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Thuns neues Lebensgefühl

Der FC Thun gastiert heute als Zweiter bei den Grasshoppers. In seiner Tabellenlage kumulieren sich die Fortschritte des kleinen Clubs, der 2016 vor dem Konkurs stand.

Leichtigkeit des Seins: Stefan Glarner (links) und Basil Stillhart (oben) feiern mit Marvin Spielmann dessen Treffer zum 2:0 gegen den FC Sion.
Leichtigkeit des Seins: Stefan Glarner (links) und Basil Stillhart (oben) feiern mit Marvin Spielmann dessen Treffer zum 2:0 gegen den FC Sion.
Keystone

Das Stimmvolk sorgt beim FC Thun am Sonntag für ein rundum gelungenes Wochenende: Nachdem die Berner Oberländer am Vorabend den FC Sion 4:1 besiegt und den 2. Platz erobert haben, von dem sie tags darauf nicht verdrängt werden, gibt die Bevölkerung grünes Licht für den Bau von zwei Kunstrasenfeldern neben der Stockhorn-Arena.

Diese werden vom Club als erster Schritt im Bestreben betrachtet, neben dem Stadion ein Sportzentrum entstehen zu lassen. Präsident Markus Lüthi spricht von einem positiven Signal für den Fussball in Thun.Der Entscheid des Stimmvolks passt ins Bild: Nach Jahren des Überlebenskampfs erweckt der FC Thun den Eindruck, dass etwas am Entstehen ist.

Zur Einordnung hilft ein Blick zurück. Im September 2016 ist die Not im Club so gross, dass Lüthi vom Messerstich spricht, den er im Rücken spüre. Wenige Wochen später sieht er sich in seiner Verzweiflung gezwungen, die Öffentlichkeit um Spenden zu bitten. Dem Club drohen Ende Jahr die liquiden Mittel auszugehen. Damit er den Konkurs verhindern kann, muss er innert zwei Monaten eine Million Franken auftreiben.

Wer in dieser Zeit Führungskräften des FC Thun begegnet, sieht in abgekämpfte Gesichter. Sportchef Andres Gerber gibt in einem Gespräch zu, dass es eine Zwängerei sei, einen Super-League-Club in Thun zu führen.

Ambitioniertes Ziel

Leicht ist es immer noch nicht. Aber seit dem Notstand vor zwei Jahren haben die Berner Oberländer Schritt für Schritt die Basis geschaffen, langfristig im Spitzenfussball bestehen zu können. Der Verein ist so gut aufgestellt, dass Finanzchef Joël Kissling schon im Sommer weiss, dass ein ausgeglichenes Budget im Kalenderjahr 2018 erreicht werden wird.

Das hängt mit optimierten Wirtschaften, erhöhten Fernsehgeldern der Liga und grösseren Solidaritätszahlung der Uefa zusammen, sowie, vordergründig, mit lukrativen Spielerverkäufen: Die Transfers von Simone Rapp (zu Lausanne) und Sandro Lauper (YB) bringen in den letzten beiden Wechselperioden je eine Million Franken ein.

«Wir ernten nun, was wir gesäet haben.»

Clubpräsident Markus Lüthi

Sie dienen auch als Polster für die Zukunft. Der FC Thun, der nicht auf die Hilfe eines Mäzens zählen kann, will dereinst ohne Erlöse aus Transfers sowie Einnahmen aus eigenen Teilnahmen an europäischen Wettbewerben auf eine schwarze Null kommen.

Noch nehmen die Transfer­einnahmen Druck, weitere Leistungsträger zu verkaufen. Lauper blieb der einzige nennenswerte Abgang im Sommer. Die Kontinuität im Team ist der Hauptgrund für den Aufschwung. Mit Dejan Sorgic, der neben Hoarau und Fassnacht bester Torschütze der Super League ist, sowie dem treffsicheren U-21-Nationalspieler Marvin Spielmann verlängerten kürzlich zwei Leistungsträger ihre Verträge vorzeitig.

Positive Nebenwirkungen

All diese Positivmeldungen kumulieren sich im Abbild der Tabelle, das Thun nach sieben Runden und vor dem heutigen Gastspiel bei GC (20 Uhr) auf dem 2. Platz zeigt. Natürlich habe er zuletzt etwas öfter auf die Rangliste geschaut als auch schon, sagt Trainer Marc Schneider. «Sie gibt ein schönes Bild ab. Aber», schiebt er sogleich nach, «sie hat so früh in der Saison wenig Aussagekraft.»

Was Schneider meint, ist klar: In der Tabelle zeichnen sich erst ganz oben und ganz unten Konturen ab. Zudem haben die Oberländer nur vier Zähler mehr als letzte Saison zu diesem Zeitpunkt – da waren sie Zweitletzter. Und doch macht der beste Start seit Jahren das Leben leichter, Finanzchef Kissling erwähnt den positiven Effekt auf die Vermarktung. Lüthi sagt: «Wir ernten nun, was wir gesät haben.» Und so reisen die seit Anfang August unbesiegten Thuner im Hoch zu GC, das sich derweil mit dem Erfolg gegen Xamax etwas Luft verschaffen konnte.

Ein Sieg – und die Thuner könnten Leader YB am Samstag als Zweiter zum Derby empfangen. «Diese Aussicht ist grosser Ansporn für uns», sagt Schneider. Dem FC Thun würde ein erneut grosses Wochenende bevor­stehen.

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