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Tore, Rekorde und Emotionen

Bevor in zwei Wochen auch die 1.-Liga-Fussballer die Winterpause antreten, blickt Bernerzeitung.ch/Newsnet auf einige bemerkenswerte Ereignisse zurück, die in den regionalen Fussballligen für Gesprächsstoff sorgten.

Silvan Aegerter (hinten) vom FC Münsigen bei der Schussabgabe für sein Tor im Cupachtelfinal gegen Wil.
Silvan Aegerter (hinten) vom FC Münsigen bei der Schussabgabe für sein Tor im Cupachtelfinal gegen Wil.
Christian Pfander
Im Spiel zwischen dem FC Schönbühl und dem FC Zürich misslingt dem jungen Simon Scheidegger die einzige Torchance von Schönbühl gewaltig.
Im Spiel zwischen dem FC Schönbühl und dem FC Zürich misslingt dem jungen Simon Scheidegger die einzige Torchance von Schönbühl gewaltig.
Max Füri
Dies war keineswegs die speziellste Tanzeinlage im Spiel zwischen dem FC Spiez und dem FC Rothorn. Dafür sorgten eine Cheerleading-Show, bestehend aus vier Frauen.
Dies war keineswegs die speziellste Tanzeinlage im Spiel zwischen dem FC Spiez und dem FC Rothorn. Dafür sorgten eine Cheerleading-Show, bestehend aus vier Frauen.
Walter Dietrich
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FC Münsigen: Das spektakulärste Tor

Ein Tor, das in der ganzen Schweiz für Aufsehen sorgte, war jenes des Münsingen-Spielers Silvan Aegerter im 3:2 gewonnenen Cupachtelfinal gegen Wil. An der Mittellinie stehend, kam Aegerter beim Stande von 2:0 an den Ball. Er sah, dass der Wil-Goalie Yanick Brecher weit vor seinem Tor stand.

Deshalb riskierte Aegerter einen Weitschuss aus geschätzten 50 Metern. Über den Goalie hinweg flog der Ball ins Tor. Es war kein Zufallsprodukt, wie Aegerter nach Spielschluss schilderte: «Das probiere ich ab und zu, etwa in Freundschaftsspielen, jetzt hats endlich einmal geklappt», meinte der Assistenztrainer von Kurt Feuz.

Dieser sieht der Auslosung der Viertelfinals mit Spannung entgegen. «Ich wünsche mir, dass wir zu Hause gegen den FC Sion antreten dürfen», sagt Feuz.

FC Schönbühl: Das grosse Missgeschick

Am 24.August empfing der Zweitligist FC Schönbühl den grossen FC Zürich zum Cupfest. Ein Coup für Schönbühl war natürlich Utopie, aber ein Torerfolg, das wäre schon eine Riesengeschichte gewesen. Chancen auf einen Treffer hatten die Unterklassigen in diesem Spiel 80 Minuten lang keine.

Dann starteten die Berner einen Konter. Eine Flanke hinter die Abwehr, da kommt der junge Simon Scheidegger angebraust. Der bringt sich in Position, zwei Meter Distanz zum Tor, der Goalie noch nicht in der Ecke – perfekt. Der Ball fliegt direkt in seine Richtung. Er blickt auf den herannahenden Ball, bereitet sich auf den Kopfball vor, steigt hoch und köpft den Ball am Tor von David Da Costa vorbei.

Selbst Amateurfussballer wie Scheidegger treffen in solchen Situationen bei neun von zehn Versuchen. Hätte er den Ball im Tor untergebracht, dann hätte er zur Verschönerung des Cupmärchens beigetragen und wäre wohl der gefragteste Mann auf der anschliessenden Cupparty gewesen...

FC Breiterain: Die erste Niederlage

Der 2.-Liga-Match zwischen Breitenrain und Wabern war kein alltäglicher. Seit auf dem Sportplatz Spitalacker das neue Kunstrasenfeld errichtet wurde, blieb der Zweitligist Breitenrain bis zum 24.August dieses Jahres in elf Spielen unbesiegt. Diese eindrückliche Bilanz schien sich auch gegen den FC Wabern fortzusetzen.

Der Berner Quartierverein führte nämlich bis zur 61.Minute schon 3:0. Dann aber drehte Wabern mächtig auf. Bis zur 84.Minute hatte das Team von Trainer Rolf Rotzetter den Dreitorerückstand wettgemacht. Danach verlor Breitenrain den Faden vollends. Pascal Stadelmann musste nach seiner zweiten Gelben Karte das Spielfeld vorzeitig verlassen.

