereits an der Euro dabei, kehrt nach seinem Wechsel von YB zu Gladbach und starkem Start in der Bundesliga zurück. «Viele Spieler sind in ­guter Form», sagt Petkovic, «das erleichtert mir die Arbeit.»

Stolpert Portugal in Ungarn?

Zum Hochgefühl in der Nationalteam passt die Entwicklung zahlreicher Spieler in den Klubs. Jahrelang klagten Petkovic und seine Vorgänger über mangelnde Praxis mehrerer Leistungsträger bei ihren Arbeitgebern. Derzeit läuft es den meisten Akteuren ordentlich bis sehr gut, Verletzte sind kaum zu beklagen, bald kehrt auch Sturmhoffnungsträger Breel Embolo nach langer Pause zurück. Möglicherweise gerade rechtzeitig, um gegen Ungarn und in Portugal Anfang Oktober die WM-Qualifikation sicherzustellen.

Vorerst aber stehen gegen Andorra am Donnerstag in St. Gallen und gegen Lettland am Sonntag in Riga zwei weitere Pflichtaufgaben auf der Agenda. Alles andere als sechs Punkte gegen die krassen Aussenseiter, die in der Tabelle noch hinter Färöer liegen, wäre eine riesige Enttäuschung. Gewinnen kann die Schweiz in den nächsten Tagen also wenig, aber sie darf am Sonntag darauf hoffen, dass Portugal in Ungarn stolpert. Sonst läuft das Duell der zwei Gruppenfavoriten unweigerlich auf ein Endspiel in Lissabon hinaus, wo Portugal wegen der deutlich besseren Tordifferenz ein Heimsieg reichen würde, um die Schweiz zu überholen. Es wäre bitter, mit 27 von 30 möglichen Punkten nicht direkt an die WM zu reisen.

Beendet Petkovics Selektion die Gruppe allerdings auf Rang 1, würde das in der Fussballwelt ­bestimmt registriert werden. Und um wirklich zu den Grössen Europas zu gehören, benötigt die Schweiz ohnehin einen Exploit an einem Turnier. Das wissen auch die Spieler, stellvertretend sei Granit Xhakas Aussage vor einiger Zeit erwähnt, ein Halbfinal sei mit dieser Truppe realistisch. Der Mittelfeldstratege Arsenals gehört zu den U-17-Weltmeistern 2009. Und ist längst das Aushängeschild dieser bemerkenswert begabten Generation Schweizer Fussballer.

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