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Thun ist wieder erster YB-Verfolger

Nach dem 2:0 gegen St. Gallen steht Thun auf Platz zwei.

Thuns Grégory Karlen trifft gegen St. Gallen in der 71. Minute zum 2:0.
Thuns Grégory Karlen trifft gegen St. Gallen in der 71. Minute zum 2:0.
Keystone

Es ist Samstagabend, und St. Gallens Trainer Peter Zeidler ist in Form. Obwohl sein Team in Thun soeben 0:2 verloren hat. Es ist die dritte Niederlage in Folge, ein Novum unter dem 54-Jährigen, der seit dem Sommer im Amt ist. Er werde es kurz machen, sagt Zeidler gleich zu Beginn der Pressekonferenz, um dann zu einem minutenlangen Monolog anzusetzen.

Als eine halbe Stunde später die Pressekonferenz längst beendet ist und sich mancher Journalist auf dem Heimweg befindet, steht Zeidler immer noch da und redet. Als er zur Taktik befragt wird, sagt Zeidler, das Spielsystem sei sekundär. Vielleicht werde er das nächste Mal mit einem 9-1-0-System probieren. «Hauptsache, wir gewinnen wieder einmal.» Und fügt an, nun ganz der Zahlenfreund: «Wie wir auf das 0:1 reagierten, war 08/15. So genügt es nicht.»

Erinnerungen an Panenka

Was Zeidler bietet, ist beste Unterhaltung. Im Gegensatz zum Spiel, das bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt nur in Phasen der zweiten Halbzeit zu erwärmen vermag. Die St. Galler starten besser, kommen nach 13 Sekunden durch Barnetta zu einer ersten Chance. Und als eine Viertelstunde später Thuns Innenverteidiger Nicola Sutter im Strafraum Ben Khalifa elfmeterwürdig schubst, wähnen sich die Ostschweizer auf dem Erfolgsweg.

Doch Sierro, vom Bundesligisten SC Freiburg ausgeliehen und mit 6 Toren Zeidlers Meisterschüler, macht sich etwas gar lässig an die Arbeit. Sein Penaltylupfer, inspiriert von Antonin Panenka, der tags darauf seinen 70. Geburtstag feiern wird, landet auf der Latte statt im Tor. Es ist eine Aktion, die einen Trainer auf die Palme bringen kann. Doch Zeidler, auch leidenschaftlicher Liebhaber des schönen Spiels, gibt den nachsichtigen Lehrer. Er sagt, schon grössere Spieler seien bei der Übung gescheitert. Er hat recht, wie mit der Feststellung, dass die Partie einen anderen Verlauf genommen hätte, wäre Sierro erfolgreich gewesen.

Besser machen es die Thuner: Sie gehen nach 55 Minuten in Führung. Marvin Spielmann, der nach knapp einer halben Stunde für den verletzten Dennis Salanovic eingewechselt worden ist, hat nach einem Corner einen Abpraller ins lange Eck verwertet.

Resultat gut, nicht alles gut

Das Tor verändert die Physiognomie des Spiels. Weil St. Gallen nun mehr Räume anbietet, so hoch verteidigt, dass die Thuner immer wieder hinter die gegnerische Abwehrreihe stossen können. Eine erste Chance vergibt Topskorer Dejan Sorgic, weitere ersticken im Ansatz, weil die Oberländer aussichtsreiche Kontermöglichkeiten ungenau ausspielen. Sie können es sich leisten, die Ostschweizer agieren zu kompliziert. In der 71. Minute gelingt Karlen nach Vorarbeit von Tosetti und Sorgic das 2:0. Es ist die Entscheidung. «Mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden», sagt Thuns Trainer Marc Schneider. «Mit dem Gezeigten weniger.»

Mit der Tabelle wird Schneider ebenfalls sehr zufrieden sein: Vor dem Derby bei YB steht Thun mit 25 Punkten auf Rang 2.

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