Zum Hauptinhalt springen

Monaco und Auxerre: Sorgics Kreis schliesst sich

Thuns Topskorer Dejan Sorgic verlässt das Berner Oberland per sofort Richtung Frankreich in die Ligue 2.

Lächeln in neuen Farben: Topskorer Dejan Sorgic verlässt den FC Thun. Sorgic wurde am Mittwochmittag beim französischen Ligue 2-Club AJ Auxerre präsentiert. (24.07.2019)
Lächeln in neuen Farben: Topskorer Dejan Sorgic verlässt den FC Thun. Sorgic wurde am Mittwochmittag beim französischen Ligue 2-Club AJ Auxerre präsentiert. (24.07.2019)
www.aja.fr
Dominik Schwizer (rechts) wird ein Jahr an den FC Vaduz ausgeliehen. (14.06.2019)
Dominik Schwizer (rechts) wird ein Jahr an den FC Vaduz ausgeliehen. (14.06.2019)
Christian Pfander
Für Ruberto kommt der 26-jährige Andreas Hirzel, Stammkeeper vom FC Vaduz. Hirzel spielte bereits für den FC Aarau, die Grasshoppers Zürich und den Hamburger SV.(2.5.2019)
Für Ruberto kommt der 26-jährige Andreas Hirzel, Stammkeeper vom FC Vaduz. Hirzel spielte bereits für den FC Aarau, die Grasshoppers Zürich und den Hamburger SV.(2.5.2019)
Keystone
1 / 8

Die Geschichte beginnt mit einem Testspiel gegen die AS Monaco, sie endet mit dem Transfer zu AJ Auxerre. Dazwischen liegen drei Jahre, in denen Dejan Sorgic in 103 Partien für den FC Thun 42 Tore erzielt hat – davon 38 in der Super League. Nur YBs grosser Franzose Guillaume Hoarau sowie Basels Nationalspieler Albian Ajeti haben in dieser Zeit öfter getroffen. «Dejan war menschlich wie sportlich enorm wertvoll», sagt Thun-Sportchef Andres Gerber.

Beim französischen Traditionsclub, der um die Jahrtausendwende unter der Trainerlegende Guy Roux grosse Erfolge feierte, seit geraumer Zeit aber in der Ligue 2 dümpelt, unterschreibt der bald 30-Jährige einen Dreijahresvertrag. Sein Lohnanstieg soll beträchtlich sein. Über die Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart. Sie wird die Millionengrenze kaum überschreiten, da Sorgic verhältnismässig alt ist und keinen Wiederverkaufswert hat.

Sein Transfer ist für den FC Thun insofern wertvoll, dass Sorgic nach mehreren Vertragsverlängerungen zu den Topverdienern gehörte, die aktuelle Mannschaft nach dem Zuzug von Simone Rapp die teuerste der letzten Jahre war. Sorgic entlastet das Lohnbudget, gleichzeitig bringt er einen nicht unerheblichen Transfergewinn ein: Er war 2016 ablösefrei vom SC Kriens aus der Promotion League gekommen.

Am Anfang stand eine SMS

Gerber holte Sorgic auf Empfehlung von Jean-Daniel Gross, einem Bekannten aus gemeinsamen Zeiten bei YB. Dieser schrieb ihm per SMS: «Wenn du kein Interesse bekundest, musst du es nicht bereuen, wenn er euch aus dem Cup schiesst.» Gross, Spielerberater und Trainer im Regionalfussball, kennt den Zentralschweizer mit serbischen Wurzeln, seit er in der U-21 des FC Luzern sein Coach gewesen ist.

Er verfügte über ein gutes Argument, als er Gerber schrieb: Kurz zuvor war Sorgic in einem Testspiel gegen Monaco ein Hattrick gelungen – in einer Halbzeit. Es war der Beginn der Erfolgsgeschichte – auch wenn Thun beim Startelfdebüt des Stürmers in Kriens im Cup ausschied.

In seiner ersten Saison erzielte Sorgic 15 Treffer, in der zweiten verletzungsbedingt 7, letztes Jahr erneut 15. Er war es auch, dem beim 2:2 am Samstag gegen Xamax zum Saisonauftakt der Anschlusstreffer gelang. Als es vergangene Saison in einem Gespräch mit U-21-Nationaltrainer Mauro Lustrinelli um Sorgic ging, bezeichnete er diesen als Luxus für Thun und meinte, der Stürmer könnte längst für einen grösseren Club spielen.

Dementsprechend ist die Lücke, die Sorgic hinterlässt. Dennoch stellte sich den Thunern die Frage nicht, seinen Abgang zu verhindern, wie Gerber sagt. Zumal Sorgic schon länger den Wunsch äusserte, bei einem auch für den Club annehmbaren Angebot ins Ausland weiterziehen zu dürfen.

Spielern den Karrieresprung zu ermöglichen, ist Teil der Vereinsstrategie. «Wir sind so zu einer begehrten Adresse geworden», sagt der Sportchef. Der Vorteil ist, dass die Oberländer mittlerweile Fussballer verpflichten können, die früher kaum den Schritt zu ihnen gemacht hätten. Der Nachteil: Sie verlieren regelmässig Leistungsträger.

Thun prüft den Markt

Mit Rapp steht Sorgics Ersatz zwar seit Vorbereitungsbeginn im Kader, dennoch lässt Gerber offen, einen weiteren Angreifer zu verpflichten. Im Sturm fehlt es an Breite: Saleh Chihadeh spielte gegen Xamax erstmals in der Super League, Nicolas Hunziker vermochte sich nicht durchzusetzen. Er stand im Sommer vor dem Abgang, ehe er sich verletzte. «Wir prüfen den Markt», sagt Gerber. An Angeboten mangelt es nicht: Er sei in den letzten Stunden mit Offerten überhäuft worden, sagt er.

Auxerre interessierte sich derweil schon vor zwei Jahren für Sorgic. Nun ist der Moment gekommen. Am Dienstagmorgen verabschiedete sich der Stürmer unter Applaus von den Thuner Kollegen, am Nachmittag absolvierte er den Medizincheck. Am Mittwoch nun, nachdem er erstmals mittrainierte, wurde er in Auxerre präsentiert.

Er sagt, dass sich der Verein schon einmal um ihn bemühte, habe ihm den Entscheid vereinfacht. «Auxerre ist ein grosser Club. Ich bin enorm motiviert, dem Team mit meinen Toren zu helfen.» Vielleicht erhält er schon am Freitag Gelegenheit dazu, dann startet Auxerre bei AF Rodez in die neue Saison.

Gegen einen französischen Club ist Sorgics Stern aufgegangen, bei einem französischen Club erfüllt er sich nun den Traum von einem Wechsel ins Ausland. Der Kreis schliesst sich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch