Thuns Nullnummer im biederen Schneckenrennen

Seit acht Spielen hat der FC Thun nicht mehr gewonnen. Dritter der Super League ist er trotzdem. Beim 0:0 gegen den FC St. Gallen bieten die Berner Oberländer aber sehr dürftige Kost.

Thuns Torhüter Guillaume Faivre pariert in der 81. Minute einen Kopfball des eingewechselten Tranquillo Barnetta (rechts).

Thuns Torhüter Guillaume Faivre pariert in der 81. Minute einen Kopfball des eingewechselten Tranquillo Barnetta (rechts).

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Um zu wissen, was die Schweizer Super League ausmacht, lohnt sich ein Blick in den Kanton Bern. In der Bundesstadt feiern die Young Boys seit Samstag ihre zweite Meisterschaft in Serie, den frühesten Titelgewinn in der Geschichte dieser Liga. YB ist drauf und dran, eine ganze Reihe von Rekorden des FC Basel auf die hinteren Seiten der Geschichtsbücher zu verbannen. Die Stadt Bern hat allen Grund zu feiern, Offensivspieler Christian Fassnacht tat das am Samstagabend zum Unmut seines Arbeitgebers mitten in einer Menschentraube mit pyrotechnischem Material. Einer jener YB-Spieler also, die eine Vergangenheit beim FC Thun haben. Und ebendieser FC Thun steht für eine andere Seite des Schweizer Clubfussballs.

In der Stockhorn-Arena liegt zwar wie im Stade de Suisse Kunstrasen und sind die Dummies, die beim Freistosstraining als Mauer dienen, gelb-schwarz. Doch ansonsten erinnert wenig an den Kantonsrivalen – und noch viel weniger an dessen Erfolge. Was das Geschehen auf dem Rasen betrifft, so liegen Welten zwischen den beiden Clubs, obschon auch die Thuner im obersten Drittel der Tabelle mitspielen. Allein, dafür braucht es in dieser Liga zurzeit nicht einmal Siege.

Zumindest ein Teilerfolg

Nach dem Spiel am Sonntag, diesem 0:0 von bescheidener Qualität gegen den FC St. Gallen, wartet Marc Schneider bereits seit acht Spielen auf einen Sieg. Sein Topscorer Dejan Sorgic sagt: «Im Moment will es einfach nicht. Wir sind im Loch.» Und trotzdem sind die Berner Oberländer Tabellendritter. Wie geht das? «Wir sind einfach brutal stark», sagt Schneider in einem Anflug von erfrischender Selbstironie. Denn auch der jüngste Trainer der Super League weiss, dass das, was die offiziell 5340 Zuschauer gegen St. Gallen gesehen haben, sehr dürftige Fussballkost war. Oder wie es die Ostschweizer Überfigur Tranquillo Barnetta sarkastisch ausdrückt: «Das war nicht ein total attraktives Spiel.»

Es gab zwischen Thun und St. Gallen kaum zusammenhängende Aktionen, jede Menge Pässe in den Raum, wo sich weder Mit- noch Gegenspieler aufhielten, immer mal wieder Befreiungsschläge auf einen der leeren Sitze des schlecht gefüllten Stadions. Die Zuschauerinnen mussten Rückpässe über sich ergehen lassen, die anstatt zum Goalie weit an diesem vorbeirollten und zu Eckbällen führten. Die beiden Teams hatten Glück, dass der Gegner von den eigenen Fehlern nicht profitieren konnte.

Auch das ist die Super League: bescheidenes Niveau von zwei Mannschaften, die in der vorderen Tabellenhälfte um einen Platz im Europacup kämpfen. Immerhin gab es an diesem kühlen Nachmittag dann doch noch eine Handvoll Torchancen. Die letzte vereitelte der starke Goalie Guillaume Faivre in der Nachspielzeit gegen den St. Galler Captain Silvan Hefti. Zum ersten Mal in diesem Jahr spielte Thun zu null, was angesichts der fünf Gegentreffer gegen die Young Boys vor Wochenfrist zumindest ein Teilerfolg ist.

Schneider sagt mit Blick auf die höchste Saisonniederlage: «Dass wir nach dem 1:5 nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzen, war ja klar.» Der Trainer hatte mit Sorgic und Roy Gelmi zwei Neue in seine Startelf eingebaut und das System umgestellt: zurück zu einer Viererkette und der in diesem Jahr üblichen 4-3-3-Grundordnung. Die Umstellung funktionierte gegen den Ball, blieb offensiv aber ohne Wirkung. Magere drei Torchancen erarbeitete sich Thun, wovon immerhin jene in der 84. Minute beinahe zu einem Treffer geführt hätte. Doch Chris Kablan, der linke Aussenverteidiger, scheiterte aus bester Position am St. Galler Torhüter Dejan Stojanovic.

Zwei Punkte Vorsprung hat Thun nach 29 Runden auf den Vierten Sion. Und wann, wenn nicht am kommenden Wochenende gegen die Grasshoppers in Auflösungserscheinungen, will der FC Thun gewinnen? Doch vielleicht sparen sich Schneiders Spieler den nächsten Sieg auf für den Cup-Halbfinal. Diesen bestreiten sie am 23. April beim FC Luzern, bei dem die Anfangseuphorie um den neuen Trainer Thomas Häberli vor allem nach der Niederlage gegen Xamax längst wieder verflogen ist. Und ebendann würde die anhaltende Thuner Ungeschlagenheit Erfolg bedeuten: Denn wer im Cup nicht verliert, der gewinnt ihn auch.

Telegramm: Thun - St. Gallen 0:0

5340 Zuschauer. - SR Klossner.

Thun: Faivre; Glarner, Gelmi, Sutter, Kablan; Bigler; Karlen, Stillhart (75.) Costanzo); Spielmann (87. Hunziker), Sorgic, Schwizer (85. Nelson Ferreira).

St. Gallen: Stojanovic; Hefti, Nuhu, Stergiou, Lüchinger; Quintilla; Sierro, Ashimeru; Kutesa, Tafer (59. Rapp), Bakayoko (71. Barnetta).

Bemerkungen: Thun ohne Hediger, Righetti, Tosetti (alle verletzt), St. Gallen ohne Mosevich, Vilotic (beide gesperrt), Itten, Wiss (beide verletzt) und Ben Khalifa (nicht im Aufgebot).

Verwarnungen: Schwizer (25./Foul), Karlen (71./Foul, gesperrt in der nächsten Runde), Spielmann (76./Foul), Bigler (87./Foul); Sierro (58./Taktisches Foul).

Berner Zeitung

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