Und so kam es, wie es kommen musste: In der Nachspielzeit (93.) fiel auch noch das 3:4. Marcel Aegerter hiess der glückliche Torschütze, er besiegelte damit die erste Niederlage von Breitenrain überhaupt auf dem Spitalacker-Kunstrasenspielfeld.

FC Wyler: Der besondere Hattrick

Der 3.-Liga-Match zwischen Wyler a und dem Tabellenletzten Laupen wurde für den Berner Quartierverein in dreifacher Hinsicht zu einem unvergesslichen Erlebnis. Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät durfte den neu erstellten Sportpark Wyler, mit dem Kunstrasenspielfeld, feierlich einweihen. Danach sahen die zahlreich erschienenen Zuschauer ein wahres Fussball-Feuerwerk.

Der Berner Quartierverein deklassierte mit dem «Steinzeit»-Resultat von 15:2 Toren den Tabellenletzten Laupen. Dabei ist dem 25-jährigen Pascal Zehnder ein besonderes Kunststück gelungen. Nach nur 6 Minuten und 23 Sekunden führte Wyler bereits 3:0.

Alle drei Tore gingen auf das Konto von Zehnder. Nicht bekannt ist, ob es der schnellste jemals erzielte Hattrick gewesen ist. Jedes Mal, wenn er eine Sportplatzeinweihung vornehmen dürfe, gebe es hohe Siege für das Heimteam, sagte Tschäppät nach Spielschluss.

FC Konolfingen: Spektakel in der Provinz

Zum zweiten Mal in der 67-jährigen Klubgeschichte des FC Konolfingen ist der zum Kleinstadion umfunktionierte Sportplatz Inseli aus allen Nähten geplatzt. Nach 2004, als der damalige Cupsieger Sion im Emmental zu Gast war, gab es vor, während und nach dem Cupspiel gegen den FC Luzern erneut ein Volksfest. «Wir haben mit rund 2000 Zuschauern gerechnet», sagt der Präsident Urs Graf. Gekommen sind dann aber 2750 Zuschauerinnen und Zuschauer – Stadionrekord.

In vorbildlicher Fronarbeit (rund 1500 Helferstunden) hatten die Vereinsmitglieder die Infrastruktur diesem besonderen Ereignis angepasst. Zwei Wochen vor dem Highlight in der FCK-Klubgeschichte hatte man noch um die Durchführung dieses Cupspiels gebangt. Nach einem heftigen Gewitter hatte das nahe gelegene Flüsschen Chise die Spielfelder und die Garderobenanlagen überflutet. Aber am Matchtag selbst war alles so, wie es vorher war.

Der krasse Aussenseiter, der in die 2.Liga interregional aufgestiegene FC Konolfingen, verlor den denkwürdigen Match gegen den FC Luzern 0:9. Zum «Stängeli» kam es aber nicht, weil Torhüter Stefan Schüpbach in der 90. Minute einen weiteren Treffer von Schneuwly verhinderte. Der Ehrentreffer sollte den Emmentalern versagt bleiben, weil Mike Joss und Marco Schneider in aussichtsreicher Position das Tor verfehlten.

Dann war Schluss. Viele einheimische Tribünenbesucher waren aufgestanden, um ihrem Team zu applaudieren. Es folgten ein gemeinsames Fotoshooting der beiden Teams und eine freundschaftliche Verabschiedung. «Die Luzerner sind gute Typen», sagte Mittelfeldspieler Fabian Binkert.

FC Herzogenbuchsee: Der erbitterte Abstiegskampf

Der FC Herzogenbuchsee erlebt harte Zeiten. Formulierten die Oberaargauer vor der Saison einen Platz unter den ersten drei als Saisonziel, finden sie sich nach der Vorrunde auf dem letzten Platz in der 2.Liga (Gruppe 1) wieder. Der Absturz in die 3. Liga droht – eine äusserst unangenehme Situation für den Oberaargauer Traditionsverein FC Herzogenbuchsee.

Er war lange Zeit ein fester Bestandteil in der 2.Liga interregional. Trainer Cafer Suna relativiert die prekäre Tabellensituation: «In den meisten Partien waren wir dem Gegner absolut ebenbürtig. Oftmals führten jedoch kleine, aber entscheidende Fehler dazu, dass wir die Punkte am Schluss doch nicht holten.»

