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Tévez und Gignac auf rätselhaften Pfaden

Sie sind heissbegehrt. Und trotzdem wechseln die beiden Stürmer nach Argentinien und Mexiko. Warum nur?

Als umworbene Stürmer von Juventus und Marseille nach Argentinien und Mexiko zu den Boca Juniors und Tigres: Die Stürmer Carlos Tévez und André-Pierre Gignac.
Als umworbene Stürmer von Juventus und Marseille nach Argentinien und Mexiko zu den Boca Juniors und Tigres: Die Stürmer Carlos Tévez und André-Pierre Gignac.
Keystone

Carlos Tévez trat zum Penalty an, schaute kurz auf und schoss Argentinien in die Halbfinals der Copa América. Die argentinischen Spieler jubelten, tollten wie junge Hunde auf dem Feld - die Fans auf den Rängen machten es ihnen nach. Die Freudenfeiern waren noch nicht ganz verklungen, da sickerte die Information durch, dass der Siegestorschütze Juventus Turin nun definitiv verlassen und zu den Boca Juniors nach Argentinien wechseln werde. Warum nur? Warum verlässt der 31-Jährige den Champions-League-Finalisten?

Eine ähnliche Frage stellten sich vergangene Woche auch die Fans von Olympique Marseille – ja mehr oder weniger die ganze Fussballwelt. Der Stürmer André-Pierre Gignac wechselt von Marseille nach Mexiko zu den UANL Tigres. Er, der 21-mal für die französische Nationalmannschaft spielte. Er, der in dieser Saison 21 Tore schoss – mehr als Ibrahimovic oder Cavani. Er, der erst 29 Jahre alt ist. Warum nur geht Gignac nach Mexiko?

Tévez und seine Gründe

Bei Tévez ist die Antwort etwas einfacher: Der Argentinier spielte bereits von 2001 bis 2004 für Boca und war damals der unbestrittene Publikumsliebling. Tévez wiederholte immer wieder, dass er seine Karriere in der Heimat beenden wolle. Obwohl er noch ein Jahr Vertrag hatte, sah er nun den Zeitpunkt gekommen. Pavel Nedved, der Manager von Juventus, sagt, Tévez habe die Entscheidung auch aufgrund seiner Familie getroffen.

Die Turiner sind untröstlich über den Abgang: «Tévez ist unersetzlich», sagt Nedved: «Es ist ein grosser Schock für Juventus, dass er geht. Er war ein Anführer.» Ersatz wurde trotzdem bereits verpflichtet, Mario Mandzukic kommt für 19 Millionen Euro von Atlético Madrid.

Tévez wiederum soll am 7. Juli in der Bombonera, dem Stadion von Boca, vorgestellt werden. Einen Vertrag hat er noch nicht unterschrieben, gemäss Club-Präsident geschehe dies nach der Copa América: Es soll ein Dreijahresvertrag sein, die Ablöse liege bei 5 Millionen Euro. Im Gegenzug wechselt das 18-jährige Talent Guido Vadalá zu Juventus.

Gignac und der Zement-Club

Bei Gignac ist die Sache etwas anders als bei Tévez. Sein Vertrag war nach fünf Jahren in Marseille ausgelaufen, zahlreiche Clubs zeigten sich interessiert – so auch Liverpool, Arsenal, West Brom, West Ham, Lyon und Galatasaray. Und doch entschied er sich für Mexiko.

In einem Statement schrieb er: «Aus verschiedenen Gründen habe ich mich für die Tigres entschieden. Der Club erlaubt mir, meine Leidenschaft in einem grossen Fussballland auszuleben.» Viel klarer macht das seine Beweggründe nicht: Mexiko, ein grosses Fussballland? Wirklich?

Ein Beweggrund könnte gewesen sein, dass Marseille den neuen Vertrag mit bedeutend tieferen Konditionen ausstatten wollte. Bei Tigres soll er knapp 4 Millionen Euro verdienen. Der Verein gehört einem Zementkonzern mit Milliardenumsätzen. Nun schickt sich der Club aus der Nähe von Monterrey an, erstmals die Copa Libertadores, die südamerikanische Champions League, zu gewinnen.

Dafür verpflichteten die Mexikaner auch den nigerianischen Stürmer Ikechukwu Uche von Villareal und den einheimischen Star mit dem klingenden Namen Jurgen Damm für 7 Millionen Dollar. Die Halbfinals finden in sechs Wochen statt. Gignac sagt dazu: «Ich komme um die Copa Libertadores zu gewinnen.»

Die lautesten Fans des Landes

Möchte man an die fussballromantische Seite von Gignac glauben, dann gibt es womöglich eine weitere Erklärung:

Sein neuer Arbeitgeber hat zwar dreimal die mexikanische Meisterschaft gewonnen, gehört aber nicht zu den Top 4 des Landes. Umso mehr ist der Verein bekannt dafür, äusserst treue Fans zu haben. Die Fans gelten als die lautesten und die besten des Landes, sie folgen dem Club in Scharen – in Mexiko Invasionen genannt – durch das ganze Land und füllen beinahe bei jedem Heimspiel das Stadion Estadio Universitario mit über 40‘000 Zuschauern.

Die Anhänger hat der Franzose bereits kennengelernt: Bei der Ankunft am Flughafen wusste er nicht wie ihm geschah: Fans sangen seinen Namen, die Medien stürmten die Absperrungen. Gignac verarbeitete seine Eindrücke auf Twitter: «Unglaubliches Willkommen!»

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