Spiel um Platz drei und die goldene Ananas

Die Schweiz spielt am Sonntag gegen England im kleinen Final der Nations League. Dabei gibt es tatsächlich noch etwas zu gewinnen.

Steven Zuber und die Schweizer mussten sich im letzten September den Engländern geschlagen geben.

Steven Zuber und die Schweizer mussten sich im letzten September den Engländern geschlagen geben.

(Bild: Keystone Georgios Kefalas)

Acht Millionen Euro. So viel beträgt das Preisgeld für den dritten Platz. Das ist eine Million mehr, als der Viertplatzierte erhalten wird. Das Spiel gegen England ist also nicht nur ein Kehrausspiel – trotzdem ist es ein Spiel um die goldene Ananas.

Nimmt man die Form einer 1350 Gramm schweren Ananas und füllt diese mit Gold aus, so wäre diese bei einem aktuellen Goldpreis von 38 Euro/Gramm ziemlich genau eine Million Euro wert.

Doch es geht nicht nur ums Geld im Duell gegen das Mutterland des Fussballs. Vor allem geht es darum, die Briten wieder einmal zu schlagen. Seit dem Zweiten Weltkrieg konnte die Schweiz erst zweimal gegen England gewinnen. Zuletzt vor 38 Jahren.

Fehlt am Ende die Kraft?

Die Mannschaft von Trainer Vladimir Petkovic wusste im Halbfinal der Nations League zu überzeugen. Während rund einer Stunde waren die Schweizer die bessere Mannschaft, sie zwangen Europameister Portugal ihr Spiel auf und erspielten sich mehrere Topchancen.

Wie bereits gegen Dänemark (3:3) folgte dann jedoch der Bruch in der Schlussphase der Partie. Im Spiel gegen die Dänen verschenkten die Eidgenossen in den letzten zehn Minuten den sicher geglaubten Sieg. Auch in Porto waren sie gegen Ende nicht mehr so stilsicher, und Cristiano Ronaldo bestrafte die Nachlässigkeit in der Abwehr gleich doppelt.

Ronaldo schliesst einen herrlich vorgetragenen Angriff zum 2:1 gegen die Schweiz ab. Video: SRF

Weshalb es der Nationalmannschaft zuletzt nicht gelang, in den Schlussminuten die Konzentration hoch zu halten, kann verschiedene Gründe haben. Bestimmt spielt dabei auch die Kraft eine Rolle, wie Vladimir Petkovic nach dem Halbfinal sagte. Im 3-5-2-System, in welchem der 55-Jährige in den letzten beiden Partien spielen liess, stehen die Aussenspieler in der Pflicht, weite Wege zu gehen. Sie müssen die Offensive mit ihren Rushes beleben, bei Ballverlust aber blitzschnell umschalten, um aus der Dreierabwehr wieder eine Vierer- oder Fünferkette zu machen.

Grundsätzlich fehlt in diesem System ein Mann auf beiden Seiten. Durch das grosse Laufvermögen von Steven Zuber und Kevin Mbabu kann das Fehlen der Flügelspieler zwar einigermassen wettgemacht werden, doch wenn die Müdigkeit einsetzt, offenbart sich die Schwäche des 3-5-2. Oft wurde dem Gegner gegen Ende des Spiels auf den Aussenbahnen viel Raum und Zeit gelassen. Dass die besten Mannschaften Europas mit so viel Freiheit etwas anzufangen wissen, haben die Portugiesen eindrücklich unter Beweis gestellt.

Stellt Petkovic um?

Ob die Kraft gegen England erneut ein entscheidender Faktor sein wird, hängt auch von Vladimir Petkovic ab. Vielleicht gelingt es ihm ja, die Schwächen auszumerzen. Möglicherweise wäre auch eine Rückkehr zum alten 4-4-1-1-System sinnvoll. Denn die Engländer sind bekannt für ihr Flügelspiel und haben mit Harry Kane einen Stürmer in ihren Reihen, der Flankenbälle in Ronaldo-Manier verwerten kann. Gelingt es den Schweizern dieses Mal, die Couloirs über die ganze Spielzeit dicht zu machen, können sie sich die Ananas vergolden lassen.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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