Das Hauptübel lag also mitunter in den Details, manchmal haderten die Oberaargauer aber einfach auch ein bisschen mit dem Schicksal und dem fehlenden Glück. Suna bleibt trotz allem Optimist: «Wir schaffen die Wende noch.»

FC Spiez: Das «Tunneli» des Jahres

Den Schuss, den Italianas Velid Kurtanovic gegen Spiez in der 77. Minute aus 20 Metern abgab, hätte wohl jeder Zuschauer gehalten, Sven Simon normalerweise auch. Diesmal jedoch fand der Ball durch die Beine des Spiez-Torhüters den Weg ins Tor. «Ein solches Ei habe ich wohl noch nie zuvor kassiert», sagte der Sünder. Der Lapsus hatte zur Folge, dass Spiez einen sicher geglaubten Sieg noch preisgab und sich am Ende mit einem 2:2 begnügen musste.

Böse war man Simon darob allerdings nicht. Gewöhnlich war er den Berner Oberländern in der Vorrunde ein sehr sicherer Rückhalt. Macht ein Torhüter einen groben Fehler, landet der Ball meistens im Tor, und selbst Weltklassetorhüter sind gegen Peinlichkeiten nicht gefeit. Humor ist, wenn man darüber trotzdem lacht.

FC Langenthal: Der Mann für (fast) alle Tore

Marcel Zimmermann vom FC Langenthal ist auch in dieser Saison in der Berner Regionalfussballszene das Mass aller Dinge. Der 25-Jährige gehört in der 2. Liga interregional landesweit zu den torgefährlichsten Spielern. In den bisherigen 13 Meisterschaftsspielen durfte er sich 17-mal als Torschütze feiern lassen. Damit erzielte er genau die Hälfte aller Langenthal-Tore.

Schon im Vorjahr wurde er in der gleichen Liga – damals noch für den FC Ostermundigen spielend – Torschützenkönig. In 25 Spielen hatte er 24 Treffer erzielt. Damit hatte der Torschütze vom Dienst seine einmalige Serie fortgesetzt. In der Spielzeit 2010/2011 hatte er mit seinen 31 Saisontoren Ostermundigen praktisch im Alleingang von der 3. Liga in die 2. Liga geschossen. Gleiches wiederholte sich ein Jahr später, als Zimmermann 2.-Liga-Topskorer wurde und Ostermundigen erneut den Aufstieg schaffte.

FC Rothorn: Der Spielabbruch, der keiner war

Die Reise ins Seeland wurde für den FC Rothorn zu einem Ärgernis. Als der Match in Aarberg angepfiffen wurde, zogen die ersten Nebelschwaden über den Sportplatz Aarolina. Im Verlaufe des Spiels verdichtete sich der Nebel von Minute zu Minute, und die Sicht wurde immer schlechter. «Man konnte von der Mittellinie aus die beiden Tore nicht mehr erkennen», erinnert sich der Rothorn-Trainer Haki Rakipi zurück.

Infolgedessen handelte der Schiedsrichter richtig, als er den Match nach rund 75 Minuten abbrach. Die Mannschaften akzeptierten den Schiedsrichterentscheid und begaben sich in die Umkleidekabinen. Einige der Rothorn-Spieler hatten bereits geduscht und waren umgezogen, als der Schiedsrichter Minuten später die Garderoben betrat und den beiden Mannschaften mitteilte, dass sie sich bereithalten sollten.

Er werde das Spiel fortsetzen, sobald es die Sichtverhältnisse erlauben würden. Dies tat er Minuten später auch, obwohl sich die Wetterlage nicht gebessert hatte. Der Match wurde unter irregulären Bedingungen zu Ende gespielt. Aarberg siegte 5:0.

FC Rothorn: Die spezielle Tanzeinlage

Die Zuschauer des 2.-Liga-Spiels Rothorn gegen Spiez staunten nicht schlecht, als vor dem Match auf dem Sportplatz Lamm eine Cheerleading-Show geboten wurde. Vier Frauen, angeführt von Nicole Ferretti-Müller, Ehefrau des ehemaligen Rothorn-Spielers Ciro Ferretti, tanzten zur umgewandelten Version des Evergreens «Volare» den neuen FC-Rothorn-Song.

Nach dem Match tanzten dann aber nur die Spiezer Fussballer, die im Derby 2:1 gesiegt hatten. Ferretti-Müller ist Gründerin der Theatersportgruppe «Brienzipiel» l, Vizepräsidentin des Dramatischen Vereins Brienz sowie Hobbyschauspielerin.

Berner Zeitung

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