Thun zieht Kopf aus der Schlinge

Der FC Thun gewinnt den Cupachtelfinal beim FC Wil nach Penaltyschiessen. Dank Goalie Faivre.

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Dominic Wuillemin

Aufziehen werde er Basil Stillhart, kündigte Wils Präsident Maurice Weber an, sollte seiner Mannschaft im Cupachtelfinal gegen den FC Thun die Überraschung gelingen. Stillhart ist der Ur-­Wiler in Thuner Diensten, der Wechsel im Sommer war der erste überhaupt in seiner Karriere. Für den 24-Jährigen bedeutete er den ­Auszug aus dem Elternhaus in ­Sirnach nahe Wil.

Dementsprechend speziell ist die ­Affiche für Stillhart: Familie, Freundin und Freunde sitzen auf der Tribüne. Doch je länger desto mehr wird für ihn aus dem Freudenspiel eine Zitterpartie. Als der Schiedsrichter nach 90 Minuten abpfeift steht es 1:1. Beim Publikum werden Erinnerungen an den Dezember 2012 wach. ­Damals siegten die Ostschweizer im Achtelfinal gegen YB 4:3 nach Verlängerung. Es war der vorerst letzte Höhepunkt im Cup. Folgt nun der nächste?

Es ist allerdings nicht dieser Sieg, der die Wiler Fans bei Anpfiff dazu veranlasst, ein Plakat mit der Aufschrift in «i Erinnerige schwelge» aufzuhängen. 2004 gewannen die Ostschweizer im Final gegen GC den Cup. Es war der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte und das letzte Hurra einer zweijährigen Hochphase, während der Wil in der höchsten Spielklasse agierte. Zwei Monate später stieg der Club aus der Super League ab.

Höchststrafe am Geburtstag

Nach den Wirrungen um die türkischen Investoren und Beinahekonkurs befindet sich Wil nun wieder im Aufschwung. Das ist dem Heimteam in diesem Achtelfinal anzumerken, von Anfang an begegnet es den Thunern auf Augenhöhe – kein Vergleich zum letzten Jahr, als Wil im Sechzehntelfinal gegen die Oberländer chancenlos blieb.

Nach 11 Minuten bietet sich Stürmer Silvio eine gute Chance, sein Kopfball stellt Thun Goalie Guillaume Faivre nicht vor Schwierigkeiten. Fortan finden die Gäste vor 1450 Zuschauern im schmucken Stadion Bergholz besser in Spiel. Sie sind allerdings weit davon entfernt, zu ­dominieren.

Gefährlich wird es vor dem Wiler Tor vorab, wenn Dennis Salanovic zum Dribbling ansetzt. Mit seiner Geschwindigkeit fordert und überfordert der Flügel die Abwehr. Nach 39 Minuten sieht sich Trainer Konrad Fünfstück gezwungen, den mit Gelb belasteten Ismajl Beka auszuwechseln. Es ist die Höchstrafe – ausgerechnet am Geburtstag. Beka wurde am Mittwoch 19-jährig. Weil weder Grégory Karlen noch Basil Stillhart von Salanovics Vorlage profitieren konnten, steht es zu diesem Zeitpunkt aber 0:0.

Joker hier, Joker da

Es bleibt in der zweiten Halbzeit eine enge Angelegenheit, mit leichten Vorteilen für Wil. Nachdem Thuns Flügel Matteo Tosetti eine Hundertprozentige vergibt, bieten sich den Wilern drei gute Gelegenheiten. Bei der besten vermag Rechtsverteidiger Stefan Glarner den Kopfball von 198-Zentimeter-Turm Nikki Havenaar auf der Linie zu klären.

Der Underdog agiert kaltblütig, steht im Drehbuch für Cupüberraschungen. Als Dejan Sorgic in der 71. Minute, wenige Momente nach seiner Einwechslung, zum 1:0 für die Oberländer trifft, scheint der FC Wil seine Chance verspielt zu haben. Die Dinge nehmen nun den gewohnten Lauf – könnte man meinen. Doch auch die Ostschweizer verfügen über einen Stürmer mit Jokerqualitäten. Sekunden nach seiner Einwechslung gelingt Andelko Savic in der 76. Minute der Ausgleich.

Dabei bleibt es, es kommt zur Verlängerung. Und weil die 30-minütige Überzeit trotz guten Chancen für die Thuner Salanvoic und Sorgic keine Tore bringt, geht der Cupachtelfinal ins Elfmeterschiessen.

Im Duell Mann gegen Mann wird kein Wiler zum Helden. Aber einer mit Wiler Vergangenheit: Thuns Goalie Faivre kann zwei Elfmeter abwehren, seine Teamkollegen verwerten derweil allesamt.

Die Oberländer ziehen den Kopf aus der Schlinge. Basil Stillhart bleiben die Sticheleien des Wiler Präsidenten erspart.

Berner Zeitung

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